werbung « Nie wieder Tabak

Plakat als Meinungsverstärker

Wer kennt das nicht – ungeachtet aller Mitmenschen ist einer oder eine gezwungen, sich eine Zigarette anzustecken. Manche rücken ein Stück ab, andere schütteln den Kopf oder husten aber die meisten achten nicht weiter drauf. Nicht ohne Grund steht auf Zigarettenschachteln der Hinweis „… können Sie und Ihre Mitmenschen schädigen“. Wie kann es einem aber gelingen (zumindest in klar als Nichtraucherbereich gekennzeichneten Räumen), diesem in eine ungewollte, zerstörerische Abhängigkeit Getriebenen klar zu machen, dass er gerade Luftverschmutzung betreibt, sich krank macht und andere mindestens belästigt?

Heutzutage, da immer wieder von Gewalttätigkeiten gegen Zivilcourage zu lesen ist, leider schwierig. Ein Plakat jedoch hat keine körperlichen Folgen zu befürchten – warum überlassen wir das also nicht mal einem Plakat? Das zumindest scheint sich der schwedische Konzern APOTEK bei seiner Werbung gedacht zu haben und hat sein interaktives Plakat mit einem Sensor für Tabakqualm ausgestattet – und das hier kam dabei raus:

Jan
12

YOU DIE

Die neue Werbung von Philip Morris für die Marke Marlboro wartet mit völlig tabak-unrelevanten Halbsätzen und Sprüchen auf. Sie setzt die Kampagne MayBe fort. Die doofen, pseudo-weltmännisch-englischen Sprüche sind schon kaum mehr zu überbieten (s.ä.w. „Is up the only way?“). Aber wenn man auf die Plakate starrt, enthüllt sich einem scheinbar mühelos ein mir einleuchtender Zweck: Jeden der sich die Mühe macht darüber zu informieren, dass Rauchen tödlich bleibt:

you_die

Mrz
14

STOP Marlboro

logoshadow_400Unterstützt die Kampagne STOP Marlboro und damit die jugendgefährdende Kampagne „Be Marlboro“ die in über 60 Ländern dazu führt, dass mit perfiden Mitteln neue Süchtige generiert werden. Unter www.stopmarlboro.org könnt Ihr schlimme Beispiele finden, mit welchen, genau auf junge Menschen zugeschnittenen Marketinglügen (Motive sind z. B. junge sexy Mädchen, Party und Abenteuer) Jugendliche auch unter 18 in eine aus Konzernsicht möglichst lebenslange „freiwillige“ Abhängigkeit gebracht werden sollen. Dass durch das Rauchen Krankheiten wie Lungenkrebs, COPD, Amputationen wegen Durchblutungsstörungen usw. ausgelöst werden können, ist allen Beteiligten Werbern bewusst und trotzdem ist die Gier stärker.

Es ist für jeden Menschen schwierig, den unmittelbar eintretende Zigarettenkonsum mit Krankheiten in Verbindung zu bringen, die in 20 oder 30 Jahren eintreten. Deswegen ist die Aufklärung bei Jugendlichen, die noch stärker als Erwachsene im Jetzt leben (Beispiel: Rentenversicherung), auch enorm schwierig und Werbung, die auf das Jetzt ausgerichtet ist, kommt bei dieser Zielgruppe sehr gut an. Darauf baut die MayBe-Kampagne mit Motiven wie MAYBE I WILL PARTY ALL NIGHT oder MAYBE NEVER FELL IN LOVE.

Unterzeichne noch heute die Petition auf www.stopmarlboro.org

Mai
06

Kinder sollten rauchen!

In Thailand geht man ungewohnte Wege: die direkte Ansprache von öffentlich rauchenden Menschen. Durch Kinder.

Und noch etwas ist ungewöhnlich: man lässt Kinder auf Raucher zugehen und um Feuer bitten. Was passiert? Sehen Sie selbst:

beste Anti-Raucher-Werbung ever! from TomFilm on Vimeo.

Warum dürfen Kinder nicht rauchen, Erwachsene aber schon?

Aug
22

Schleichwerbung in meinem Blog

Immer wieder erhalte ich Schreiben von dubiosen Vertriebsagenturen, PR-, SozialMedia- und Werbeberatern aber auch von Firmen, die hier glauben kostenlose Werbung für Ihre „Tabakentwöhnung“ und allen möglichen anderen Blödsinn machen lassen zu können. Wobei hier nicht das kostenlos im Vordergrund steht, die Werbung ist das wichtige.

Wofür steht dieser Blog? Für Hinweise zur Entwöhnung durch käufliche Produkte wie E-Zigaretten, Nikotinpflaster, Kaugummis? Nö. Eher nicht. Denn: der Konsument wird dadurch von einem Produkt zum anderen gereicht. Mein Ziel ist es möglichst vielen Menschen die Augen zu öffnen, dass es völlig unsinnig ist Produkte zu kaufen die keiner braucht und auch keiner will. Beim Tabak wird seit über 50 Jahren geforscht und noch immer finden Wissenschaftler neue Gefahrenpotentiale für seine Konsumenten. Bei Verdampfern von sogenannten Liquids steht der Vertrieb und auch die Forschung ganz am Anfang – klar ist aber, wer Anfängt oder darauf umsteigt wirft sein Geld eben einer neuen, skrupellosen Maschinerie in den Hals – jahrelang, manchmal den Rest des Lebens. Nicht umsonst sind die vier Großen Tabakkonzerne in das Geschäft mit der elektrischen Zigarette eingestiegen.

Beispielhaft für einen solchen Unsinn an Kommunikation habe ich hier den Mailverkehr (allerdings ohne die Hinweise auf die Internetseite des Shopbetreibers) von gerade eben vorzubringen:

Von: Davi Zwiener
Gesendet: Dienstag, 29. April 2014 17:12
An: jps@nie-wieder-tabak.de
Betreff: Shopvorstellung
Sehr geehrte Damen und Herren,
mein Name ist Davi Zwiener von PowerCigs. Ich bin während meiner Recherche auf Ihren sehr informativen Blog http://nie-wieder-tabak.de gestoßen, auf dem Sie diverse Produkte vorstellen. 
Möchten Sie auch eines unserer PowerCigs Produkte vorstellen? Beispielsweise unser neues Power-X Startetest: power-x-starterset
Gerne sende ich Ihnen ein kostenloses Set zu.
Ich freue mich von Ihnen zu hören.
Beste Grüße,
Davi Zwiener, Powercigs – L & L International Trading Ltd.

 

Natürlich möchte ich meine Antwort hier nicht vorenthalten:

 

Grüß Gott Herr Zwiener,
offensichtlich haben Sie nicht verstanden worum es in meinem Blog geht. Sicherlich möchten Sie das nochmal recherchieren; hier in aller Kürze:
Es geht mir nicht darum ein gefährliches Produkt mit einem anderen auszutauschen, dessen Gefahren zwar noch nicht vollständig erforscht sind, dessen Abhängigkeitspotiential aber hoch und dessen Charakter als Einstiegs-„droge“ gerade für Jugendliche enorm ist.
Ich möchte Sie deswegen auffordern, Ihre Energie in andere Branchen zu investieren und für gesunde Konsumenten mit freiem Willen zu arbeiten! Lassen Sie das Geschäft mit der Abhängigkeit, verdienen Sie kein Geld mit dem Leid anderer und werfen Sie das mir angebotene kostenlose Set für mich direkt in den Mülleimer.
Vielen Dank
Joachim P. Süß

 

 

Apr
29

So wird die WHO-Tabakkonvention unterlaufen

Wenn es irgendwo Geld zu verdienen gibt, beginnt das Gerangel. Ganz vorne dabei ist die Beeinflussung von öffentlicher Meinung und Politik. Public Relations, Marketing und Werbung führen zur Meinungsbildung und je nach Gewinnmarge wird das mehr oder weniger intensiv ausgebaut. Wenn es wie beim Tabak um Milliarden geht, wird rasch auch die politische Willensbildung mit einbezogen: durch „Berater“ – also Lobbyvertreter.

Da Tabak – wie wir alle wissen – höchst gefährlich ist, wird es für Konzerne immer schwieriger in der westlichen Welt den Markt für sie offen zu halten. Beschränkungen zum Schutz des Bürgers und vor allem von schutzbedürftigen Gruppen (wie Kindern) werden stärker, die Hürden mit dem Rauchen anzufangen werden höher (z. B. Altersnachweis an Automaten) und der Nichtraucherschutz auch an öffentlichen Plätzen nimmt zu. Diesen Strömungen versucht die Tabaklobby entgegen zu wirken. Sei es mit Beilegezettelchen zu Zigarettenschachteln oder durch die direkte oder indirekte Beeinflussung von Politikern. Genau dagegen geht die WHO vor. Auch sie betreibt Meinungsbildung – durch Aufklärung und wissenschaftliche Aufarbeitung der Gesundheitsbeeinflussung. Im Februar 2005 trat die WHO-Tabakkonvention (Rahmenübereinkommen der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs) in Kraft und wurde weltweit von 168 Staaten unterzeichnet und von insgesamt 171 Staaten ratifiziert – darunter auch die gesamte europäische Gemeinschaft.

Was ist die WHO-Tabakkonvention?

Die Vertragsparteien verpflichten sich unter anderem zu folgenden Maßnahmen um die Zahl der Menschen, die jedes Jahr an tabakbedingten Erkrankungen sterben,  zu senken. Im Jahr 2010 starben weltweit fast fünf Millionen Menschen und allein in Europa etwa 1,2 Mio Menschen – bei anhaltendem Trend werden es bis 2020 gar zehn Millionen weltweit sein.

  • Wirksame Maßnahme zum Schutz vor Passivrauchen am Arbeitsplatz, in geschlossenen Räumen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, Einrichtungen und Plätzen
  • Produktdeklaration und Warnhinweise auf allen Tabakprodukten
  • Einschränkungen der Tabakwerbung und des Sponsorings durch der Tabakindustrie
  • Bekämpfung des Tabakschmuggels, der illegalen Herstellung und Fälschung von Tabakprodukten
  • Abgabeverbot von Tabak und Tabakprodukten an Minderjährige

Lobbycontrol.de meldet konform zu den Berichten aus der Zeitung „The Guardian“, dass im Europäischen Parlament die Lobbyarbeit zugunsten von Tabak stark zugenommen hat. Man verlässt sich nun aber nicht mehr nur auf die Arbeit von Industrie-Beratern sondern verlagert sich zunehmend auf Tabakbauern, Zigarettenverkäufer, Kneipenwirte, Gewerkschafter um die eigenen Bedenken über Berufsfreiheit, Existenzsicherung, persönliche Freiheit und Erhalt von Arbeitsplätzen zu äußern. Doch mit hoher Wahrscheinlichkeit sind nicht nur einzelne dieser Auftritte bezahlt.

Diese Art von Lobbying wird auch als „Astroturfing“ bezeichnet. Astroturfing bezeichnet im Englischen eine Massenbewegung, die zentral gesteuert und ausgelöst wird. Sie soll so wirken, als ob die Basis der Bevölkerung selbst sich bewegen würde und eine „Revolution von unten“ entsteht – ihr Vorbild ist „Grassroots Movement“ (im Deutschen die Basisbewegung). D. h. man bezahlt „Demonstranten“ um die Meinung Vieler vorzutäuschen, gleichwohl ist und bleibt es nur die Meinung weniger, nämlich derer, die ordentlich an einer fatalen Abhängigkeit verdienen. Leider fehlen momentan noch Beweise für dieses Vorgehen, von scheinbar unabhängigen und individuellen Äußerungen, hinter denen aber Lobbyunternehmen und dahinter die Tabakindustrie mit ihren Milliardengewinnen steckt.

Eine neue, eigene Lobby für E-Zigaretten

Parallel zu klassischen Tabakkonzernen treten vermehrt auch Herstellung und Vertriebspartner von E-Zigaretten auf dem politischen Feld in Aktion. Um zu verhindern, dass ihre Produkte über deren Gefährlichkeit nur wenig bekannt ist, stärker reguliert werden, wird inzwischen offensichtlich auch hier die Finanzierung und Veröffentlichung von medizinischen Studien betrieben.

 

Quellen: http://www.bag.admin.ch/fctc/04019/04056/index.html?lang=de, https://www.lobbycontrol.de/2013/07/eu-parlament-e-zigarettenlobby-auf-dem-vormarsch/

Sep
16

Tabakwerbung in Nürnberg? Nein Danke.

Ende 2012 auf einem Platz zwischen der Georg-Simon-Ohm Hochschule und der Maria-Ward-Schule, eine private, staatlich anerkannte Mädchenschule, in Nürnberg: Eine französisch auftretende Zigarettenmarke (die in Deutschland durch den Tabakkonzern REEMTSMA vertrieben wird) stellte eine mobile Litfaßsäule auf und verkaufte daraus Crêpes und wirbt mit Gewinnspielen.

Gemäß dem „Vorläufigen Tabakgesetz“ gilt in Deutschland ein Werbeverbot für Tabakprodukte deren Zielgruppe Kinder und Jugendliche unter 21 Jahren ist. Der Stand an dieser Stelle und in dieser Art und Weise nimmt aber besonders junge Studierende und Schülerinnen und Schüler ins Visier. Sowohl Standort als auch der „Verkauf“ der dünnen, süßen Pfannkuchen ist eindeutig an ein jugendliches, weibliches Publikum ausgerichtet – wie oft sieht man ältere Herren an diesen Ständen anstehen?

Eine Studentin beschwerte sich daraufhin beim Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg und informierte die Nichtraucherinitiativen „Forum Rauchfrei“ und „Pro Rauchfrei“. Durch die Proteste überprüfte die Stadt die Genehmigung, konnte die bereits erteilte Erlaubnis aber nicht wieder zurückziehen. Der Veranstalter war allerdings offensichtlich um Schadensbegrenzung bemüht und verzichtete von sich aus auf eine Fortführung der über Monate im voraus genehmigten Werbemaßnahmen in ganz Nürnberg. Künftig will die Stadt eigenen Aussagen zufolge keine derartigen Werbeaktionen auf öffentlichen Flächen mehr genehmigen – vor allem auch um in der momentan unsicheren Gesetzeslage immer auf der sicheren Seite zu sein.

>>Für die Initiative „Forum Rauchfrei“ ist das ein Erfolg. „Wir haben uns sehr darüber gefreut. Nürnberg ist damit die erste Stadt in Deutschland, die so vorgeht, und wir hoffen, dass andere Städte jetzt nachziehen“, erklärt Johannes Spatz.<<

 

Quelle: http://www.nordbayern.de/nuernberger-zeitung/nurnberg/nurnberg-will-keine-tabak-werbestande-1.2673756

Mai
13

Wie gefährliche sind Zigaretten ohne Zusatzstoffe?

Zigaretten frei von zusaetzen - aber nicht weniger gefaehrlich.

Tabakkonzerne werben mit „natürlichen“ Zigaretten um Ängste von Rauchern zu beschwichtigen.

Immer häufiger sieht man dieser Tage Zigaretten-Werbung, die Glimmstengel anpreisen, die ohne Zusatzstoffe auskommen. Diese als natürlich angepriesenen Zigaretten enthalten nur eine Mischung verschiedener Tabaksorten aus verschiedenen Anbaugebieten.

Zumindest müssen die Konzerne angeben, dass die Zigaretten deswegen nicht zwangsläufig weniger schädlich seien. Aber es kommen einem doch einige Fragen:

  • Wieso wurde bisher behauptet, gefährliche Zusatzstoffe wären für die Qualität der Marke und die Erwartungen der Raucher nötig?
  • Wieso kommen diese Zigaretten jetzt, wo EU-Gesetze „drohen“ verschiedene Zusatzstoffe zu verbieten?
  • Warum dürfen Produkte, die nicht nur süchtig, sondern auch krank machen können, immer noch beworben werden?
Feb
20

Europa verbessert Prävention

Die EU-Gesundheitskommission plant die Werbefreiheit für Zigaretten und andere Tabakprodukte einzuschränken und damit die bisher starke Markenprägung der Raucher aufzuweichen und die starke Bindung der Nikotinabhängigen aufzulockern. Nach dem Beispiel von Australien und Brasilien sollen die Schachteln weitgehend ununterscheidbar werden.

Einige Punkte, die ein Arbeitspapier der EU-Kommission von Tonio Borg (Malta) empfiehlt, sind:

  • einheitliche Schachteln mit vorgegebener Größe (mindestens 20 Zigaretten pro Schachtel) und Form (keine abgerundeten Ecken)
  • Angleichung der Zigaretten z. B. durch Vorgabe des Durchmessers (mind. 7,5 mm) und Farbe des Papiers (heute werden häufig Papiere verwendet, die mit Kork- oder Zigarillo-Optik neue Käuferschichten erschließen sollen)
  • Warnhinweise auf 75% der Schachtel (bisher 30%)
  • Verbot von Tabak-Zusätzen wie Vitaminen, Koffein, Taurin, Menthol und Farbstoffen
  • Verbot von Texten wie „biologisch“, „natürlich“ u. ä.

Dadurch, dass z. B. die Slim-Zigaretten nicht mehr möglich werden, soll vor allem die in der jüngeren Vergangenheit gestiegene Zahl der rauchenden Frauen eingedämmt werden. Wenn alles gut geht könnte der Gesetzentwurf für weitreichendere Tabak-Restriktionen noch vor Weihnachten 2012 beschlossen werden. Gleichzeitig werden auch die bei Frauen und jungen Rauchern beliebten  Menthol-Zigaretten nicht mehr möglich sein.

In einem weiteren Schritt, nach Kommistionsentwürfen fünf Jahre nach Inkrafttreten der Veränderungen, sollen sämtliche individuellen Merkmale wie Logos, Bilder und Schriftarten verschwinden und einheitlich gestaltete Schachteln nur mehr den Markennamen und die Bezeichnung der Sorte tragen dürfen („Plain Packaging“). Die frühere Drogenbeauftragte der Bundesregierung Sabine Bätzing (SPD) wollte bereits im Jahr 2010 die deutlich wirksameren Schockbilder auf den Packungen sehen. Ihre Nachfolgerin Mechthild Dyckmans (FDP) kippte die Entscheidungen und begründet dies mit der Rechtssicherheit, die der Europäische Gerichtshof in Brüssel vorher schaffen soll. Entgegen dieser lobbyfreundlichen Abwarteposition wollen viele andere EU-Länder (darunter Belgien, Frankreich und Großbritannien) nicht warten, sonder drucken wie mindestens 30 weitere Staaten weltweit abschreckende Fotos auf die Zigarettenschachteln.

Unter den Entwurfsoptionen soll auch die Regelung von Verkaufsorten (Point of Sale) sein. In Geschäften solle künftig nur noch eine Sorte pro Marke angeboten werden. Heute differnzieren Hersteller häufig Ihre Sorten in fünf bis sieben Zielgruppen.

Quellen: http://www.welt.de/print/die_welt/wirtschaft/article109114310/EU-Kommission-holt-zum-Schlag-gegen-Tabakindustrie-aus.htmlhttp://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2012-12/eu-tabakindustrie-regeln
Wer raucht Mentholzigaretten und warum erschweren diese das Aufhören?: http://www.focus.de/gesundheit/gesundleben/nichtrauchen/news/raucher_aid_116267.html

 

Edit 17.12.2012:  Einen sehr schönen Bericht zum Thema Bevormundung hat der bekennende aber überlegende Raucher Thomas Exner in der Welt geschrieben. Er kritisiert, dass diesmal nicht Nichtraucher geschützt werden sondern der Abhängige selbst zum Ziel wird. Er vergleicht den künftigen Tabak-Kauf mit den Peinlichkeiten, denen ein Interessent früher beim Kauf von Kondomen ausgesetzt wäre. Leider wird er am Ende des Beitrags etwas unsachlich und versucht eine Verschwörung ins Leben zu rufen, EU-Politiker wollten die Freude aus den Menschen pressen (durch Verbote von Tabak, Alkohol und Zucker). Trotzdem lesenswert: http://www.welt.de/print/die_welt/article112008565/Tabak-und-Tyrannei.html

Ganz anders sieht es dagegen aus, wenn der Bundesgesundheitsminister Christian Bahr zum offenen Lobbyisten wird und anstatt seine Aufgabe wahrzunehmen die Arbeit anderer kritisiert. Er wird zitiert damit, dass die Pläne ja bislang nur Entwürfe des Kommissars seine und er, Bahr, „die Bürger von gesundheitsbewusstem Verhalten überzeugen und nicht gängeln oder bervormunden [will]. Die einzelnen Vorschläge müssen jetzt diskutiert werden.“. Nichts gegen Weihnachten – aber Herr Bahr, Sie glauben ja auch nicht mehr an das Christkind. Deswegen: den Bürger selbst entscheiden lassen auf der einen Seite und die mächtige Manipulationsmaschine der Werbeindustrie im Namen der Tabakkonzerne auf der anderen Seite … zu was führt wohl? Und solange das von Ihnen für Nikotinsuchtprävention verauslagte Budget geringer ist, als das Werbeaufkommen für Tabakprodukte und die Lifestyle-Produkte rund um Zigaretten (z. B. Marlboro-Country: Bürgern ihren freien Willen und ihre Gesundheit sichern mit Gesetzen. Danke, dass Sie Ihrer Aufgabe nachkommen. Und nachträglich herzlichen Glückwunsch, dass Sie es geschafft haben, das Rauchen aufzugeben (Bahr: “Ich habe Zigaretten geraucht, habe aber damit aufgehört, weil ich häufig erkältet war und letztlich gemerkt habe, dass es meiner Fitness nicht gut tut.”) – und das meinen wir alles ganz ernst.

Dez
13

Jugendschutz sagt nicht „maybe“ sondern „Schluss!“

Was für Menschen gelten sollte, nämlich dass Raucher und Nichtraucher unabhängig von einer körperlichen Sucht Freunde sein sollten, das gilt nicht für Tabakproduzenten und Aufsichtsbehörden. Die friedliche Koexistenz darf man hier nach vielen Jahren der Toleranz endlich als begraben betrachten: und das erste Opfer ist die nervtötende Kampagne von Marlboro-Hersteller Philip Morris. Sowohl die zuständigen Landesbehörden als auch das Bundesverbraucherschutzministerium sind zur Auffassung gekommen, dass sich die Kampagne vor allem an Jugendliche und Heranwachsende richtet und diese zum Rauchen veranlasst; sie verstößt also nach geltendem Recht gegen das Vorläufige Tabakgesetz.

Die Kampagne wirbt mit dem Slogan „Don’t be a Maybe“ – sei kein Untenschlossener – und suggeriert in unseren Augen, dass ohne Tabak-„Genuss“ keine Kreativität möglich, keine echte Freiheit erlebbar und wahre Liebe nicht war werden kann. Auf den Plakaten sind junge Leute beim Musizieren oder küssen zu sehen, während sie über Zäune springen oder in ihrer eigenen Motorradwerkstatt sitzen und werden mit den veränderlichen Sätzen: „Maybe …“ „…  will never be her own boss“, „… never wrote a song“, „… never learned to fly“, “ … never feels free“ oder „… never found a way“ beschrieben.

Entscheiden sie selbst: in welcher Lebensphase ließen Sie sich überzeugen, dass Zigaretten Einfluss auf ihre Kreativität oder (gefühlte) Freiheit haben können? Es ist nach unseren Informationen das erste Mal in Deutschland, dass eine Kampagne auf Aufforderung der Gesundheitsbehören vom Konzern zurückgezogen wird. Noch gibt Philip Morris den Stop der Kampagne als vorrübergehend an. Das Bundesverbraucherschutzministerium schreibt dazu, dass der Tabakriese auf „freiwilliger Basis unverzüglich die Verwendung von Außenwerbeplakaten für die genannte Kampagne in Deutschland aussetzen“ wird.

Äußerst kreativ gingen dagegen schon länger Privatpersonen mit den Plakaten um. Im Netz kursieren Bilder von überklebten Plakaten nach der Guerilla-Werbung-Taktik. Da steht anstelle des originalspruchs dann schon mal: „Maybe will die of lung cancer“ („Vielleicht wird an Lungenkrebs sterben.“) oder „Maybe you should go fuck yourself“ (frei: „Vielleicht solltest Du Deine sexuelle Frustration an Dir selbst auslassen“). Und anstelle des duchgestrichenen MAY bei MAYBE gibt es in der Kritiker-Welt ein Durchgestrichenes CER bei CANCER.

Dass der Konzern, der seine langfristige Stratgie des Cowboys-Images eben erst aufgegeben hat, ein neues so schnell aufgibt bleibt zweifelhaft. Der Imagewechsel vom Marlboro-Country hin zum Tabak verherrlichenden „Be!“ soll Marlboro seinen Platz unter den Top-Zigarettenmarken sichern. Immerhin gewann der Tabakproduzent mit der von Franko Giannoto 1954 entwickelten Dreiecksschachtel und dem Werbestrategiekonzept von Leo Burnett in den 60ern den Platz 1 und wurde zur meistverkauften Zigarettenmarke der Welt.

Allen Rauchern kann man nur wünschen, dass sie nicht maybe sondern ganz sicher den persönlichen Rauchstopp schaffen und die Abhängigkeit von Tabak und den kommerziellen Verwertern eines ungesunden Lasters schaffen können. Und den lenkungsfähigen Jugendlichen: seit stark, ES (im Endeffekt alles) geht nicht nur besser ohne Tabak, es geht vor allem unabhängig, reicher, freier und gesünder!

Aug
09