Graswurzel-Bewegung?

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Der Markt mit klassischen Zigaretten war sehr lange Zeit ein extrem lukrativer. Kein anderes legales Geschäft erscheint derart „sicher“ und gewinnbringend, wie Menschen mit dem Suchtmittel zu versorgen, in deren Abhängigkeit man selbst die Konsumenten getrieben hat.

Die Luft am Markt wird aber durch die Veröffentlichungen von Wissenschaftlern und Ärzten zur Gefährlichkeit von Zigaretten und das allgemein gewachsene Gesundheitsbewusstsein der Menschen besonders (aber nicht ausschließlich) in den sogenannten Industriestaten. Aber wenn es ums Geld geht, fällt Menschen immer noch etwas perfideres ein.

Deshalb wurden Milliarden in die Entwicklung von unschädlicheren oder zumindes scheinbar ungefährlicheren Alternativen gesteckt, die aber natürlich am besten genauso abhängig machen sollen, damit der Kundenstamm wächst, mindestens aber nicht noch weiter schrumpf.

Vaporatoren, Verdampfer, Tabakerhitzer – das sind die neuen Heilsbringer einer Branche, die überhaupt nicht an das Heil der Konsumenten sondern höchstens der Aktionäre und Anteilseigner denkt. Dazu nutzt sie jedes Mitte, von der politischen Beeinflussung über klassische und soziale Werbung. Der Anschein soll sein, der Dampf oder Qualm wäre jetzt deutlich unschädlicher – so verkünden es Plakate weltweit.

Wie weit die Beeinflussung der Meinung aber geht, den die Tabakindustrie zu gehen bereit ist, wurde nun aufgedeckt. Unter dem Deckmantel einer unabhängigen Interessenvertretung (Eigenwerbung: „Die World Vapers’ Alliance vertritt 23 Dampferverbände sowie 14.000 individuelle E-Zigaretten-Konsumenten aus der ganzen Welt.“) stürzt sich ein mit scheinbar grenzenlosem Budget ausgestattes Tabakunternehmen in die Meinungsschlacht zur Verharmlosung der Verdampfer und von Liquids.

Ein ähnliche Institution hatte 2007 der Juul-Lieferand Koch Industries und seine ultrakonservativen Eigner gegründet und jährlich mit mindestens 3,5 Mio $ ausgestattet. Die ursprüngliche Bewegung namens „Libertarians“ (also die Befürworter für freie Entscheidungen) wurde später zum „Consument Choice Center“ (Zentrum für freie Entscheidungen der Konsumenten), nach eigenen Angaben mitfinanziert von Japan Tobacco International, und der Brüsseler Lobbyableger des CCC gründete eben die Wold Vapers‘ Alliance.

Wold Vapers‘ Alliance

Die Recherche- und Nachrichtenplattfor „The Daily Beast“ berichtet darüber, dass hinter der dem Verband vor allem Stohmänner oder besser Strohvereinigungen stehen. U. a. vapers.guru notiert, dass fünf der südamerikanischen Landesverbände mit dem gleichen Logo auftreten und die afrikanischen aus den ärmsten Staaten kommen (namentlich Malawi und dem Kongo). Nach den Recherchen von DailyBeast beweisen interne Dokumente, dass hinter dem gesamten Konstrukt der Tabakriese British American Tobacco für die Führung, die Anstrengungen zur Desinformation und Beeinflussung sowie zur Finanzierung federführend verantwortlich ist. Spenden an die WVA gehen übrigens über den Website-Button direkt an die steuerbefreite und nicht zur öffentlichen Rechenschaft verpflichtete oben genannte CCC.

Aber ganz ehrlich, wer lesen kann, konnte schon frühzeitig erkennen, dass mit Slogans wie „World Vapers’ Alliance: E-Zigaretten zur Bekämpfung des Rauchens und zur Rettung von 200 Millionen Menschenleben“ sicherlich keine Konsumentenvereinigung wirbt. Der einzelnen Dampfer hat ein Interesse daran, es selbst zu tun und tun zu dürfen, aber nicht daran, 200 Millionen Menschen zu retten. Der Dampfer-Verband ist also nichts weiter, eine riesige und verschleierte Tabak(ersatzprodukt)kampagne. Die als Graswurzelbewegung getarnten Werbemaßnamen (u. a. weltweite Anzeigekampagnen bei Facebook) mit Millionenbudget sind also nicht weiter, als ein riesiger verfilzter Kunstrasen (also Grasroot vs. Astroturf).

Und was ist nun das Fazit? Dieses dürfte sein, dass man auch heutzutage noch sehr, sehr viel Geld mit Menschen verdienen kann, die man mit den perfidesten Tricks in eine Abhängigkeit treibt. Und für alle, die hoffen, aus der Tabakabhängigkeit herauszukommen klingt es doch zu schön: ohne Suchtdruck aussteigen indem man ein ungefährlich(er)es Produkt nutzt. Zu schön, um wahr zu sein!

Q: DailyBeast, BusinessWire, VapersGuru

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