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Rauchentwöhnung mit Medikamenten schädlich?

Nikotin bekommt den Fraßfeinden der Tabakpflanze schlecht – sie wehrt sich erfolgreich mit dem Alkaloid. Geraucht löst es beim Menschen die Ausschüttung von Adrenalin, Dopamin und Serotonin aus, aktiviert dadurch das Belohnungszenturm im Gehirn und macht körperlich und psychisch stark abhängig. Die eingeatmeten Rauchgase sind extrem schädlich und verantwortlich für unzählige Krankheitsbilder. Die doppelte Abhängigkeit macht es Rauchern extrem schwierig, von den Kippen los zu kommen.

Seit Jahren suchen Chemiker auf der ganzen Welt nach Möglichkeiten den Rauchstopp zu unterstützen. Der Hersteller von Viagra, Pfizer, ließ kurz nach der Jahrtausendwende ein Medikament in Europa und Amerika zu, das wie Nikotin aus dem Verteidigungsmechanismus einer Pflanze stammt. Das Molekül Varenicline wurde aus dem Goldregen isoliert und chemisch abgewandelt. Es soll wie abgeschwächtes Nikotin wirken, die gleichen Botenstoffe freisetzen und dadurch den Entzug einfacher machen. Gleichzeitig blockiert es nach Herstellerangaben die Docking-Stellen für Nikotin und macht dadurch das Rauchen „uninteressanter“.

Trotz erster guter Aussichten kein Grund zum Aufatmen

In Studien erlangte das Medikament Champix eine deutlich höhere Ex-Raucher-Quote als Placebos und Antidepressiva. Ein Jahr nach dem Rauchstopp waren von 100 Probanden wieder rückfällig

  • Placebo: 90
  • Nikotinpflaster oder Antidepressivum Bupropion: 84
  • Champix: 75

Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Pfizer steht jetzt aber in der Kritik, sein Medikament Champix würde die Warscheinlichkeit für Herzinfarkte und Schlaganfälle um mehr als 70% erhöhen. Forscher aus England und Amerika hatten über 8.000 Raucher ein Jahr lang beobachtet und dies dabei festgestellt. Dass Champixx zu Depressionen, Suizidgedanken und Panik führen kann wurde bereits früher festgestellt und der Beipackzettel mußte entsprechend modifiziert werden. Die aktuelle Studie wurde von Dr. Sonal Singh an der Johns Hopkins University School of Medicine geleitet.

 

Quellen: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/586241/, http://www.blick.ch/life/gesundheit/pille-gegen-das-rauchen-schlaegt-aufs-herz-176056

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Jul
05

Helfen Bupropion und Vareniclin gegen die Nikotinsucht?

Los Angeles/Philadelphia – US-Forscher machen im Gehirn von Rauchern das Craving, das starke Verlangen nach der nächsten Zigarette, sichtbar. Ihre Publikationen zeigen, dass die beiden Antiraucher-Medikamente die unerwünschte Hirnaktivität bremsen.

Der Griff zur Zigarette wird bei den meisten Rauchern durch Schlüsselreize ausgelöst. Dies kann der Blick auf eine Zigarette sein, die Gesellschaft mit anderen Rauchern oder auch nur bestimmte Gefühle oder Situationen, die das Craving auslösen, den unwiderstehlichen Drang, der stärker ist als alle guten Vorsätze.

Werden Raucher mit der funktionellen Magnetresonanztomographie untersucht, wird in diesem Moment gleich an mehreren Orten des Gehirns eine vermehrte Aktivität sichtbar. Dies sind der präfrontale Cortex (Aufmerksamkeit), die Amygdala (Emotion), die Area tegmentalis ventralis (Belohnungssystem) und das Striatum (Motivation). Dies konnte Christopher Culbertson von der Universität von Kalifornien in den Archives of General Psychiatry (2010; doi: 10.1001/archgenpsychiatry.2010.193) an 30 Rauchern zeigen, die sich kurze Videoclips mit den Schlüsselreizen ansahen, während sie gescannt wurden.

Die Untersuchungen fanden vor und nach dem Ende einer achtwöchigen Behandlung mit Bupropion oder Placebo statt. Tatsächlich zeigen die Bilder, dass Bupropion das Aufflammen des Cravings an verschiedenen Stellen des Gehirns hemmt. Die abgeschwächte Aktivierung stimmte auch mit dem verminderten Craving einher, das die Probanden in Fragebögen angaben.

Ähnliche Beobachtungen machte Teresa Franklin von der Universität von Pennsylvania in Philadelphia an 22 Rauchern, die ihre Sucht über drei Wochen mit Vareniclin oder Placebo bekämpft hatten. Auch in dieser Studie wurden die Probanden mit einem Videoclip auf die Probe gestellt.

Und auch hier wurde das verminderte Craving in einer verminderten Aktivierung der entsprechenden Hirnzentren angezeigt (Archives of General Psychiatry; doi: 10.1001/archgenpsychiatry.2010.190).

Quelle: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/44138/Rauchen_Wo_Bupropion_und_Vareniclin_im_Gehirn_das_Verlangen_bremsen.htm

Jan
05