helmut « Nie wieder Tabak

Gedenken an Altbundeskanzler Helmut Schmidt

Helmut Schmidt ist tot. Die Nachberichterstattung läuft in vollem Gang. Und was bleibt, sind zwei Gedanken:

  • hervorragende, analytisch glänzende Politiker-Legende (sowohl als Hamburger Innenminister als auch als Bundeskanzler)
  • Kettenraucher (Menthol-Zigaretten), für den Nichtraucherschutz wegen seiner imposanten Persönlichkeit nicht zu gelten hatten

Wünschen wir ihm und uns, dass er künftig nur noch als Politiker und Mensch war genommen wird und der „kalte Rauch“ sich verzieht. Zu bedauern wäre, wenn er künftig (nur noch) als Beispiel herhalten müsste, dass man auch als starker Raucher 96 Jahre alt werden kann. Und dies nicht nur, weil es statistisch schlicht und einfach extrem unwahrscheinlich ist.

Nov
11

Lungenkrebstod von Helmut Dietl

Der Lungenkrebstod des nur 70 Jahre alten Helmut Dietl erschüttert viele Münchner und seine Fans. Dietl war viele Jahre süchtiger Raucher – die Umschreibung „starker Raucher“ impliziert für mich etwas positives im Rauchen, deswegen lehne ich es ab ihn so zu bezeichnen, auch wenn er eine starke Persönlichkeit war. Zu seinen Leistungen rund um das Thema Film und Fernsehen zählen „Monaco Franze“, „Kir Royal“ sowie die Filme „Schtonk!“ (Über gefälschte Hitler-Tagebücher) und „Rossini“. Der Regisseur hatte gut eineinhalb Jahre vor seinem Krebstod publik gemacht, dass er an Lungenkrebs erkrankt war.

Apr
01

Meine Oma hat mit 90 noch geraucht und war nie krank …

Kennen Sie diese Beispiele auch? Helmut Schmidt ist eines dieser „Rauchen kann ja gar nicht so schlimm sein“-Beispiele. Denn: Rauchen führt a) nicht unweigerlich zu einem schmerzhaften und langwierigen Tod sondern nur mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit und b) nicht unmittelbar. Und genau hier liegt für den Menschen das Problem: die Hoffnung spielt laut Psychologen eine entscheidende Rolle. Psychologe Gerd Gigerenzer sagt: „Wir fürchten uns oft vor den falschen Dingen: vor denen, die uns wahrscheinlich nicht umbringen. […] Nehmen wir den deutschen Grünen, der Kettenraucher ist, aber sich vor genetisch modifiziertem Mais fürchtet, weil es krebserregend sein könnte. Da stimmt etwas nicht.“

Um die „Furcht“ vor Tabakprodukten bzw. besser vor deren Auswirkungen auf ein neues Niveau zu heben, plädieren er und andere dafür, bereits bei Kindern den Respekt (bzw. besser die Angst) vor Krebs zu festigen um künftige Gesellschaftsgenerationen gesünder zu machen.  Er sagt: „Wenn man die Hälfte des Geldes, das man heute im Kampf gegen Krebs ausgibt, darauf verwenden würde, junge Menschen vor der Pubertät risikokompetent zu machen, dann würden wir mehr Leben vorm Krebstod bewahren, als wenn man das gleiche Geld ausgibt, um die nächste Generation von Krebsmedikamenten zu entwickeln.“

Richtig ist aber vermutlich ein Schritt weiter: wenn weniger Menschen rauchen, erkranken künftig weniger Menschen an Krebs; dadurch sinken die Gesundheitskosten und das eingesparte Geld kann dann für die Krebsforschung investiert werden, so dass den Menschen besser geholfen werden kann, die trotzdem erkranken. Da der Mensch Entscheidungen nicht nur intellektuell sondern immer auch emotional trifft, muss der bisherige Weg der Information und Aufklärung zwar weiter beschritten werden, es muss aber auch wie in den USA eine „Bauchkomponente“ dazu kommen. Dort wird die Anti-Tabak-Werbung inzwischen emotionalisiert – wieso nicht den gleichen Weg wählen, wie die Tabakkonzerne? Plakate von zwei Cowboys im Gegenlicht eines Sonnenuntergangs und der Slogan „Bob, I’ve got cancer.“ (Bob, ich habe Krebs.) führen mit wenigen Worten auf Großleinwänden zu deutlichen Impressionen beim Werbekonsumenten … die sachliche Erklärung: „Auch das Rauchen einer Marke, die angeblich Freiheit und Männlichkeit verspricht, wird über kurz oder lang mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu Einschränkungen der Lungenfunktion, einem Anstieg der freien Radikale im Körper und damit einer beschleunigten Zellalterung, einer statistisch signifikanten Wahrscheinlichkeit zur Erkrankung an Lungenkrebs, vielen anderen Krebsarten oder anderen Atemwegsbeschwerden führen.“ dagegen führt dazu dass kaum jemand die Botschaft aufnimmt und dazu dass vermutlich niemand seine Entscheidung zu Rauchen in Frage stellt.

Wer in eine laufende Kettensäge langt, wird unmittelbar „belohnt“ und diese unmittelbare Gefahr ist uns deutlich präsent. Dagegen herrscht die Hoffnung, dass auch wenn man viel Alkohol trinkt, raucht und ungesund isst man nicht unbedingt erkranken muss. Rudolf Kaas, Krebsforscher am DKFZ (Deutsches Krebsforschungs-Zentrum) sagt: „Diese Hoffnung treibt einen dazu, eine Verhaltensweise nicht gleich aufzugeben.“ Aber das schöne ist, dass es auch eine andere Hoffnung gibt: seit Einführung der Rauchverbote in der Gastronomie hat sich der Gesundheitszustand der Deutschen signifikant verbessert: in einer Fünfjahres-Studie hat die DAK mit den Daten Ihrer 3,7 Millionen Versicherten sage und schreibe acht Prozent weniger Krankenhauseinweisungen wegen Herzinfarkt und 13% weniger stationäre Behandlungen mit Angina Pectoris (Herzenge) verzeichnen können. Ein Schritt in die richtige Richtung. Vor diesem Hintergrund wird auch klar, dass Menschen manchmal zu ihrem Glück (in diesem Fall zu Ihrer eigenen Gesundheit) gezwungen werden müssen. Ob durch Nichtraucherschutzgesetze (auch ein Raucher ist ein potentieller Nicht(mehr)raucher) oder durch werbevermittelte Emotionen die einen Rauchstopp im Kopf veranlassen.

Quellen: http://www.dw.de/meine-tante-hat-auch-geraucht-und-ist-100-geworden/a-17384376, http://www.tophotel.de/news/1349-rauchverbot-bewaehrt-sich-auch-in-der-gastronomie.html

Feb
06

Wenn Helmut Schmidt das darf …

dann darf ich das auch! Ein toller Feldversuch vom NDR / extra3 zeigt, Frechheit und Egoismus („ICH darf das!“) siegt. Scheinbar. Denn Rauchen ist nicht nur frech sondern vor allem gesundheitsschädlich und führt deswegen nie zum Sieg sondern fast unweigerlich zu einem schmerzhaften und frühzeitigen Tod. Und zwar in erster Linie beim Raucher selbst aber auch bei passivrauchenden Kindern, Freunden, Frauen, Männern, Hunden, Katzen und vermutlich sogar bei Delphinen 😉

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/extra_3/videos/extra4883.html

Schlagwörter: , ,
Mai
13

Jan Fedder weiß was Zigaretten anrichten

Nach seiner Krebsdiagnose (Gaumenkrebs) zog sich der beliebte TV-Polizist Jan Fedderer für nahezu sechs Monate zurück und unterwarf sich einer umfangreichen Krebstherapie. „Man fängt an, darüber nachzudenken, dass alles mal zu Ende geht“ wird der Schauspieler nach seinem Comeback am Set der ARD-Serie „Großstadtrevier“ von „Bild am Sonntag“ zitiert. Noch auf dem Weg zu Bestrahlung hätte er geraucht – aber nach der ersten Strahlentherapie ist er Nichtraucher.

Noch vor fünf Jahren kämpfte er lautstark für das Rauchen in Kneipen und warnte vor der Zerstörung der Kneipenkultur allgemein und des Hamburger Kiez‘. Er wollte sich partout den „Spaß am Rauchen“ nicht verderben lassen und meinte dazu „Da bin ich schlimmer als Helmut Schmidt – und rigoroser“; aber scheinbar nicht mit einem so unglaublichen Metabolismus wie Schmidt gesegnet.

Wir wünschen Fedder alles Gute im rauchfreien Leben!

Apr
15

Unbelehrbarer Helmut Schmidt

Altkanzler Helmut Schmidt, der nach eigenen Angaben eine „Nikotinmarionette“ ist, hat wieder einmal geltenden Nichtraucherschutz mißachtet und zeigt damit wieder eine Ignoranz oder Überheblichkeit – ab einer bestimmten „Lebensleistung“ oder ab einem bestimmtem Alter darf man alles?! Konsequent hat das Hamburger Bezirksamt Mitte die Handelskammer Hamburg als Veranstalter der Verleihung des nach Schmidt benannten Journalistenpreises im Hotel Atlantic abgemahnt.

Schmidt wurden in den letzten Jahren (teilweise auch mit seiner inzwischen verstorbenen Frau gemeinsam) beim rücksichtslosen Rauchen bei verschiedenen öffentlichen Anlässen gefilmt, photografiert oder beobachtet und dann angezeigt. So beim Neujahresempfang 2008 in einem Hamburger Theater oder bei Fernsehauftritten 2011 bei Günther Jauch.

Das Hamburger Abendblatt berichtet darüber, als sei es für Ämter und Behörden lächerlich Gesetze einzuhalten oder bei Verstößen regulierend einzugreifen. Der Bezirk Mitte gibt an in diesem Fall nicht von selbst aktiv geworden zu sein sondern auf eine Anzeige der agilen Nichtraucherlobby in der Elbmetropole reagiert zu haben: „Wenn ein solcher Fall offiziell angezeigt wird, sind wir einfach verpflichtet, gewisse Maßnahmen zu ergreifen“.

Schmidt raucht seit vielen Jahren (lt. einem Interview seit etwa 80 Jahren) und ist offensichtlich mit einem hervorragenden Metabolismus gesegnet. Statistisch betrachtet ist er ein gesundheitlicher Ausreißer und kein Beispiel für Raucher – Langzeitabhängige leiden häufig in diesem Alter unter Lungenkrebs, COPD (chronisch-obstruktive Lungenkrankheit) und anderen Folgeerscheinungen des Tabakrauchens; die meisten langjährig abhängigen Raucher erleben den 90sten Geburtstag aber leider nicht.

Quelle: http://www.abendblatt.de/hamburg/article113107015/Rauchen-im-Atlantic-Vorwurf-gegen-Schmidt-loest-Debatte-aus.html

Jan
28

Basteln statt rauchen. Freizeittipps eines Rauchers.

Harmonie. Das ist, wenn alle der gleichen Meinung sind. Auch wenn sie verschiedene Lebensweisen haben. Und totzdem lässt jeder den anderen tun und lassen was er will. In dem unten verlinkten, schön zu lesenden Artikel aus der Frankfurter Rundschau formulier der Autor Stefan Behr eine sehr schöne sicht auf das Rauchen. Ganz nebenbei geht er mit einem winzigen Satz auf die letzte TV-Verfehlung zum Thema Rauchen ein, auf Maischbergers Interview mit Altbundeskanzler Helmut Schmidt: „Selbst ein herrlicher hanseatischer Patrizier wie Helmut Schmidt wird, wenn’s ums Rauchen geht, zur altersstarrsinnigen Nervensäge.“ Vor allem schreibt er aber was sich geändert hat: das Wissen um die Gefährlichkeit des Tabakkonsums (in jeder Form) und der In-Faktor von Zigaretten. Danke, für einen kurzweiligen Lesespaß.

Zum Artikel: http://www.fr-online.de/freizeittipps/rauchen-kippen-zu-bastelstaeben,1474298,16810172.html

Aug
09