Tabak-Lobby erwirkt scheinbar Rücktritt von EU-Gesundheitskommissar John Dalli

Im dradio (http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/1954590/) gab die CDU-Europaabgeordnete Ingeborg Gräßle ihre Bestürzung darüber kund, mit welcher Macht die mächtige Tabakindustrie durch ihre Lobbyarbeit ausübt. Eine Macht, mit der der scheinbar unschuldige ehemalige Gesundheitskommissar John Dalli in den Verdacht der Vorteilsnahme und Bestechlichkeit geriet und 2012 zurücktreten musste. Die Vorwürfe richten sich vor allem gegen einen schwedischen Konzern der Lutschtabak herstellt, Swedish Match, und der gegen das EU-weite Verbot („Tabak-recht-Richtlinie“) seiner Produkte kämpft.

Laut Swedish Match hätten Freunde des damaligen Kommissars (namentlich vor allem der maltesische Geschäftsmann Silvio Zammit) Kontakte zu Dalli und die Weitergabe von Dokumenten angeboten die zur Veränderung der strengen Tabakrichtlinie führen könnten und dafür „Schmiergelder“ in Höhe von 60 Millionen Euro gefordert, 10 Millionen davon für den EU-Politiker Dalli.

Snus ist feingeschnittener, mit Salz angereicherter Tabak, der in kleinen Beuteln (Mini-Teebeuteln nicht unähnlich) unter Ober- oder Unterlippe geschoben wird. Der Speichel löst das süchtigmachende Nikotin, das Salz verbessert die Resorption des Nervengifts. Der Erstkonsum verursacht häufig Schwindel und Übelkeit, für den Konsum gelten alle allgemeinen Folgen und Risiken des Tabakkonsums auch für Snus – besonders das Risiko von Krebs an Gaumen, Zunge, Speiseröhre und Magendarmtrakt. Vor allem reizt Snus die Mundschleimhaut an den Stellen, an denen es eingebracht wurde, und der Mundtabak führt zu schweren Schäden an Zähnen und Zahnfleisch und schädigt die Schleimhäute in Mund und Rachen. Sportmediziner und Internist Beat  Villiger bringt es auf den Punkt: «Die Abhängigkeit von Snus ist durchaus mit derjenigen von Morphium vergleichbar. Man wird sehr schnell süchtig und hat grösste Schwierigkeiten, wieder davon loszukommen.»

Quellen: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/1954590/, http://www.pro-rauchfrei.org/presse/pressemeldungen/1564-hat-die-tabaklobby-den-ruecktritt-von-eu-gesundheitskommissar-john-dalli-raffiniert-inszeniert.html, http://www.gesundheitstipp.ch/beratung/1013794/Sportlerdroge_snus, http://www.aerztezeitung.at/archiv/oeaez-2004/oeaez-8-25042004/schaeden-durch-oraltabak.html

Dez
20

Bunte Zigarettenschachteln verführen zum Tabakkonsum

Zur Bekämpfung des Tabakkonsums haben deutsche Krebsforscher ein Verbot bunter Zigarettenverpackungen gefordert. Einheitliche graubraune Packungen sowie abschreckende Bilder auf den Zigarettenschachteln könnten helfen, dass vor allem weniger Jugendliche mit dem Rauchen anfangen, erklärte Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) heute in Heidelberg.

Das sei eine einfache Strategie gegen die „permanente, unterschwellige Werbung“. Nachdem der Tabakindustrie einige wichtige Werbekanäle wie Fernsehen, Radio und Printmedien wegen des Werbeverbots nicht mehr zur Verfügung stünden, seien die Verpackungen zu einem immer wichtigeren Werbeträger geworden, betonte die Expertin.  

Derzeit sind Tabakverpackungen in Deutschland lediglich mit schriftlichen Warnhinweisen wie „Rauchen kann tödlich sein“ oder „Rauchen lässt Ihre Haut altern“ versehen. Die Wirksamkeit dieser Warnhinweise werde jedoch durch die Werbung und das Design der Zigarettenschachteln erheblich abgeschwächt, erklärte der Rechtsexperte Tobias Effertz von der Universität Hamburg anlässlich einer Konferenz für Tabakkontrolle in Heidelberg.

Er verwies auf Studien, wonach Kinder und Jugendliche eher mit dem Rauchen beginnen und daran festhalten, je mehr sie mit Tabakwerbung in Kontakt kommen. Deshalb sei es dringend nötig, die Tabakwerbung weiter einzuschränken. Im November hatte bereits die britische Regierung ein Verbot bunter Zigarettenschachteln angekündigt.  

Pötschke-Langer forderte zugleich ein EU-weites Verbot der Zusatzstoffe in Zigaretten, wie es beispielsweise bereits in Kanada durchgesetzt worden sei. Frucht- oder Schokoladenaromen machten Zigaretten insbesondere für junge Menschen attraktiver. Andere Substanzen erleichterten das Rauchen, indem sie das unangenehme Kratzen im Hals beim Inhalieren linderten.

Dadurch würden schon Kinder zum Rauchen verführt. Zudem würden Raucher dazu verleitet, den Rauch tiefer zu inhalieren. Es gerieten mehr giftige und krebserregende Substanzen in den Körper, und auch das Suchtpotenzial steige.

Insbesondere Menthol mache den Forschern große Sorgen. Der Rauch werde durch diesen Zusatzstoff besonders tief inhaliert. Zudem stehe Menthol in Verdacht, in Kombination mit Nikotin ebenfalls süchtig zu machen, warnte die Expertin.

Pötschke-Langer zeigte sich optimistisch, dass das Verbot der Zusatzstoffe und die einheitliche Verpackung in den nächsten fünf Jahren EU-weit durchgesetzt werden können. Sie rief die Verbraucher zugleich dazu auf, am öffentlichen Konsultationsverfahren zur künftigen EU-Tabakproduktrichtlinie teilzunehmen, das noch bis zum 17. Dezember läuft.

Das DKFZ warnte zugleich davor, das derzeit in der EU geltende Verbot des schwedischen Tabakprodukts Snus aufzugeben. Snus besteht aus Tabak, dem Aromen, Salze und andere Stoffe zugesetzt werden. Die kleinen Päckchen werden zwischen Lippe und Zahnfleisch geklemmt und gelutscht. Snus sei ein gefährliches Produkt, das genauso abhängig machen könne wie Zigaretten, warnte die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stabsstelle Krebsprävention, Katrin Schaller.

Zudem erhöhe es das Risiko, an Mundhöhlen-, Speiseröhren- oder dem besonders tückischen Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken.

Quelle: http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=43842&src=suche&p=rauchen

Jan
05