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Die E-Zigaretten – Alles nur Fragezeichen?

Die elektrische Zigarette erfreut sich in letzter großer Beliebtheit – nach Unterschiedlichen Angaben gibt es allein in Deutschland zwischenzeitlich zwischen 1,2 und 2 Millionen E-Raucher. Weil die Regierung sie als Arzneimittel eingestuft hat, dürfen sie aber unter Umständen nicht einfach verkauft werden. Der Zoll hat deswegen schon über 45 000 Fläschchen mit dem flüssigen Liquid beschlagnahmt. Sobald diese Nikotin enthalten müssen sie laut Arzneimittelgesetz zugelassen werden und Verkauf und Handel der Qualm- & Dampf-Lieferanten ist bis dahin verboten. Die Gesundheitsministerin von NRW Barbara Steffens hatte bereits Ende 2011 betont, dass keines der derzeit geschätzt mehreren hundert Liquid-Produkte zugelassen sei, der Vertrieb damit illegal.

Der Konsum ist derweilen lang nicht so eindeutig geregelt. Alle Gesetze in den Bundesländern zum Nichtraucherschutz (negativ oft als Rauchverbote bezeichnet) sind auf den Konsum von Tabak ausgerichtet, also das Abbrennen von Zigaretten, Zigarillos, Zigarren und Pfeifentabak. Die kleinen E-Zigaretten-Geräte arbeiten über einen batteriebetriebenen Vernebler oder Verdampfer und benötigen keine Verbrennung und keinen Tabak.

Wenn man dem Sprecher des Forums rauchfrei, Johannes Spatz, glaubt, ist es trotzallem ein „risikobehaftetes Produkt“ – nicht zuletzt könne hochkonzentriertes Liquid, sozusagen flüssiges Nikotin in den Mund gelangen und verschluckt werden. Davor warnen auch die Hersteller der Verdampfungsgeräte. Die Bundesregierung warnt ebenfalls: „Die Bundesregierung nimmt eine mögliche Gesundheitsgefährdung durch die seit einigen Jahren auf dem Markt befindlichen E-Zigaretten sehr ernst.“ Der eingeatmete Nebel bestehe zu etwa 90 Prozent aus Propylenglykol, das „akute Reizungen der oberen Atemwege und Augen“ auslösen könne sowie „Beeinträchtigungen der Atemfunktion.“ „Nebenwirkungen wie Verengung der Atemwege konnten in einer aktuellen Studie bei E-Zigarettenrauchern bereits nach fünf Minuten nachgewiesen werden“, belastbare Studien zu Langzeitfolgen des E-Rauchens gibt es bislang aber nicht. Vor allem für Jugendliche sei die E-Zigarette, wie ihr konventioneller Vorgänger, ein Einstiegsprodukt.

Quelle: http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12292710/62249/Die-Zahl-der-Tabakkonsumenten-geht-zurueck-aber-die.html, http://www.welt.de/regionales/duesseldorf/article13895751/Fahnder-ziehen-E-Zigaretten-Liquid-aus-dem-Verkehr.html

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Update 28. März 2012

Im Streit ob die E-Rauchmittel nun Arznei oder Genuß sind, streiten sich nicht nur die Geister – für Unternehmen geht es viel Geld, sie gehen deshalb u. a. in Münster vor Gericht. Vor dem Oberverwaltungsgericht ist ein Verfahren anhängig, das in erster Instanz zugunsten des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerium entschieden worden war. Immer noch fordert der Hersteller den freien Verkauf seiner Produkte, nikotinhaltige E-Zigaretten, die das Ministerium zu Medizinprodukten erklärt und damit apothekenpflichtig macht.

 

Mrz
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4 Responses to “Die E-Zigaretten – Alles nur Fragezeichen?”

  1. Gloria sagt:

    Ich finde die Artikel zur E-Zigarette hier leider sehr eindimensional. Die Risiken auf der einen Seite werden zur Diskussion gestellt, die gesundheitliche Entlastung für bereits schwerwiegend suchtkranke Raucher, von denen lediglich ca. 3% einen dauerhaften Entzug schaffen, wird mit keinem Wort erwähnt. Diese eindimensionale Informationspolitik trägt so unzureichend zur Patientensouveränität bei, die Suchtkranke jeder Facon dringend benötigen, um selbstverantwortliche, gesundheitliche Entscheidungen treffen zu können. Wie wäre es mit einem differenzierten Beitrag über Public Health England (2015): E-cigarettes: an evidence update?

  2. admin sagt:

    Hallo Gloria, vielen Dank für Deinen Kommentar. Woher kommt die Information, dass nur 3% der Raucher dauerhaft einen Entzug schaffen? Laut dem aktuell veröffentlichten Tabakatlas Deutschland sind es deutlich mehr: „Knapp zwei Drittel der Raucher würde sein Laster gerne aufgeben, doch nur knapp die Hälfte der Rauchstopp-Versuche ist dauerhaft erfolgreich.“

    Natürlich ist es Ziel dieser Seite, die Souveränität des Menschen wieder herzustellen; dazu gehört aber auch, nicht ein Suchtprodukt mit einem anderen zu ersetzen. Nun ist es sicherlich so, dass die Risiken des Tabakrauchens kaum übertroffen werden können; d. h. die Risiken von E-Zigaretten sind vermutlich kleiner.

    Dennoch binden Sie Raucher an die Handlungen, an das Nervengift Nikotin usw. Und Ziel von nie-wieder-tabak.de ist es, einen wirklich freien Menschen aus einem ehemaligen Raucher zu machen. Allein durch die Überzeugung des Geistes, die Aktivierung des Willens: „Ich will mit dem Rauchen aufhören, weil es niemandem etwas bringt. Am allerwenigsten mir. Im Gegenteil, ich schade mir und anderen und es kostet sehr viel Geld, das anders sicherlich besser verwendet werden kann.“

    Wenn jedoch ein langjähriger Zigaretten-Raucher es sich zum Ziel macht, das Rauchen aufzugeben und es ihm trotz Nikotin-Pflastern und anderen Hilfsmitteln nicht gelungen ist, den Rauchstopp erfolgreich über längere Zeit beizubehalten, kann die E-Zigarette sicherlich ein Weg sein.

    Danke auch für den Hinweis auf dieses Dokument: Public Health England (2015)

  3. Gloria sagt:

    Ich kann Eure Position inhaltlich gut nachvollziehen. Leider hat sich da auf anderen Webseiten ein unüberschaubares Spannungsfeld von Interessen ergeben, das das Informationsbedürfnis der Betroffenen nicht mehr wirklich berücksichtigt.

    Die 97%-Angabe stammt aus einer Metaanalyse. Es gibt zwar Studien mit höheren Abstinenzraten in Abhängigkeit von der eingesetzten Methode, die sich jedoch maßgeblich auf einen kürzeren Zeitraum beziehen.

    Ich bin gerade nur mit Tablet untergwegs, die Studien sind hier verlinkt:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Nicotin#Medizinische_Verwendung

  4. admin sagt:

    Danke für den Link. Bei diesen 3% handelt es sich also um diejenigen, die auch ohne professionelle Begleitung einen Rauchstopp schaffen (d. h. nach einem selbst organisierten Verzicht nach 6 Monaten noch rauchfrei sind): „Während die Erfolgsquote einer Raucherentwöhnung im Selbstversuch bei etwa 3–5 % liegt, lässt sich diese durch professionelle Hilfe deutlich auf 30 % bzw. bis über 50 % (je nach Studien und Nachbeobachtungszeit) steigern. In wissenschaftlich fundierten Raucherentwöhnungsprogrammen erfolgt in der Regel eine psychosoziale Begleitung der Patienten über einen längeren Zeitraum sowie eine Kombination verschiedener Therapiemöglichkeiten (multimodale Therapie) nach individueller Auswahl, da die individualisierte Einzelberatung die höchste Effektivität aufweist.“ Quelle: Wikipedia: Raucherentwöhnung

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