passivrauch « Nie wieder Tabak

England will Rauchen im Auto verbieten

Ein richtiger Schritt in Richtung umfassendem Schutz von Kindern vor Passivrauch: In England soll das Rauchen im Auto verboten werden wenn Kinder oder Jugendliche mitfahren. Laut BBC steht ein Strafmaß von £50 (~63€) im Raum. Dies erscheint uns zu niedrig, um effektiv abzuschrecken, aber es verbessert die Situation von Kindern erheblich. Die Einführung des jetzt vorliegenden Gesetzentwurfs wird für den 1. Oktober 2015 vorgesehen.

Die britische Gesundheitsministerin Jane Ellison wird mit den Worten zitiert: „Passivrauch ist eine echte Bedrohung für Kinder und wir möchten dass Sie ohne die Risiken des Rauchens aufwachsen können. […] Der einzige echte Schutz für sie ist es, sie vor dem Einatmen des Passivrauchs zu schützen und unser Vorhaben das Rauchen in Autos mit Kindern zu stoppen wird genau dabei helfen.“ (Q: „Second-hand smoke is a real threat to children’s health and we want them to grow up free from the risks of smoking.“ „The only effective way to protect children is to prevent them breathing second-hand smoke and our plans to stop smoking in cars carrying children will help us to do this.“)

Die verantwortliche Staatsbeamte Deborah Arnott (chief executive of Action on Smoking and Health) sagt dazu: „Wir sind sehr erfreut. Wir drängen die Regierung zusätzlich auf Regelungen zur Vereinheitlichung von Verpackungen noch vor den nächsten Wahlen. […] Diese beiden Maßnahmen zusammen werden dazu beitragen das Rauchen zu Denormalisieren und Kinder vor der tödlichen Sucht zu schützen.“ (Q: „We are delighted. We also urge the government to put the regulations on standardised packaging to Parliament before the general election.“ „This, together with the protection of children from second-hand smoke in cars, will help de-normalise smoking and protect children from this deadly addiction.“).

Selbstverständlich werden Stimmen aus der Raucher-Lobby (die in unseren Augen eher eine Zigarettenhersteller-Lobby ist) laut, die vor übertriebenen Regelungen warnen. Schließlich wissen rauchende Eltern um die Gefahren des Passivsrauchens und würden ihre eigenen Kinder stets beschützen wollen und schon deshalb würden die meisten von ihnen auf das Rauchen im Auto verzichten. Sie warnen vor einer Kriminalisierung der Raucher, nur weil diese sich in ihrem eigenen Auto eine Zigarette anzünden würden.

Ähnliche Gesetzgebungsverfahren laufen derzeit auch in Wales und Schottland. Nordirland prüft ein solches Vorhaben.

Q: http://www.bbc.com/news/health-30513439

 

Dez
18

(Fast) alle wollen rauchfreie Gaststätten

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (dkfz) prüft mit Hilfe der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) seit Jahren die Zustimmung oder Ablehnung in der deutschen Bevölkerung zu den Nichtraucherschutzgesetzen der Bundesländer. Die Rauchverbote in der Gastronomie unterscheiden sich stark voneinander. Außer in Bayern, dem Saarland und in Nordrhein-Westfalen gibt es immer noch Ausnahmeregelungen für Raucherräume und Raucherkneipen.

Doch immer mehr Menschen wünschen sich einen vollständigen Schutz vor Passivrauch. Seit 2005 ist der Prozentsatz der Befragten, die sich rauchfreie Kneipen und Wirtshäuser wünschen, von knapp 53% auf fast 82% angestiegen.

AdWfdP-Rauchfreie-Gaststaetten-zustimmung-2005-2013

Durch das – zugegeben erzwungene – Erleben von rauchfreien Gaststätten hat sich auch unter den Rauchern die Sicht geändert. Wollten 2005 nur 30% der Raucher eine rauchfreie Umgebung beim Essen und Trinken sind es im Februar 2013 schon fast 60%. Leider gibt es immer noch nur drei Bundesländer, die diesem Willen Rechnung tragen. Das dkfz schreibt dazu: “

In den übrigen Ländern bleibt den Befürwortern des Nichtraucherschutzes nur eine beklemmende Alternative: Sie können sich entweder darüber beschweren, in Eckkneipen, Diskotheken, Festzelten oder Spielhallen den Giftstoffen des Tabakrauchs ausgesetzt zu sein – dann werden sie von den Inhabern der Einrichtungen aller Erfahrung nach als „Denunzianten“ gebrandmarkt. Oder sie gehen solchen Anfeindungen aus dem Wege und verzichten auf Beschwerden – was dann von der Tabaklobby als Beleg dafür angeführt wird, dass die Ausnahmeregelungen für Raucherräume und Raucherkneipen einen „gelungenen Kompromiss“ darstellen.“ und “ Um die Bevölkerung vor den Gefahren des Passivrauchens zu schützen, wäre eine bundesweit einheitliche Regelung aus Sicht des Deutschen Krebsforschungszentrums die beste Lösung.“

Gegen eine solche flächendeckende Lösungen stemmt sich die tabaknahe Industrie und die Tabaklobby mit massivem Geld- und Mitteleinsatz, genauso, wie sie gegen die Schutzmaßnahmen aus dem Europäischen Parlament Stimmung macht.

 

Quelle: http://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/download/AdWfdP-Rauchfreie-Gaststaetten-2013.pdf

 

Sep
11

Raucherkinder ähnlich belastet wie einst Barkeeper

Auch wenn Eltern nur im Garten oder auf dem Balkon rauchen, die Kinder bekommen trotzdem ihre Portion Nikotin ab

Mehr als die Hälfte der Kinder, die in Raucherhaushalten leben, rauchen ungewollt mit: Bei ihnen lassen sich im Urin zum Teil erhebliche Mengen eines Nikotin-Abbauprodukts nachweisen – selbst dann, wenn die Eltern lediglich auf dem Balkon oder im Garten rauchen.

Das haben Greifswalder Forscher um Sabina Ulbricht im Rahmen einer groß angelegten Studie entdeckt. Darin wurden bisher 922 Familien aus Ost- und Nordvorpommern befragt, in denen mindestens ein Raucher und mindestens ein Kleinkind unter vier Jahren lebt. In der nächsten Phase der Studie wollen die Forscher testen, ob die Passivrauchbelastung der Kinder durch Beratungs- und Informationsangebote verringert werden kann, berichtet die Universität.

Die Familien, die sich zur Teilnahme an der Studie bereit erklärt hatten, gaben in einem Gespräch Auskunft über das Rauchverhalten und andere gesundheitsbezogene Fragen. Zudem stellten sie den Forschern eine Urinprobe ihres Kindes zur Verfügung.

Nach mittlerweile drei Jahren gibt es jetzt die ersten Ergebnisse: Lediglich bei 43 Prozent der Kinder aus den betroffenen Familien ließen sich keine Rauchrückstände in Form der Verbindung Cotinin im Urin nachweisen. Bei 34 Prozent zeigte sich eine eher geringe Belastung, knapp 23 Prozent der Proben müssen jedoch als stark belastet eingestuft werden.

„Am höchsten ist die Passivrauchkonzentration bei Kindern, deren Eltern direkt im Wohnzimmer rauchen“, erläutert Studienleiterin Ulbricht. Doch auch wenn ausschließlich auf dem Balkon geraucht wird, sind die Kleinen nicht ganz vor dem Passivrauch geschützt: „Trotz dieser Vorsicht kann es zu nachweisbaren Rückständen bei den Kindern kommen“, sagt Ulbricht. Sie betont, dass es auch nicht ausreiche, lediglich nachts zu lüften.

Das Rauchen auf einen Raum in der Wohnung zu begrenzen, ist ebenfalls keine erfolgversprechende Strategie: Kleinkinder hielten sich aufgrund der engen Bindung an die Eltern in den ersten Lebensjahren bevorzugt dort auf, wo die Eltern sind. Übersehen werde zudem häufig die Gefahr, die vom Rauchen im Auto ausgeht – selbst wenn nur kurze Strecken zurückgelegt wurden.

„Passivrauchen erhöht nachgewiesenermaßen die Anfälligkeit für Krankheiten und, vor allem wenn die Kleinen mit ihren Eltern in einem Zimmer schlafen, das Risiko für plötzlichen Kindstod“, weist Ulbricht auf die Folgen der Rauchinhalation hin.

Zudem habe erst kürzliche eine Untersuchung von 10- bis 12-Jährigen aus Raucherhaushalten gezeigt, dass bei ihnen bereits erste Anzeichen einer Arteriosklerose, landläufig Arterienverkalkung genannt, nachweisbar sind. Sie gilt als wichtigster Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Man muss sich also klarmachen, dass man bei den Kindern bereits Weichen für das gesamte spätere Leben stellt“, betont die Studienleiterin.

Einen Schwellenwert, bis zu dem kein Risiko besteht, gibt es dabei nicht: „Wenn wir sagen, die Proben waren nur schwach belastet, beziehen wir uns ausschließlich auf die Messwerte – eine Entwarnung ist das nicht, im Gegenteil“, sagt Ulbricht. Wie stark die Belastung der Kleinen in der aktuellen Studie zum Teil war, illustriere ein Vergleich mit einer Untersuchung von Barkeepern und Kellnern: „Die Barmitarbeiter hatten im Schnitt etwa 45 Nanogramm Cotinin in jedem Milliliter Urin – und die stärker belasteten Kinder erreichten ebenfalls Werte über 40 Nanogramm pro Milliliter.“

Die endgültigen Ergebnisse wollen die Forscher Anfang nächsten Jahres veröffentlichen. Dann könne auch bewertet werden, ob Informationsangebote und Aufklärungskampagnen tatsächlich helfen, die Belastung der Kleinkinder zu senken. Dazu hatten die Wissenschaftler die Raucherfamilien in zwei Gruppen geteilt, von denen eine intensive Beratung erhielt und die andere keine zusätzlichen Informationen. Nach einem Jahr soll eine zweite Urinprobe bei den Kindern dann zeigen, ob sich in dieser Zeit ein Unterschied herausgebildet hat.

Quelle: http://www.welt.de/wissenschaft/article10563317/Raucherkinder-aehnlich-belastet-wie-einst-Barkeeper.html

Okt
27