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Liste aller Zusatzstoffe in jeder Zigarette

Bild von Robert Fietzek / pixabay

Bild von Robert Fietzek / pixabay

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat eine 1.174 Seiten starke Liste veröffentlicht, die sämtliche Zusatzstoffe in den jeweiligen Zigaretten auflistet. Ziel bei der Erstellung dieser Liste war es, herauszufinden, welche der über 600 erlaubten Zusatzstoffe krebserregend oder suchtfördernd wirken. Denn die aktuelle Gesetzeslage basiert auf Verordnungen aus dem Jahr 1977. Dabei können aktuelle Forschungsergebnisse über die Gefährlichkeit der einzelnen Stoffe aber vor allem auch des Stoffgemischs, das der Rauch durch die Verbrennung des Chemie-Cocktails namens Zigarette ist, nicht berücksichtigt worden sein. Aber auch damals bereits bekannte Fakten über den Rauch mussten unberücksichtigt bleiben – die Verordnung geht nur von der Gefährlichkeit des einzelnen Stoffes im Reinzustand, nicht aber nach der Verbrennung mit 600 bis 900 °C aus.

Durch die Verbrennung verändern sich Stoffe wie Zucker, Honig, Vanillin, Menthol, Soda, Harnstoff und Ammoniak. Sie wirken im Zusammenspiel mit dem pflanzeneignen Nervengift Nikotin und es ist unstrittig, dass das Ziel einer Zigarette immer sein wird, das Bedürfnis nach der nächsten Zigarette zu wecken. Die Nikotinabhängigkeit ist eine der stärksten und am schnellsten einsetzenden Abhängigkeiten überhaupt. Besonders wenn sie durch das Rauchen von Tabak ausgelöst wird. Dabei ist aber weniger der auf der Schachtel abgedruckte Wert des Nikotingehalts sondern der völlig unberücksichtigte und unveröffentlichte Wert des für den Körper verfügbaren Nikotins relevant. Denn Nikotin, dass gebunden ist und vom Körper nicht aufgenommen werden kann, ist weit weniger schädlich als solches, das durch Zusatzstoffe „aufgeschlossen“ wird und dann suchtverstärkend wirkt.

Damit neue Raucher überhaupt an das Produkt gewöhnt und gebunden werden, setzen viele Herstelle besonders auf Menthol, dass kühlend und schmerzlindernd wirkt. Dadurch kann der Rauch ohne Husten und Krächzen tief inhaliert werden und das Nikotin über die Lunge in den Körper gelangen. Je mehr Rauch und je tiefer dieser inhaliert wird desto mehr Nikotin kann im Körper seine suchtauslösende Wirkung ausüben. Daneben locken Zusatzstoffe wie Kakao, Honig und unzählige Aromen Jugendliche durch die Assoziation mit Süßigkeiten und täuschen so eine Ungefährlichkeit vor. Die Verbraucherschutzministerin von 1995 Renate Künast, auf deren Initiative diese Liste oder Datenbank erstellt wurde, sagte der BamS: „Das ist wie bei Alcopops: Jugendliche würde harter Stoff niemals schmecken – sie finden das Zeug nur genießbar, weil es pappsüß ist.“

Wenn Sie Interesse haben zu erfahren welche Zusatzstoffe dem Tabak einer bestimmten Zigarettenmarke beigemengt werden, können Sie hier recherchieren: Service.BMEL

Weitere Informationen z. B. unter STERN und Wikipedia

 

Nov
02

Verbraucherschutz vs. Tabakinteressen

Heute kommt es zur Abstimmung des Europarates mit Vertretern des Europäischen Parlaments und der EU-Kommision – um die vor knapp zwei Monaten im Parlament beschlossenen Regulierungen von Tabakprodukten zu beraten. Unter anderem werden künftig Warnhinweise größer und verschiedene Zusatzstoffe, die den Raucheinstieg erleichtern (z. B. Menthol oder Vanille), sollen verboten werden. Die Vertreter der Europäischen Mitgliedsstaaten haben hier aber zur Einführung ein gewichtiges Wort mitzureden und Tabaklobbyisten haben ganz offensichtlich auch hier ganz erheblich versucht Einfluss auf die Entscheidungen der Regierungsvertreter zu nehmen.

Besonders abgesehen haben es die Industrievertreter nun auf einen unscheinbaren Paragraphen in der Tabakrichtlinie: §14 – der die Bekämpfung des äußerst lukrativen Zigarettenschmuggels betrifft. In ihm wird vorgeschrieben, dass alle Schachtel künftig ein Erkennungsmerkmal tragen müssen, die eine lückenlose Rückverfolgbarkeit der Inhaltsstoffe vom Anbau bis zur Zigarette möglich macht und sowohl Produktions- als auch Vertriebswege nachvollziehbar machen soll. Gleichzeitig wird die Kontrolle dieser Wege nicht mehr nur bei der Industrie liegen sondern eine bessere Kontrolle ermöglichen; im Wortlaut des vorliegenden Papiers müssen „die Hersteller von Tabakerzeugnissen mit unabhängigen Dritten Verträge über die Datenspeicherung schließen“. Vor allem in den Osteuropäischen Ländern haben die Tabaklobbyisten leichtes Spiel – die Industrie dort hält die Regulierungen für zu bürokratisch und damit für zu teuer. Deutschland reiht sich hier nahtlos ein – als führender Industriestaat gibt es in Deutschland noch immer eine extrem starke Lobby für Tabak und deshalb ist fraglich, wie sich die Regierungsvertreter in diesem Punkt verhalten werden.

Zigarettenschmuggel in Deutschland betrifft etwa 10% aller gerauchten Glimmstengel. Die Tabakindustrie hat aber scheinbar kein Interesse an einer besseren Rückverfolgbarkeit. Lt. Spiegel stammen viele der illegal vertriebenen Zigaretten trotz allem aus den Fabriken der Tabak-Multis und verschiedene Großkonzerne sahen sich in der Vergangenheit schon mit gerichtlichen Verfahren zum Zigarettenschmuggel konfrontiert. U. a. wurde gegen Philip Morris ein EU-Verfahren wegen „fortgeführter illegaler Aktivitäten“ rund um den „grenzüberschreitenden Zigarettenschmuggel“ eröffnet (und leider nicht verhandelt sondern gegen eine Geldzahlung eingestellt).

Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/eu-tabakrichtlinie-lobby-arbeitet-gegen-eingrenzung-des-schmuggels-a-936946.html

Dez
05

Sucht schon bei zwei Zigaretten täglich

Nikotin ist einer der am stärksten abhängig machenden Stoffe – noch vor Heroin. Wie können Eltern besonders leicht manipulierbare Teenager vor einer lebenslangen Sucht schützen? Zuerst geht gutes Beispiel immer voran. Daneben hilft Aufklärung: „Eltern sollten sich schon im Grundschulalter gegenüber ihrem Kind klar gegen Zigarettenrauchen äußern“, empfiehlt der Suchtbeauftragte der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) Matthias Brockstedt. Und Abschreckung: die kurzfristigen Folgen des Tabakkonsums werden von jungen Menschen besser berücksichtigt, als langfristige Folgen wie Krebs. Deshalb sollten junge Menschen auf schlechten Atem, gelbe Finger und ekle Zähne, auf stinkende Haare und muffige Kleidung aufmerksam gemacht werden.

Die EU-Kommission wird nun die bei jungen Menschen beliebten Zigaretten mit Zusatzstoffe wie Menthol reglementieren. Die Geschmacksstoffe werden von den Tabakproduzenten verwendet um den bitteren, manchmal sauren und scharfen Geschmack des inhalierten Rauchs zu übertünchen. Sie versuchen die Warnhinweise des Körpers (wie unmittelbares Husten) zu beseitigen und die Attraktivität von Zigaretten zu steigern. Nach Expertenmeinung erleichtern bestimmte Zusatzstoffe den Einstieg ins Rauchen und erschwert Rauchern den Rauchstopp.

Quellen: http://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/PITOC_Zusatzstoffe_in_Tabakprodukten.html, http://www.focus.de/gesundheit/diverses/gesundheit-schon-zwei-zigaretten-am-tag-koennen-jugendliche-suechtig-machen_aid_817973.html

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Dez
13

Europa verbessert Prävention

Die EU-Gesundheitskommission plant die Werbefreiheit für Zigaretten und andere Tabakprodukte einzuschränken und damit die bisher starke Markenprägung der Raucher aufzuweichen und die starke Bindung der Nikotinabhängigen aufzulockern. Nach dem Beispiel von Australien und Brasilien sollen die Schachteln weitgehend ununterscheidbar werden.

Einige Punkte, die ein Arbeitspapier der EU-Kommission von Tonio Borg (Malta) empfiehlt, sind:

  • einheitliche Schachteln mit vorgegebener Größe (mindestens 20 Zigaretten pro Schachtel) und Form (keine abgerundeten Ecken)
  • Angleichung der Zigaretten z. B. durch Vorgabe des Durchmessers (mind. 7,5 mm) und Farbe des Papiers (heute werden häufig Papiere verwendet, die mit Kork- oder Zigarillo-Optik neue Käuferschichten erschließen sollen)
  • Warnhinweise auf 75% der Schachtel (bisher 30%)
  • Verbot von Tabak-Zusätzen wie Vitaminen, Koffein, Taurin, Menthol und Farbstoffen
  • Verbot von Texten wie „biologisch“, „natürlich“ u. ä.

Dadurch, dass z. B. die Slim-Zigaretten nicht mehr möglich werden, soll vor allem die in der jüngeren Vergangenheit gestiegene Zahl der rauchenden Frauen eingedämmt werden. Wenn alles gut geht könnte der Gesetzentwurf für weitreichendere Tabak-Restriktionen noch vor Weihnachten 2012 beschlossen werden. Gleichzeitig werden auch die bei Frauen und jungen Rauchern beliebten  Menthol-Zigaretten nicht mehr möglich sein.

In einem weiteren Schritt, nach Kommistionsentwürfen fünf Jahre nach Inkrafttreten der Veränderungen, sollen sämtliche individuellen Merkmale wie Logos, Bilder und Schriftarten verschwinden und einheitlich gestaltete Schachteln nur mehr den Markennamen und die Bezeichnung der Sorte tragen dürfen („Plain Packaging“). Die frühere Drogenbeauftragte der Bundesregierung Sabine Bätzing (SPD) wollte bereits im Jahr 2010 die deutlich wirksameren Schockbilder auf den Packungen sehen. Ihre Nachfolgerin Mechthild Dyckmans (FDP) kippte die Entscheidungen und begründet dies mit der Rechtssicherheit, die der Europäische Gerichtshof in Brüssel vorher schaffen soll. Entgegen dieser lobbyfreundlichen Abwarteposition wollen viele andere EU-Länder (darunter Belgien, Frankreich und Großbritannien) nicht warten, sonder drucken wie mindestens 30 weitere Staaten weltweit abschreckende Fotos auf die Zigarettenschachteln.

Unter den Entwurfsoptionen soll auch die Regelung von Verkaufsorten (Point of Sale) sein. In Geschäften solle künftig nur noch eine Sorte pro Marke angeboten werden. Heute differnzieren Hersteller häufig Ihre Sorten in fünf bis sieben Zielgruppen.

Quellen: http://www.welt.de/print/die_welt/wirtschaft/article109114310/EU-Kommission-holt-zum-Schlag-gegen-Tabakindustrie-aus.htmlhttp://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2012-12/eu-tabakindustrie-regeln
Wer raucht Mentholzigaretten und warum erschweren diese das Aufhören?: http://www.focus.de/gesundheit/gesundleben/nichtrauchen/news/raucher_aid_116267.html

 

Edit 17.12.2012:  Einen sehr schönen Bericht zum Thema Bevormundung hat der bekennende aber überlegende Raucher Thomas Exner in der Welt geschrieben. Er kritisiert, dass diesmal nicht Nichtraucher geschützt werden sondern der Abhängige selbst zum Ziel wird. Er vergleicht den künftigen Tabak-Kauf mit den Peinlichkeiten, denen ein Interessent früher beim Kauf von Kondomen ausgesetzt wäre. Leider wird er am Ende des Beitrags etwas unsachlich und versucht eine Verschwörung ins Leben zu rufen, EU-Politiker wollten die Freude aus den Menschen pressen (durch Verbote von Tabak, Alkohol und Zucker). Trotzdem lesenswert: http://www.welt.de/print/die_welt/article112008565/Tabak-und-Tyrannei.html

Ganz anders sieht es dagegen aus, wenn der Bundesgesundheitsminister Christian Bahr zum offenen Lobbyisten wird und anstatt seine Aufgabe wahrzunehmen die Arbeit anderer kritisiert. Er wird zitiert damit, dass die Pläne ja bislang nur Entwürfe des Kommissars seine und er, Bahr, „die Bürger von gesundheitsbewusstem Verhalten überzeugen und nicht gängeln oder bervormunden [will]. Die einzelnen Vorschläge müssen jetzt diskutiert werden.“. Nichts gegen Weihnachten – aber Herr Bahr, Sie glauben ja auch nicht mehr an das Christkind. Deswegen: den Bürger selbst entscheiden lassen auf der einen Seite und die mächtige Manipulationsmaschine der Werbeindustrie im Namen der Tabakkonzerne auf der anderen Seite … zu was führt wohl? Und solange das von Ihnen für Nikotinsuchtprävention verauslagte Budget geringer ist, als das Werbeaufkommen für Tabakprodukte und die Lifestyle-Produkte rund um Zigaretten (z. B. Marlboro-Country: Bürgern ihren freien Willen und ihre Gesundheit sichern mit Gesetzen. Danke, dass Sie Ihrer Aufgabe nachkommen. Und nachträglich herzlichen Glückwunsch, dass Sie es geschafft haben, das Rauchen aufzugeben (Bahr: “Ich habe Zigaretten geraucht, habe aber damit aufgehört, weil ich häufig erkältet war und letztlich gemerkt habe, dass es meiner Fitness nicht gut tut.”) – und das meinen wir alles ganz ernst.

Dez
13