In deutschen Schulen taucht ein neues Produkt auf, das auf den ersten Blick harmlos wirkt, in Wahrheit aber große gesundheitliche und pädagogische Risiken birgt: nikotinhaltige Zahnstocker. Diese kleinen Stäbchen, die aussehen wie gewöhnliche Zahnstocher, sind mit Nikotin versetzt und werden vor allem von Jugendlichen zunehmend genutzt. Lehrer, Eltern und Schulträger stehen vor neuen Herausforderungen, weil klassische Präventionsarbeit oft nicht mehr greift.
Was sind nikotinhaltige Zahnstocker?
Nikotinhaltige Zahnstocker sind dünne Holz- oder Kunststoffstäbchen, die mit Nikotin imprägniert sind. Sie werden wie herkömmliche Zahnstocher zwischen die Zähne gesteckt und geben über die Mundschleimhaut eine Dosis Nikotin ab. Hersteller positionieren sie als „rauchfreie Alternative“ oder „Snack für zwischendurch“. Doch der Eindruck von Harmlosigkeit täuscht.
Warum sind sie an Schulen ein Problem?
- Unsichtbare Suchtgefahr: Schülerinnen und Schüler können die Produkte problemlos während des Unterrichts verwenden, ohne dass es auffällt – anders als beim Rauchen.
- Einfacher Zugang: Die Stäbchen sind online leicht erhältlich und oft billig. Sie werden in verschiedenen Geschmacksrichtungen wie Minze oder Frucht verkauft und wirken damit besonders attraktiv für junge Menschen.
- Irreführende Wahrnehmung: Viele Jugendliche glauben, dass die Nikotinzahnstocker weniger schädlich seien als Tabakprodukte – ein gefährlicher Irrtum. Nikotin ist ein starkes, süchtig machendes Alkaloid, das vor allem in der sich entwickelnden Jugend brain und Körper beeinflusst.
- Regelkonflikte: Da sie weder rauchen noch kauen, fallen sie in eine Grauzone zwischen klassischen Rauchverboten und erlaubten Produkten. Viele Schulen wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen.
Gesundheitliche Risiken
Auch ohne Tabakrauch enthalten diese Zahnstocker Nikotin – eine Substanz, die das zentrale Nervensystem stimuliert und abhängig machen kann. Für Jugendliche sind die Risiken besonders hoch:
- Abhängigkeit schon bei geringen Dosen
- Negative Auswirkungen auf Lern- und Konzentrationsfähigkeit
- Herz-Kreislauf-Effekte (z. B. erhöhter Puls, Blutdruck)
- Mögliche Begünstigung des Einstiegs in andere Nikotin- oder Tabakprodukte
Zudem sind viele der Aromen und Zusatzstoffe, die in solchen Produkten eingesetzt werden, nicht ausreichend erforscht, wenn sie über längere Zeit im Mund aufgenommen werden.
Warum Prävention an Schulen wichtig ist
Schulen sind ein zentraler Ort der Suchtprävention: Sie erreichen junge Menschen in einer Phase, in der Gewohnheiten und Einstellungen geprägt werden. Präventionsarbeit, die nur Zigaretten, E-Zigaretten und klassische Tabakprodukte im Blick hat, greift heute zu kurz. Nikotinhaltige Zahnstocker müssen Teil des Themas „Nikotin und Jugend“ werden.
Was Schulen tun können:
✔ Aufklärung über Risiken nikotinhaltiger Produkte im Unterricht
✔ Schulordnungen anpassen – klare Regeln für solche Produkte
✔ Kooperation mit Eltern und Schulsozialarbeit
✔ Sensibilisierung für Suchtprävention auch jenseits des Rauchens
Eltern sind gefragt
Viele Eltern wissen noch wenig über solche neuen Produkte. Ein offener Dialog, klare Regeln zu Hause und Aufmerksamkeit für Veränderungen im Verhalten des Kindes können helfen, Risiken früh zu erkennen.
Fazit
Nikotinhaltige Zahnstocker sind kein harmloser Trend, sondern Teil einer wachsenden Vielfalt nikotinhaltiger Produkte, die Kinder und Jugendliche gefährden. Schulen, Eltern und Gesellschaft müssen gemeinsam handeln, um Risiken sichtbar zu machen und jungen Menschen echte Wahlfreiheit – ohne Abhängigkeit – zu ermöglichen.
Aufklärung gegen Tabak
Help – die Nichtraucherinitiative der EU
Just be Smokefree (DAK)
rauchFrei
WebYourLife!