Schock-Wirkung nur bei Nichtrauchern

Auf der gesamten Welt überlegen Gesundheitspolitiker, wie sie den Raucher von seiner Sucht befreien und Nichtraucher vor der Nikotinsucht bewahren können. Nicht nur Kanada setzt dabei auf schockierende Bilder von teergeschwärzten Lungen, Raucherbeinen und obduzierten Menschen – direkt auf die Schachteln gedruckt.

Die Uniklinik Bonn, genauer die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, untersuchte jetzt die Wirkung der auf Zigarettenschachteln aufgedruckten Photos auf Raucher und Nichtraucher. Von insgesamt 56 Personen waren 28 Raucher mit einem Konsum von durchschnittlich 17 Zigaretten in den letzten neun Jahren. Die andere Hälfte der Probanden waren Nichtraucher.

Mit Bildern von Menschen mit drei unterschiedlichen Gesichtsausdrücken werden üblicherweise emotionale Untersuchungen durchgeführt, so auch in dieser Studie. D. h. die zu untersuchenden Personen haben nicht die Originalbilder der Schachtelabdrucke zu sehen bekommen. Bei der Betrachtung der glücklichen, neutralen und angsterfüllten Gesichter wurden bei allen Probanden die Gehirnaktivitäten mit Hilfe der Magnetresonanztomographie aufgenommen und gemessen. Dabei wurde besonders der Bereich des „Furchtzentrums“ im Gehirn beobachtet. Die Amygdala („Mandelkern“) sitzt im Schläfenlappen und zeigte zunächst keine Unterschiede in der emotionalen Verarbeitung der Sinneseindrücke.

Angstfrei durch Nikotinentzug?

Andere Messwerte zeigten sich nachdem die Raucher zwölf Stunden vor den Tests nicht mehr Rauchen durften, also während der Messungen auf Entzug waren – das Angstzentrum zeigte bei Bildern mit angsterfüllten Gesichtern keinerlei Aktivität mehr: „Das ist ein problematischer Befund […] denn Furcht ist ein archaischer Trieb, der uns Menschen vor Gefahren schützen soll. Das Alarmzentrum im Gehirn scheint einfach nicht mehr auf angsteinflößende Reize zu reagieren.“ so René Hurlemann, Oberarzt der Klinik in Bonn.

Es scheint so, dass die korrekte Hirnfunktion bei Rauchern nur aufrecht erhalten werden kann, wenn genug Nikotin zugeführt wird. Dem entsprechen auch Tierversuche, bei denen festgestellt wurde, dass Lernprozesse weniger erfolgreich sind, wenn das Tier unter Nikotinentzug leidet.

Die Wissenschaftler sind sich einig, dass Schockbilder auf abhängige Raucher kaum Wirkungen haben werden. Der Effekt auf Nichtraucher, also sie auch in Zukunft vom Rauchen abzuhalten, ist aber dadurch nicht geschmälert und durchaus möglich. Für uns eine klare Warnung an Menschen, die das Rauchen verharmlosen: Rauchen wirkt sich nicht nur gesundheitsschädlich auf Lungen, Mundhöhle, Herz-Kreislauf-System usw. aus sondern manipuliert auch das Gehirn erheblich!

Quelle: http://www.n-tv.de/wissen/Raucher-auf-Entzug-haben-keine-Angst-article3823071.html

Jul
22

Individuelle Entwöhnung ist deutlich erfolgreicher

Ob Entzug oder Entwöhnung – der Wille macht den Unterschied, auch bei den Erfolgsaussichten. US-Forscher können durch die Beobachtung bestimmter Gehirnregionen vorhersagen, ob ein Raucher erfolgreich den Zigaretten entsagen kann.

Dazu wurden die Gehirnaktivitäten von knapp 90 Freiwilligen untersucht, die an einem speziell für sie konzeptionierten Entwöhnungsprogramm teilnahmen und entdeckten dabei ein Muster, das mit der Erfolgsquote korreliert: Je stärker die für die Selbstreflexion entscheidenden Gehirnareale aktiviert werden konnten, desto aussichtsreicher war die Warscheinlichkeit nach vier Monaten einen Nichtraucher mehr zu haben. Der Artikel dazu wurde im Fachmagazin „Nature Neuroscience“ von Hannah Faye Chua und Kollegen, Universität Michigan in Ann Arbor, veröffentlicht.

Rauchentwöhnung ist demnach dann erfolgreich, wenn sie individuelle Lebensumstände, Bedürfnisse und Interessen mit einbeziehen; aktuelle und persönliche Probleme und der Charachter sollten mit berücksichtigt werden. Die Botschaften der Programme sollten so formuliert sein, dass sie zur Selbstreflexion anregen, dass der Raucher sich selbst von aussen betrachtet.

In der Studie wurden die Probanden mit Fragebögen zu Gesundheit, Persönlichkeit und Charaktereigenschaften in Bezug auf ihr Rauchverhalten erfasst. In einer weiteren Sitzung wurden ihnen Aufgaben zur Selbsteinschätzung gestellt und sie durften sich Appelle mit dem Rauchen aufzuhören anhören – sowohl individuelle als auch allgemeine. Während der Untersuchungen wurden mithilfe der Magnetresonanztherapie die Gehirnaktivitäten in bestimmten Bereichen untersucht. So auch nach dem etwa vier Monate dauernden web-basierten individuellen Programm zur Raucherentwöhnung.

Dabei zeigte sich, dass bei individuell zugeschnittenen Botschaften tatsächlich eher jene Gehirnareale aktiviert werden konnten, die auch für die Selbsteinschätzung genutzt werden. Bei nicht allen Probanden zeigte sich jedoch ein gleich hoher Ausschlag – nur bei denen, deren Gehirnaktivitätsmuster ausgeprägt waren, war die Wahrscheinlichkeit auch nach vier Monaten noch Tabak-abstinent zu sein groß. Daraus hoffen die Wissenschaftler nicht nur das Gehirn besser zu verstehen sondern auch erfolgreichere Programme zur Rauchentwöhnung entwickeln zu können.

http://www.welt.de/gesundheit/article12661081/Erfolg-von-Rauch-Entwoehnung-ist-vorhersehbar.html

Feb
28