Zigarettenkippen sind teurer Müll?

Wenn Sie mal jemand theatralisch weinen sehen möchten, dann wäre meine erste Idee: Jan Mücke vom Deutschen Zigarettenverband. Denn seit die Bürger hinsichtlich Natur und Umwelt vorsichtiger handeln, mehr wissen und vor allem mehr wissen wollen rückt auch für Zigarettenhersteller eine gesetzliche Vorgabe und/oder Abgabe bezüglich der meist aus Zelluloseacetat hergestellten Filter näher.

Die Filter sollen in der Außendarstellung der Hersteller bewirken, dass giftige oder gesundheitsschädliche Stoffe wie Teer und Nikotin nicht eingeatmet werden. Tatsächlich geht es vermutlich eher darum, dass der Tabakrauch gekühlt wird, die Zigarette optisch größer erscheint als sie ist (spart Tabak), Tabakbrösel aus dem Mund ferngehalten werden (um vor allem den Anfängern den Einstieg „zu erleichtern“) und man sich die Finger nicht an der Glut verbrennt.

Laut DZV werden beinahe alle Zigarettenstummel korrekt in den Restmüll entsorgt.

Früher wurde bei „leichten“ Zigaretten die Papierhülle der chemisch zu Kunststoff umgewandelten Holzfasern mit mikroskopischen Löchern versehen, heute ist nach meinem Kenntnisstand das bei fast allen Zigaretten der Fall. Diese Löcher mischen in Abrauchmaschinen Luft unter den Rauchstrom, verdünnen diesen und führen zu niedrigeren Pflichtangaben auf den Packungen. Beim tatsächlichen Rauchen verdecken allerdings die Finger die meisten dieser Löcher, so dass die tatsächlichen Werte häufig um ein vielfaches höher liegen dürften. Außerdem steigt der Widerstand innerhalb der Zigarette so dass stärker gesaugt werden muss und deshalb der gesundheitsschädliche Zigarettenrauch länger und tiefer inhaliert wird.

Außerdem wird die eventuelle Filterwirkung des Rauchgases dadurch konterkariert, dass sich feinste Fasern des Filtergewölls beim Saugen an der Kippe lösen und also die Anzahl der inhalierten, potentiell gefährlichen Substanzen gesteigert wird.

Zudem gelten sowohl in Städten als auch an Stränden und Küsten Zigarettenkippen als das am häufigsten vorzufindende Abfallprodukt – das zudem auch noch unzählige Giftstoffe aus dem Tabakrauch enthält – jährlich werden weltweit mehr als 4 Billionen Stummel achtlos weggeworfen und landen in Abwässern, Flüssen und Meeren. Im Salzwasser geht man von einer Zerfallszeit von mehr als 400 Jahren aus, d. h. dann ist vom Kippenrest nur mehr Mikroplastik übrig. Aber die Filter sinken nicht einfach auf dem Meeresgrund und zerfallen – in 70% aller untersuchten Meeresvögeln konnten Reste von Zigarettenstummeln gefunden werden.

So, und nun zurück zu den Krokodilstränen des schlimmsten Lobbyisten Deutschlands: er jammert, dass die Zigarettenindustrie einen verhältnismäßig höheren Beitrag an den Einweg-Kunststoff-Abgaben leisten soll als beispielsweise Getränkebecher-Hersteller. Und das, obwohl die Gewinnmarge der von ihm vertretenen Droge eben die ist, die sie ist: die einer Droge. Gleichzeitig heult er rum (ich bitte meine Wortwahl zu entschuldigen), dass die Quellen zur Berechnung für diese Abgaben, die der Verband der Kommunalen Unternehmen (VKU) erhoben hat, nicht zu 100% transparent sind (im Gegensatz zu allen Tabakstudien der Hersteller). In der Stellungnahme der Verbandswebsite steht zum Littering: „Nicht die Hersteller sind dafür verantwortlich, sondern einzelne Verbraucher. Hier gibt es ein Vollzugsdefizit …“.

Ich fordere:

  • das unmittelbare Verbot von Cellusoleacetat in Filtern
  • hohe Umweltschutzabgaben für die Herstellung von Filtern (bzw. deren „Einbau“)
  • eine Rücknahmeverpflichtung sowie eine Nachweisverpflichtungen zur korrekten Entsorgung für Mindestmengen von Zigarettenfilter
  • zusätzliche Reinigungsauflagen z. B. Strandreinigungen für Hersteller
  • sowie ganz besonders eine Informationspflicht (Sensibilisierung) für die (Verb-)Raucher durch umfangreiche Beipackzettel zur Umweltschädlichkeit & Unmenschlichkeit des Tabakanbaus, der Zigarettenproduktion, durch das Rauchen sowie zur Entsorgung der Zigaretten zu jeder Schachtel
Okt
14

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