Sammelt IQOS massenhaft Dampfer-Daten?

Angeblich ist das Inhalieren von erhitztem Tabak weniger schädlich, als das Einatmen von „echtem“ Zigarettenrauch – zumindest glaubt man Herstellerangaben. Das ist in meinen Augen mehr als zweifelhaft. Zudem gibt es nun neue Vorwürfe, die sich gegen den Marlboro-Hersteller PMI (Philip Morris International Inc.) richten und die die Verwendung des gefährlichen elektronischen Spielzeugs IQOS noch weit gefährlicher machen. Der Verdacht ist aber nicht gesundheitlicher Natur. Der Verdacht ist, dass iQOS massenhaft Userdaten sammelt und so die Privatsphäre seiner Nutzer gefährdet. iQOS könnte seine Nutzer also ausspähen und dessen Rauchverhalten „abhören“ bzw. auslesen.

iQOS Nutzer haben seit einiger Zeit die „Möglichkeit“ sich beim Tabakriesen online zu registrieren. Mit diesen Daten scheint PMI eine Datenbank aufbauen zu wollen, die im nächsten Schritt dazu führen könnte, dass die aus den Erhitzern ausgelesenen Daten über das Rauchverhalten mit den Registrierten Benutzern zusammengefasst und auch für Marketingmaßnahmen genutzt werden sollen. Dem Projekt fehlt die Genehmigung der Ordnungsbehörden. PMI streitet die Vorwürfe bislang ab, die der ehemaliger TMI-Manager Shiro Masaoka erhebt, der die iQOS-Software in Japan getestet hat.

TechInsights Inc, eine kanadische Elektronikfirma, spezialisiert auf Geräte zur Kundendatenerhebung, fand bei Untersuchungen im Auftrag von Reuters im iQOS zwei Microcontroller-Chips, von denen einer geeignet wäre um Userdaten zu erheben, zu speichern und auch zu Philip Morris zurück zu übermitteln. Diese Daten könnten die Menge an Zügen am Gerät und die Häufigkeit der Anwendungen pro Tag sein. Die Untersuchungen beziehen sich dabei rein auf die Hardware – was wäre möglich, wenn die Software „richtig“ eingestellt wäre.

In einer Patentschrift von 2009 wird das iQOS zudem als ein Gerät beschrieben, das eine Schnittstelle zum Up- und Download von Daten über einen ans Internet angeschlossenen Computer unterstützt: “an interface for establishing a communications link for uploading data to and downloading data from an Internet-enabled host”.

Professor Gregory Connolly von der Universität Boston geht davon aus, dass falls solche Daten erhoben werden würde, PMI dieses Werkzeug nutzen würde, um die Tabakkartuschen (HEETS oder HeatSticks genannt) auf die Anwender anzupassen (z. B. um Tabak zu sparen) und möglicherweise auch dazu, das Suchtpotential voll auszuschöpfen.

Reuters Investigates hat PMI auf diese Vorwürfe angesprochen und wieder beteuerte der Konzern durch seine Sprecherin Moira Gilchrist seine lauteren Absichten. All diese Möglichkeiten würden nur genutzt, um bei einem Fehlverhalten des Erhitzers dem Anwender bei der Problemlösung zur Seite stehen zu können.

Obwohl PMI sein iQOS als Hilfe zum Ausstieg aus dem Tabakrauchen versteht bleibt der Multinationale Konzern noch immer jeglichen Beweis schuldig, dass elektrisch verrauchter Tabak weniger schädlich oder tödlich ist als das herkömmliche Rauchen. Sicher ist nur im Deutschen Markt ist die langfristige Gewinnquote sicherlich um ein Vielfaches höher.

Im Originalartikel bei Reuters Investigates sind noch viele Interessante Details zu lesen, allerdings ist der Beitrag auf englisch. Zudem gibt es weitere Artikel bei Reuters über IQOS zu lesen: Über Unregelmäßigkeiten in Klinischen Studien und über die Widerstand gegen die Zulassung von iQOS in Amerika durch die Food and Drug Administration FDA. Das ganze wird zu den „The Philip Morris Files“ – in denen die ganze unsägliche Industrie an den Pranger gestellt wird.

Categories: E-Rauchen
Mai
16

Das (neue) Geschäft mit der Sucht

„Tabakkonzerne steigen in das E-Zigarettengeschäft ein, um das Image des Rauchens zu verbessern und mehr junge Menschen zum täglichen Konsum zu verleiten“, sagt der Pneumologe Dr. Peter Kardos vor dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin in Dresden. Er warnt, dass E-Zigaretten und Verdampfer keinesfalls als Möglichkeit für einen Rauchausstieg dienen und auch nicht als gesündere Alternative. „Zwar enthalten E-Zigaretten keine Verbrennungsprodukte, aber auch das beim Dampfen entstehende Aerosol enthält entzündungsfördernde, reizende und krebserregende Substanzen, die die Lunge langfristig schädigen können“. Gerade weil Verdampfer, Erhitzer oder wie auch immer die elektrisch betriebenen Suchterzeuger genannt werden das Ritual des Rauchens aufrechterhalten sind sie völlig ungeeignet zum Aufhören.

Mit den Tabakerhitzern oder Liquidverdampfern gelingt es den großen Konzernen zunehmend, junge Menschen anzusprechen. Die Inhalationsprodukte sind gesundheitsgefährdende Suchtmittel und sollten aus Ärztesicht umgehend den gleichen gesetzlichen Regelungen unterworfen werden, wie Rauchtabak. Allem voran müssten aus unserer Sicht diese Tabakerhitzer bzw. die verwendeten Kartuschen (z. B. Iqos von Philip Morris) wie „echte“ Zigaretten besteuert werden. Auch wenn zwanzig Tabakkartuschen für dieses Konsummodell etwa so viel kosten, wie zwanzig herkömmlich Zigaretten, fällt nur etwa ein viertel der Steuerabgaben an, da diese zum gleichen Satz wie Pfeifentabak versteuert werden. Deshalb müssen auf den Packungen auch keine bildlichen Warnhinweise gezeigt werden. Den jungen Konsumenten muss das Produkt, das umgangssprachlich auch als „Dampfer“ verharmlost wird, deshalb als weniger gefährlich erscheinen.

Quelle www.aerztezeitung.dewww.welt.de

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Feb
15