Greift die Selbstverpflichtung?

Der Deutsche Zigarettenverband wirbt massiv damit, dass Tabakwerbung notwendiges Mittel wäre, z. B. um die aktuellen Raucher über Preisänderungen zu informieren. Außerdem gehöre es zur Freiheit, vor allem zur unternehmerischen, dass Werbung für legale Produkte automatisch legal sein müsse.

Im O-Ton lauten die Argumente: „Die Freiheit zu werben, ist für jedes Konsumgüterunternehmen von grundlegender Bedeutung, damit es um Marktanteile konkurrieren kann. Werbung ist ein wesentliches Element des Wettbewerbes und ein wichtiges Hilfsmittel, um mit erwachsenen Konsumenten zu kommunizieren; auch dient sie der Förderung der Markenloyalität.“

Um den Kritikern, die Kinder in Gefahr wissen, begegnen zu können, gibt man sich gelinde zerknirscht: „Neben den gesetzlichen Anforderungen wollen die Mitgliedsfirmen des DZV mit einheitlichen Maßstäben für ihre Marketingaktivitäten sicherstellen, dass Kinder und Jugendliche nicht die Zielgruppe für das Tabakmarketing sein dürfen und dass die Risiken des Rauchens nicht verharmlost werden. Zu diesem Zweck hat sich der DZV einen Werbekodex als verbindliche Richtlinie für die Marketingaktivitäten seiner Mitgliedsunternehmen gegeben.“

Mit diesem halbseidenen Versprechen und der Warnung vor der dräuenden Gefahr weiterer Werbeverbote (für Zucker, Alkohol, Bordelle) hat man im Verband der Zigarettenhersteller eine Selbstverpflichtung aufgesetzt, die u. a. anpeilt 100 Meter vom Haupteingang einer Schule oder eines Jugendzentrums keine Tabakwerbung zu pflastern. Rein hypotetisch gesprochen können aber auf der Fensterseite der Schule (also gegenüber vom Haupteingang) in 101 Meter Entfernung Großflächenplakate gut sichtbar von den Schulbänken hängen … Kinder können eh nicht lesen oder auf die jugendlich-getrimmten Bilder ansprechen.

Schließlich dürften Kinder und junge Menschen unter 18 Jahren ja nicht rauchen und würden es deswegen auch nicht tun. Entgegen aller wissenschaftlichen Evidenz.

Warum nehme ich mir die Zeit und schreibe dies? Weil ich heute am „Haus für Kinder“, einer Nürnberger Tageseinrichtung für Kinder (bis zum Ende des Grundschulalters, also 0 bis 10-11 Jahre) vorbeifuhr und mir auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein WEST-Plakat entgegenfiel. Bei meinen Bemühungen, diese Plakat entfernen zu lassen, habe ich nach den Abstandsregeln gesucht und bin darüber gestolpert, wie schlecht man doch die Selbstverpflichtung im Internet finden kann. Deswegen möchte ich sie hier nochmals zur Verfügung stellen und Allen Mut machen, gegen illegale Zigarettenplakate vorzugehen.

Links:

Ach ja, sowohl die Mitarbeiter der Stadt Nürnberg als auch die der Stadtreklame waren sehr freundlich, es ist wohl wegen hoher Auslastung eine manuelle Umbuchung erfolgt und dabei wurde der Tabak-Vermerk für diese Haltestelle übersehen. Das Plakat soll innerhalb 24 Stunden entfernt werden – das finde ich sehr schön! Auch wenn ein Tabakwerbeverbot in ganz Deutschland erklärtes Ziel ist und bleibt!

Categories: Tabakwerbung
Sep
25

Unverständnis bei (fast) allen

Wie tief verwurzelt die Tabaklobby in den „großen“ Parteien CDU, CSU und SPD und der mehr oder weniger verschwundenen Lobbypartei FDP ist, darüber haben wir schon mehrfach spekuliert. Dass aber kaum mehr jemand bereit ist, dies hinzunehmen, zeigt auch die ARD.

„Wir sind die einzigen!“ betitelt sie ein Video vom 12.09.2019 – das sagt eigentlich schon alles. Isoliert von allen anderen demokratischen Ländern in Europa steht ganz Deutschland noch immer ratlos vor werbebepflasterten Bushäuschen und dem öffentlich-rechlichen Sender fällt nichts mehr ein. Außer auf die Einnahmen aus der Beteiligung der Kommunen an den Werbeeinnahmen durch die Tabakindustrie zu verweisen.

Nachdem sich im Sommer 2019 sogar die Kanzlerin erst vage geäußert hat („Ich persönlich glaube, dass wir hier handeln sollten.“) und dann persönlich und konkreter wurde: „Wenn’s nach mir geht sollten wir […] die Werbung für Tabakprodukte verbieten.“ hatten viele (auch ich) schon gehofft, dass es voran geht. Leider ist aber der (monetäre?) Einfluss der Politikberater auf bestimmte Abgeordnete so groß (vgl. Volker Kauder), dass die normal denkenden und gesundheitspolitisch agierenden Mitglieder innerhalb der (vor allem) CDU sich nicht gegen die beeinflussten MdB durchsetzen können.

Link zur Website der ARD mit dem Video zur Sendung "Live nach Neun"

Es scheint so als versuchten die Konzerne so lange wie möglich den Status Quo aufrecht zu erhalten, um so viele Neu-Raucher „mitzunehmen“, wie es ihnen möglich ist. Und natürlich geht es um vermeintlich gesündere Alternativen wie e-Zigaretten, Verdampfer, Vernebler, Vaporisatoren und Tabakerhitzer … die, ginge es nach der Industrie, überhaupt nicht in der Bewerbung eingeschränkt werden dürften – es ginge hier ja um den vermeintlichen Ausstieg aus der Sucht (und nicht etwa um den Einstieg von Jugendlichen in eine lebenslange Abhändigkeit).

Realistisch gesprochen muss man davon ausgehen, dass erst mit der Abwahl der CDU Bewegung in die Sache kommen kann. Gehen Sie also wählen. Weder bei der ÖdP noch bei Grünen oder Linken ist von einer derartigen, gesamtgesellschaflich schädlichen finanziellen Beeinflussung auszugehen.

Q: https://www.daserste.de/information/ratgeber-service/live-nach-neun/videos/tabakwerbung-video-100.html

Categories: Tabakwerbung
Sep
18

6 von 7 Experten schlagen Werbeverbot für Tabak vor

Am gestrigen Montag war es so weit: die öffentliche Anhörung vor dem
Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft des Bundestags hatte sieben Fachleute und einen Lobbyisten geladen. Sechs der sieben Experten sprachen sich vor dem Ausschuss, der von der CDU/CSU-Fraktion geleitet wird, für eine Verbot von Werbung für Tabakprodukte und vergleichbare elektronische Produkte aus.

Geladen waren:

  • Dr. Frank Henkler-Stephani, Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
  • Prof. Dr. Reiner Hanewinkel vom Institut für Therapie- und Gesundheitsförderung (IFT-Nord) 
  • Dr. Tobias Effertz, Heinricht-Heine Universität Düsseldorf
  • Ute Mons, Deutsches Krebsforschungszentrum in Heidelberg (DKFZ)
  • Prof. Dr. Daniel Kotz, Universität Hamburg
  • Prof. Dr. Christoph Degenhart, Universität Leipzig
  • (Dr. Verse vom Goethe Institut Leipzig konnte wegen Zugausfall nicht erscheinen)

Insgesamt stimmten bis auf Degenhart alle überein, dass Zigarettenwerbung eine enorme Gefährdung von Kindern und Jugendlichen wären, sehen den kausalen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Tabakwerbung und daraus resultierendem Tabakkonsum. Sowohl die Gesundheit der Menschen ließe sich durch ein Werbeverbot deutlich fördern als auch die Prävalenz bei Jugendlichen mit dem Rauchen zu beginnen weiter senken. Alle Sozialversicherungskassen könnten durch das Zurückdrängen des Tabakkonsums deutlich profitieren – Dr. Effertz bezifferte die gesellschaftlichen Kosten mit jährlich knapp 100 Milliarden Euro (Umsatz mit Zigaretten in Deutschland pro Jahr 22-24 Mrd mit ca. 14 Mrd € Tabaksteuer-Anteil) — eine Zigarettenschachtel müsste 11,30 € kosten, um diese aufzufangen. Mons betonte allein in 2018 könnten schon über 85.000 Krebsneuerkrankungen, also jede fünfte neu diagnostizierte Krebserkrankung, auf das Rauchen zurückgeführt werden. Dr. Effertz wies auch auf die starke Verschränkung zwischen E- und regulären Zigaretten hin und forderte deshalb auch die Einbeziehung der elektrischen Produkte in das Werbeverbot.

Daneben hatte noch Jan Mücke vom Deutschen Zigarettenverband e. V. Zeit bekommen, um seine Lobbyinteressen direkt vor dem Ausschuss auszubreiten. Selbstverständlich behauptete Mücke, ein Werbeverbot griffe in die Freiheitsrechte von Unternehmen ein („verfassungswidrig“ – eine Behauptung ersetzt tausend Argumente) und überhaupt wäre ja Tabakwerbung schon weitgehend eingedämmt worden v. a. weil sie sich ja gesetzlich nicht an Kinder und Jugendlichen richten darf und deshalb überflüssig wäre (Anm. d. Red.: allein ich habe im vergangenen Jahr mehrere Plakate als jugendgefährdend beim Deutschen Werberat und bei den zuständigen Behörden angezeigt. Mücke gab zu, dass es drei Verstöße gegen den eigenen Kodex im Jahr 2016 und einen Verstoß in 2018 gegeben hat; gleichzeitig behauptete er, dass es keinerlei Anzeigen wegen Jugendgefährdung gegeben hätte.).

Der Jurist Prof. Degenhart fabulierte, fast wie auswendig gelernt, über einen Vorstoß des Tabakwerbeverbots als Grundlage für weitreichende Verbote für alle möglicherweise gefährlichen Produkte und begründete seine ablehnende Haltung hierzu insgesamt mit Eingriffen in die durch die Verfassung geschützte „Meinungsfreiheit“. Die an seinen Beitrag anschließende Mimik und Gestik dürfte für jeden Forscher auf diesem Gebiet einen umfangreichen Fundus bieten. Sein Husten allerdings gibt eher Anlass zur Sorge und sollte dringend von einem Lungenfacharzt untersucht werden. Degenhart wurde im späteren vom Linken-Abgeordneten Niema Movassat regelrecht bloßgestellt, weil er schon vor dieser Anhörung ein Gutachten für die Deutsche Werbewirtschaft (vorgestellt vom Deutschen Zigarettenverband) geschrieben hatte.

Und hier das Video zur Anhörung:

Und noch ein freies Zitat von Prof. Dr. Kotz: „Warum rauchen Menschen überhaupt noch? Weil es so leicht ist, mit dem Reichen anzufangen, und so schwer, mit dem Rauchen aufzuhören.“ Ein schönes Schlusswort!

Ab Minute 30 beginnt die Befragung durch die Abgeordneten; es beginnt durch hochinteressante Fragen der Drogenbeauftragten Marlene Mortler. Und anschließend spricht Rainer Spiering für die SPD und startet leidenschaftlich mit einem Appell gegen die zynischen Ausführungen von Hr. Mücke (ca. Minute 36).

Die vollständigen Gutachten der Sachverständigen und des Lobbyisten können hier abgerufen und eingesehen werden: Deutscher Bundestag

Q: Ärzteblatt, WirtschaftsWoche. GeneralAnzeigerBonn, Deutscher Bundestag

Categories: Politik,Tabakwerbung
Dez
11

Parteitage und deren Sponsoren

Die Mittel aus dem Bundeshaushalt zur Parteienfinanzierung sind nicht gerade klein, bemessen sich aber zum Teil auch daran, wie viele Mitgliedsbeiträge und Spenden („selbsterwirtschaftete  Mittel“) eine Partei erzielt. Dies soll die Verwurzelung der Parteien in der Gesellschaft widerspiegeln. Die staatlichen Mittel sollen es den Parteien überhaupt erst ermögliche, ernsthaft an der politischen Willensbildung der Bürger/innen mitzuwirken um dem gesetzlichen Auftrag aus §21 des Grundgesetzes nachzukommen.

Dass Parteitage durch Sponsoren mitfinanziert werden ist hinlänglich bekannt. Im Gegensatz zu Spenden (die ohne jegliche Gegenleistung auskommen müssen) sind Sponsorengelder an eine mehr oder weniger geldwerte Leistung geknüpft. Das kann entweder die Präsentation des Spenders durch Logotafeln oder durch „Hausmessen“ mit Ständen der Sponsoren statt finden.

Bei der CSU sind seit Jahren auch die großen unter den Zigarettenherstellern vertreten. Allen voran meist BAT oder Philip Morris. In diesem Jahr waren von Zigaretten-Konzernen und Lobby-Vertretern der Raucher- und Dampferszene fast alle dabei:

Spendentafel vom Parteitag der CDU, Quelle: Reddit

Der CDU-Parteitag wird Ihnen präsentiert von… from r/de

Neben den Klassikern wie der Philip Morris GmbH und Japan Tobacco International waren auch der DZV (Deutscher Zigarettenverband) und die Deutsche Automatenwirtschaft vertreten. Hierzu kommt mit den „Bündnis für Tabakfreien Genuss e. V.“ ein Lobbyverband der E-Zigaretten-Industrie.

Ist es nötig, dass Politiker durch dieses Sponsoring tatsächlich die „Interessen der Wirtschaft“ auf ein kostenloses Brot geschmiert bekommen, dem der Verbraucher kaum etwas entgegenzusetzen hat? Grenzt dieses Sponsoring nicht schon an aktive Beeinflussung? Und ist es tatsächlich von Wunder, dass Volker Kauder seine Zeit als Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Fraktion nutzte, um ein wirksames Tabakwerbeverbot zu verhindern?

Heute, am 10. Dezember 2018 wird sich zeigen, wie tief die Beeinflussung ging. Denn kaum ein Politiker wird heute noch behaupten, dass die Interessen der Zigarettenfirmen (sprich Geld für Ihre Aktionäre zu verdienen, vorgeschoben: Arbeitsplätze erhalten) höher wiegen könnten als die Beendigung von gefährlicher Kinderarbeit in armen Ländern rund um den Globus, die „Volksgesundheit“, der Jugendschutz, die Plünderung der Sozialkassen durch Langzeitschäden und der frühe und oft grausame Tod von mindestens 120.000 Menschen jährlich allein in Deutschland. Heute gilt es für den Ausstieg aus der Zigarette einzutreten! Heute muss die Entscheidung gegen eine Fortführung der bisherigen Praxis von Jugendverführung getroffen werden!

Dez
10

Tabakwerbung gezielt für Kinder gemacht?

Auch wenn Tabakkonzerne seit Jahren Wert darauf legen, dass Ihre Werbung – ob auf Plakaten oder im Kino – nur für junge und ältere Erwachsene bestimmt sei zeigen Studien doch regelmäßig, dass sie vor allem für Kinder interessant und verführend wirken. Und vermutlich dürfte das auch die Absicht hinter der Werbung im Wert von mehr als 200 Millionen € pro Jahr alleine in Deutschland sein.

Für die DAK (Deutsche Angestellten Krankenkasse) hat das Kieler Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord) das Rauchverhalten von 6.900 Kindern von zehn bis 18 Jahren dokumentiert und analysiert. In seiner Erläuterung schildert Prof. Reiner Hanewinkel: „Während vor zehn Jahren so gut wie ausschließlich Zigaretten geraucht wurden, sind heute Shishas, E-Zigaretten und E-Shishas von großer Bedeutung“. Bereits 22 % der Schülerinnen und Schüler haben bereits an einer elektrischen Zigarette und ebenso viele an der „echten“ Tabakzigarette gezogen. Noch höher ist der Shisha-Verbreitungsgrad: 23 % haben damit schon Erfahrungen gemacht. In Deutschland ist der Konsum von Tabak und auch von elektrischen Verdampfern wie sie in E-Zigaretten und dem Shisha-Pendant eingesetzt werden für Jugendliche unter 18 Jahren verboten.

Schädlich? Ach!?

Viele der Minderjährigen halten die elektronischen Varianten aber für mehr oder weniger ungefährlich. „Auch wenn der Schadstoffgehalt bei E-Zigaretten im Vergleich zu Tabakzigaretten geringer ist und es nikotinfreie Varianten gibt: Die gesundheitliche Unbedenklichkeit der E-Zigarette ist nicht erwiesen.“ sagt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) – es gibt sogar Untersuchungen die eine Gefährdung sehen, die fast dem der Tabakzigarette entspricht.

Gerade diese Verharmlosung macht die E-Kippe aber so verführerisch – reue- und risikoloser „Genuß“. Weil aber Werbung bei jungen Menschen besonders gut verfängt, ist dies verhängnisvoll. Hanewinkel meint: „Und diese Werbung wirkt gleich mehrfach“. Denn wenn Kinder Werbung für E-Zigaretten kennen benutzten sie diese nicht nur häufiger, sie konsumierten auch häufiger andere nikotinhaltige Produkte wie Shishas oder echte Kippen.

Die Schlussfolgerung der DAK ist einfach:  „Kinder und Jugendliche werden durch Werbung zum Rauchen verführt. Deshalb muss die Politik nun endlich ein umfassendes Werbeverbot für Tabak, Zigaretten und auch für E-Zigaretten durchsetzen“, fordert Andreas Storm, Vorstandschef der DAK. Besonderes Augenmerk liegt auf neuen Firmen, die bisher weniger im Blick sind als die herkömmlichen Tabakmultis.

Juul heißt die Marke eines US-Unternehmens, das in manchen amerikanischen Großstädten bereits 70 % des E-Zigarettenmarktes beherrscht. In kürze will Juul auch in Europa den Verkaufsstart beginnen. Leider droht auch in Europa ein ähnlicher Hype, obwohl die EU-Tabakrichtlinie längst nicht so viel abhängig machendes Nikotin in den Liquids zulässt, wie es Juul in Amerika verkauft. Bis zu 5 % Nikotin sind dort in den Verdampfer-Flüssigkeiten enthalten, in der EU sind maximal 2 % zulässig. Das bewusst an das Wort „cool“ angelehnte Produkt ist äußerlich eher ein USB-Stick oder ein Textmarker als eine Zigarette und kann über den Laptop mit Strom versorgt werden. Obwohl es offiziell erst an (je nach Bundesstaat) 18- bis 21-jährige verkauft werden darf hat es vor allem an Schulen seine Nische gefunden.

Inzwischen werden Eltern und Lehrer gegen den extremen Suchtfaktor der E-Zigarette aktiv. E-Bay Nordamerika soll den Verkauf auf den Druck der Öffentlichkeit inzwischen eingestellt haben, die nationale Behörde für Lebensmittelüberwachung und Arzneimittel, (FDA, Food and Drug Administration) wurde von diversen Politikern zum Eingreifen aufgefordert. Bei Testkäufen der FDA konnten Jugendliche und Kinder in Tankstellen und kleinen Läden fast überall Juul erwerben, obwohl das streng verboten ist. Der Einstiegspreis liegt bei einem Starter-Set bei etwa 50 $, die Liquids liegen bei wenigen Dollars. Die E-Zigarette kann, anders als Tabakprodukte, auf der Schultoilette oder gar im Klassenraum verwendet werden ohne bemerkt zu werden oder die überall verbauten Rauchmelder auszulösen.

E-Zigaretten sind ein echter „Wachstumsmarkt“ – und das trotz unerforschter Langzeitfolgen und diverser Studien, die das Suchtpotential und die Gefährlichkeit von Verdampfern zeigen. Umsatzsteigerungen von 50 % jährlich und ein Umsatz von gut 600 Millionen Euro bedeuten inzwischen 10 % Marktanteil in Deutschland. Immerhin hat die FDA in Amerika nun Juul Labs und zwei weitere Hersteller aufgefordert über Inhaltsstoffe und Wirkung sowie die Vermarktung ihrer Vaporisatoren und der Liquids Auskunft zu geben.  „Die traurige Wahrheit ist, dass elektronische Nikotinliefersysteme wie E-Zigaretten enorm populär bei Kids geworden sind“, erklärt Scott Gottlieb, Chef der FDA. „Wir verstehen noch nicht, warum. Aber es ist geboten, dass wir es herauskriegen, und zwar schnell. Diese Dokumente könnten uns helfen.“

Einen ersten Hinweis, warum die E-Kippe bei Jugendlichen (neben der geringen Entdeckungsgefahr durch Lehrer und Eltern) so verfängt könnten die Verkaufstitel der „Geschmacksrichtungen“ der verwendeten Verdampfer-Flüssigkeiten liegen: „Cool Cucumber“, „Crème Brulée“, „Stoned Smurf“ oder „Fruity Fun Cereal“ – das klingte nicht nach einer Absatzstrategie für Mittfünfziger in der Stahlindustrie sondern deutlich nach jungen, kreativen, weiblichen Käuferschichten. Und das bei dieser Nikotinmenge: in einer kleinen Juul-Kartusche ist soviel Nikotin enthalten wie in einer Schachtel mit 20 Zigaretten. Der Hersteller wirbt sogar mit einem schnelleren, härteren Kick als bei konventionellen Glimmstängeln. Unterlagen für Investoren von Juul zeigen eine annähernd hohe Nikotinaufnahme wie beim „echten“ Rauchen.

 

Q: Spiegel, WELT, SAT1

Nov
30

CDU-Abgeordnete für Tabakwerbeverbot

Die Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung berichtete Ende Juli darüber, dass diverse CDU-Bundestagsabgeordnete die Haltung von Volker Kauder, der als Fraktionsvorsitzender von CDU/CSU weiterhin die Zigarettenlobby unterstützt, nicht länger mittragen wollen. Darunter sind Rudolf Henke, u. a. Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer, Claudia Schmidtke (Herzchirurgin) oder der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag Erwin Rüddel.

Erwin Rüddel sagte der FAS, würde der Gesundheitsausschuss darüber abstimmen, „würde das Verbot kommen“. Doch um die Koalitionsmehrheit durchzusetzen und gleichzeitig nicht in dem eigentlichen Ausschuss „durchzufallen“ hatte die CDU unter Kauders Führung den Antrag der Partei „Bündnis 90 / Die Grünen“ für eine Ausweitung des Nichtraucherschutzes an den Ausschuss für Landwirtschaft überwiesen, in dem die Haltung Pro Tabak eher durchsetzbar ist.

Gerade zum Schutz von Kindern wäre es aber wichtig, das Werbeverbot im öffentlichen Raum endlich durchzusetzen. Dieses hat, bis auf die großen internationalen Konzerne, keine Gewinner. Kinder, die häufig Tabakwerbung ausgesetzt sind, beginnen mehr als doppelt so häufig mit dem Rauchen als Kinder, die nur wenig Werbeeindrücken ausgesetzt waren. Und gerade auf dem Schulweg, an Bushaltestellen und Plakatwänden z. B. auf Bahnhöfen, sind Kinder diesen Werbebotschaften gnadenlos ausgesetzt – sie haben nicht die Wahl, diese nicht zu „konsumieren“.

Schützen wir unsere Kinder vor einem Einstieg in eine Abhängigkeit, die teuer für sie, die Gesellschaft und die Natur ist! Tabakwerbeverbot jetzt! Sprechen Sie mit Ihrer oder Ihrem Bundestags-Abgeordneten; schreiben Sie sie oder ihn an und setzen Sie sich dafür ein, dass für Abgeordnete nur das eigene Gewissen, nicht aber der Fraktionszwang bindend ist!

Quelle (Bezahlschranke): FAZ, Ärzteblatt

Categories: Politik,Tabakwerbung
Aug
01

In Wien wird Datenschutz klein geschrieben

Werbung lässt sich immer optimieren. Und je mehr Geld ein Produkt einbringt, desto effizienter kann die Werbung gestaltet werden. Bei Zigarettenwerbung im öffentlichen Raum, in diesem Fall am Point-of-Sales (PoS, Verkaufsort), lohnt es sich wohl auf jeden Fall. In zwei Kiosken, die in Wien Trafiken heißen, in der Österreichischen Hauptstadt hat Philip Morris (PMI) nun Gesichtsscanner installiert, um jedem „Kunden“ die „perfekte“ Zigarettenmarke (je nach Alter, Geschlecht usw.) „anzubieten“.

Die Werbedisplays reagieren also auf unterschiedliche Personen unterschiedlich und zeigen die vom Konzern ausgewählte Marke. Nach Konzernangaben werden keine gescannten (d. h. gefilmten oder fotografierten) Gesichter gespeichert sondern lediglich die o. g. Merkmale zu statistischen Werten berechnet. Diese Merkmale (also welche Gruppen von Menschen kaufen wann ein) werden allerdings sehr wohl gespeichert und natürlich auch unmittelbar ausgewertet um möglichst auch zu einem tatsächlich Kauf der angezeigten Marke zu führen.

Für mich stellen sich mehrere Fragen:

  • Wer stellt sicher, dass die Fotos/Videos tatsächlich nicht gespeichert oder mit Internetrecherchen abgeglichen werden (theoretisch ist eine Identifizierung möglich!) – nach EU Datenschutz-Grundverordnung ist hierfür der Veranlasser zuständig – aber wer überwacht ihn?
  • Was passiert, wenn Kinder oder Jugendliche einkaufen? Wird ihnen auch eine Marke „empfohlen“?
  • Wie kann sichergestellt werden, dass die Kamera, die ja in den öffentlichen Raum filmt, nicht jeden Spaziergänger mit aufzeichnet?

Sollte einer meiner Leser aus Wien kommen: stellt doch mal eine Anfrage beim Tabakkonzern PMI oder beim Verbraucherschutz! Leider habe ich bisher die Adresse der beiden Trafiken nicht herausgefunden, so dass kein „Selbstversuche“ mit Jugendlichen möglich scheint … wenn jemand die Kioske verorten kann, freue ich mich auf einen Kommentar oder eine Mail!

Q: Leadersnet.at

Categories: Tabakwerbung
Jul
04

Video zur grünen Gesetzteinitiative

Die Abgeordnete Dr. Kirsten Kappert-Gonther (B’90/Die Grünen) im Video zur Gesetzesinitiative für ein Tabakwerbeverbot in der unten abgedruckten ersten Lesung:

Und der Redebeitrag des Abgeordneten Rainer Spiering, SPD, der sehr offen den Verkauf der Bürgerinteressen im Koalitionsvertrag anprangert:

Sowie der Kommentar von Niema Movassat, Die Linke, dessen Partei ja einen ähnlichen Antrag eingebracht hat:

… und wer die vollen 38 Minuten Zeit (die sich der Bundestag selbst hierfür Zeit gegeben hat) hat:

Categories: Politik,Tabakwerbung
Jul
02

Tabakwerbeverbot wird Volker Kauder blamieren

Volker Kauder, wir verwiesen schon öfter darauf, ist mehr oder weniger allein verantwortlich, dass in Deutschland noch immer Kinder und Jugendliche über Zigarettenwerbung im öffentlichen Raum und in Kinoveranstaltungen nach 18 Uhr (die wenigsten kleinen Kinos machen vorher überhaupt auf …) zum Konsum von Tabakprodukten verführt werden können. Nachdem bereits in der vorangegangen Legislaturperiode gemäß Koalitionsvertrag ein Gesetzentwurf zur Umsetzung der international eingegangenen Verpflichtungen zur Einschränkung des Tabakkonsums in Form eines Tabakwerbeverbots vorlag und Kauder diesen durch Nichtvorlegen im Plenum faktisch „aussaß“ hat er in der Neuauflage der Großen Koalition dafür gesorgt, dass dieser Punkt dieses Mal erst gar nicht Teil der Koalitionsverhandlungsergebnisse geworden ist.

Nun zeigen die Grünen (Bündnis 90 / Die Grünen) ihm, was sich die Mehrzahl der Menschen in Deutschland wünscht. Keine Verführung mehr von Litfaßsäulen oder Großflächenplakaten mehr für Kinder! „Jetzt muss die Koalition Farbe bekennen“, sagte Kirsten Kappert-Gonther, drogenpolitische Sprecherin der Grünen dem Ärzteblatt. Denn nach Analysen der vorgenommenen Werbemaßnamen zeigt sich, dass sich diese überwiegend an junge Menschen richtet – es ist auch kaum vorstellbar, dass geschätzt 200 Millionen Euro pro Jahr in diese Form der Werbung in Deutschland investiert werden, damit Raucher von Marke A zu Marke B wechseln (wie es die Tabakindustrie immer wieder zu argumentieren versucht). Auch das Verteilen von Gratiszigaretten durch die Hersteller mithilfe von jungen, fitten und gesunden Hostessen und studentischen Mitarbeitern zielt allein auf „Neukundengewinnung“

Egal wie die Abstimmung ausfällt – Kauder blamiert sich in jedem Fall. Entscheiden die Abgeordneten sich für den Gesetzentwurf und folgen ihrem Gewissen hat seine Tabaklobby-orientierte Blockade nur einen kurzen Effekt gehabt. Wird er auf Fraktionszwang setzen und die Gesetzesinitiative scheitert, zeigt er einmal mehr, dass er nicht das Wohl dem Menschen sondern das der internationalen Zigarettenindustrie im Blick hat.

Wir fordern alle Abgeordneten auf, sich der guten Sache zu verschreiben und für ein umfassendes Tabakwerbeverbot zu stimmen. Hier noch ein paar Argumente:

  • Der Wegfall von jährlich ca. 92 Millionen € Werbeausgaben für Plakatwerbung und ca. 3 Mio € für Kinowerbung stehen 80 Milliarden € direkter und indirekter Kosten des Rauchens gegenüber.
  • Jedes Jahr sterben in Deutschland mehr als 120.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums.
  • Neue Produkte zur Substitution folgen dem altbewährten Prinzip der Sucht um neue Käufergruppen zu erschließen – die Werbung hierfür darf gar nicht erst greifen!
  • Wenn Kinder und Jugendliche zehn Mal mit Tabakwerbung in Kontakt gekommen sind, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie mit dem Rauchen beginnen um 38 %.
  • Wenn Ihre Tochter Lungenkrebs durch Passivrauchen hätte, würden Sie dann nicht auch zustimmen?! Aber die Tochter von vielen Menschen, die Söhne, Männer, Frauen, Väter und Mütter von so vielen Menschen werden durch Tabak todkrank – und Sie als Abgeordnete können mit der richtigen Stimme Leid in der Zukunft verhindern.
  • Deutschland verstößt durch das Erlauben von Tabakwerbung seit Jahren gegen internationale Abkommen wie das WHO-Rahmenabkommen zur Eindämmung des Tabakgebrauchs (FCTC)

Der Gesetzesentwurf enthält nur Gutes und kann hier nachgelesen werden: http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/19/018/1901878.pdf – Fordern Sie auch Ihre Bundestagsabgeordnete/Ihren MdB auf, in dieser Abstimmung für den Entwurf der Grünen zu stimmen – egal welcher Partei sie oder er angehört.

Categories: Politik,Tabakwerbung
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Jun
29

Großartige Aktion von Joachim Kamp

Der Internist Joachim Kamp kennt sich mit Tabak aus. Noch besser aber mit den Erkrankungen, die Zigaretten & Co auslösen. Nachdem in dieser Legislaturperiode vor allem durch Volker Kauder, CDU, ein Tabakwerbeverbot verhindert und Lobbyinteressen erfolgreich die Gesundheit verdrängt haben ist dem Arzt Kamp, der seit Jahren politisch und medial gegen Tabakkonsum agiert, die Hutschnur geplatzt. In einer öffentlichkeitswirksamen Aktion hat er in seiner Heimatgemeinde einige Verkaufsautomaten mit Müllsäcken verhüllt und Warnaufkleber angebracht.

Neben SAT1 berichtet darüber auch die Süddeutsche Zeitung:

Ein Anruf bei Joachim Kamp

 

 

Categories: Tabakwerbung
Jul
28