Tabakwerbung « Nie wieder Tabak

Neues Tabakgesetz könnte Außenwerbung verbieten

Nach den Entwürfen des Bundesministers für Ernährung und Landwirtschaft Christian Schmidt (CSU) aus dem mittelfränkischen Bad Windsheim soll ein neues Tabakgesetz auf den Weg gebracht werden, dass die allgegenwärtige Werbung in der Öffentlichkeit endlich unterbindet und damit den Einstieg in das Rauchen deutlich weniger attraktiv werden lässt. Im Interview mit der BILD-Zeitung, das auf der Ministeriumsseite veröffentlich ist, sagte Schmidt: „Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass eine allgegenwärtige Werbung in der Öffentlichkeit den Einstieg in das Rauchen aktiv fördert. Deutschland ist neben Bulgarien das einzige Land in der Europäischen Union, in dem die Außenwerbung für Zigaretten noch erlaubt ist. Dies konterkariert unsere intensiven Bemühungen in der Tabakprävention gerade bei Kindern und Jugendlichen. Deshalb strebe ich ein Verbot der Außenwerbung mit Plakaten sowie der Kinowerbung für Tabakerzeugnisse und elektronische Zigaretten an.“

Er unterstützt mit seiner Gesetztesinitiative die Drogenbeauftrage Marlene Mortler, die ebenfalls für die CSU im Bundestag sitzt und wie Schmidt aus Mittelfranken kommt. Anstatt sich, seine Partei und die Gesetzesnovelle mit einem Verbieter, einer Verbotspartei oder einem Verbotsgesetzt sieht er sich (zu recht) als höchster Gesundheitsschützer Deutschlands: „Rauchen ist zweifelsfrei das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko unserer Zeit. Vor dieser Gefahr müssen wir vor allem unsere Kinder und Jugendlichen schützen. Wenn es um den Schutz von Leib und Leben geht, greifen Appelle und Aufklärungskampagnen zu kurz. Mein Ziel ist es, Kinder und Jugendliche vor dem Einstieg in eine potenziell tödliche Raucherkarriere zu schützen.“

Er weist darauf hin, dass u. a. in der EU-Tabakrichtlinie noch weitere Bausteine zur Eindämmung des Rauchens enthalten sind:

  • Vergrößerung von Warnhinweisen
  • Verbot verharmlosender, einstiegsfördernder und gesundheitsschädlicher Zusatzstoffe in Zigaretten
  • Abgabeverbot für Verdampfer (sog. „E-Zigaretten“ und „E-Shishas“) & Liquids an Jugendliche

Wir hoffen, dass das Kanzleramt, das sich momentan noch gegen die Bemühungen aus Mittelfranken stemmt, bald dieses Gesetzesvorhaben unterstützt. Bitte unterzeichnen Sie deshalb auf WeAct! / Compact die Petition des Aktionszentrum Forum Rauchfrei an die Bundeskanzlerin Angela Merkel „Stoppt Tabakwerbung“:

 

https://weact.campact.de/petitions/stopp-tabakwerbung/

Beim Forum Rauchfrei finden Sie sowohl den Entwurf zum Tabakerzeugnisgesetz als auch für eine Tabakerzeugnisverordnung. Einen Überblick über die künftig weiterhin erlaubten Werbeformen für Tabak gibt das Anschreiben aus dem BMEL (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) an die Ressorts & Ministerien zum Gesetzentwurf.

 

 

Quelle: http://www.bmel.de, http://forum-rauchfrei.de

Jul
08

STOP Marlboro

logoshadow_400Unterstützt die Kampagne STOP Marlboro und damit die jugendgefährdende Kampagne „Be Marlboro“ die in über 60 Ländern dazu führt, dass mit perfiden Mitteln neue Süchtige generiert werden. Unter www.stopmarlboro.org könnt Ihr schlimme Beispiele finden, mit welchen, genau auf junge Menschen zugeschnittenen Marketinglügen (Motive sind z. B. junge sexy Mädchen, Party und Abenteuer) Jugendliche auch unter 18 in eine aus Konzernsicht möglichst lebenslange „freiwillige“ Abhängigkeit gebracht werden sollen. Dass durch das Rauchen Krankheiten wie Lungenkrebs, COPD, Amputationen wegen Durchblutungsstörungen usw. ausgelöst werden können, ist allen Beteiligten Werbern bewusst und trotzdem ist die Gier stärker.

Es ist für jeden Menschen schwierig, den unmittelbar eintretende Zigarettenkonsum mit Krankheiten in Verbindung zu bringen, die in 20 oder 30 Jahren eintreten. Deswegen ist die Aufklärung bei Jugendlichen, die noch stärker als Erwachsene im Jetzt leben (Beispiel: Rentenversicherung), auch enorm schwierig und Werbung, die auf das Jetzt ausgerichtet ist, kommt bei dieser Zielgruppe sehr gut an. Darauf baut die MayBe-Kampagne mit Motiven wie MAYBE I WILL PARTY ALL NIGHT oder MAYBE NEVER FELL IN LOVE.

Unterzeichne noch heute die Petition auf www.stopmarlboro.org

Mai
06

Ein Vater wiederspricht

Die Frankfurter Rundschau, die SZ und viele andere Zeitungen berichten über die Debatte, die eine Aktion des Landtagsabgeordneten Mario Krüger (Die Grünen) zusammen mit dem Berliner „Forum rauchfrei“ ausgelöst hat. Zusammen überklebten Sie ein Werbeplakat für Zigaretten mit einem rauchenden jungen Paar als Hauptmotiv mit weißem Papier und dem Slogan „Stoppt Tabakwerbung und die Tabakmesse in Dortmund“.

MdL Krüger, der selbst raucht, hatte die Aktion unterstützt weil das Werbeplakat unmittelbar vor eine Kindertagesstätte (Kita Kleiner Prinz e.V.) geklebt war und er dies für völlig unangemessen hält und deshalb den Weg des zivilen Ungehorsams geht. Er selbst sagte in einem Interview mit dem WDR: „Ich rauche nicht gerne, ich bin abhängig. Und das will ich kommenden Generationen gerne ersparen. Ich kenne aus meiner eigenen Jugend sehr gut die Instrumente der Tabakindustrie. Zum Beispiel die Werbung mit dem HB-Männchen, die ich als Kind und Jugendlicher immer gern gesehen habe. Ich bin in einem Raucherhaushalt groß geworden, auch mein Arbeitsleben hat sich lange Jahre in völlig verqualmten Büros abgespielt. Ich habe also am eigenen Leib miterlebt, wie man durch Werbung und durch Raucher in der Umgebung systematisch an den Nikotinkonsum herangeführt wird. Deshalb halt ich alle Instrumente, die das Rauchen erschweren, für richtig.“

Das ausgelöste Medienecho verleitete den Industrieverband der Tabakunternehmen zur Aussage, das einen Verzicht von Werbung vor Kitas nicht für notwendig halte, Kinder unter sechs Jahren, also vor dem Schulalter, wären noch nicht in der Lage, Inhalt und Botschaft der Tabakwerbung zu verstehen. Für Schulen und Jugendzentren gilt ein internen Kodex, der Werbung an nahen Standorten als unzulässig deklariert, Kindergärten, Kitas usw. sind davon jedoch ausgenommen.

Johannes Spatz vom Forum Rauchfrei wiederspricht im SZ-Interview: In einem 2001 durchgeführten Experiment des Forums konnten Kinder zwischen vier und sechs Jahren Werbeplakate von Tabakproduzenten auch ohne sichtbare Zigaretten größtenteils den richtigen Sparten zuordnen können. „Gerade bei kleinen Kindern ist Werbung gefährlich, weil sie noch weniger als Jugendliche selbstbestimmt sind.“

Als Vater eines Fünf- und einer knapp Dreijährigen kann ich die Wahrnehmung von Kindern nur bestätigen. Meine Kinder, denen ich Rauchen als gefährlich und den Raucher als traurigen Menschen (ohne Angst oder Hass vor dem Menschen selbst, sondern vor der Zigarette!) gezeigt habe, zeigen mir ohne mein Zutun Plakatwerbung mit Worten wie „Schau mal, die ekligen Zigaretten!“ oder „Warum rauchen die Menschen auf dem Bild, wenn es doch gefährlich ist?“. Das liegt nicht zuletzt an der breiten Werbefront für Zigaretten in Deutschland: überall liegen Kippen, leere Zigarettenschachteln, omnipräsent ist die Werbung durch sichtbare Zigarettenautomaten, durch Verkaufstheken in Supermärkten und durch Videopräsentationen in Tankstellen, durch Plakatwände und Litfaßsäulen und selbstverständlich durch rauchende Jugendliche und Erwachsene.

Deshalb kann eine Selbstverpflichtung durch die Industrie nicht ein vollkommenes Tabakwerbeverbot ersetzten – wir wollen nicht den jetzigen Raucher zu einem kalten Entzug zwingen aber die künftige Generation gar nicht erst zu einer rauchenden Generation werden lassen. Nicht ohne Grund fordert die britische Ärztevereinigung eine radikalen Initiative für eine komplett rauchfreie Gesellschaft bis 2035 – durch ein Verkaufsverbot für alle, die nach dem Jahr 2000 geboren wurden.

Weitere Informationen: www.forum-rauchfrei.de
Q: http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/landtagsabgeordneter-ueberklebt-tabakwerbung-neben-kita-img26-id9750189.html, http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kein-freiwilliger-verzicht-tabakindustrie-will-weiter-vor-kitas-werben-1.1806343

Categories: Tabakwerbung
Sep
01

Pall Mall glänzt mit jungen Gesichtern

Aktuell hängt Pall Mall verstärkt Plakate mit äußerst jung wirkenden Frauen und Männern auf. Natürlich wird der Sinn der Werbung wieder mit: „Wir möchten ja nur Raucher anderer Marken abwerben. Nein, gerade junge Menschen möchten wir nicht zum Rauchen verleiten, pfui, wer würde das denn wollen?“ wiedergegeben. Aber ganz ehrlich: welcher 50-jährige Süchtige wechselt „seine“ Marke wegen einem Plakat wie dem folgenden (ich habe es um die Marke reduziert, ich möchte ja keine Werbung machen)?

Ich überlege wieder bezüglich Beschwerde-Möglichkeiten (außerhalb des Werberats) …

Aktuelles Werbeplakat von Pall Mall

Unerträglich, wie Pall Mall um junge Menschen wirbt.

=== UPDATE 20.06.2014 ====

Und weiter geht’s mit furchtbaren Kampagne, die ganz offensichtlich massiv neue Kunden suchen – diesmal von JPS:

JPS behauptet "Just Free" zu sein, dabei macht Nikotin schwer abhängig und keinesfalls frei.

Mit lässigen, jungen Menschen (es gibt auch eine Version mit hüpfendem jungen Mann) werden lästige, alte Zigaretten beworben.

Mai
02

Wirkt Tabakwerbung bei Kindern und nutzen Werbeverbote?

Einen interessanten und wissenschaftlich fundierten Radiobeitrag können Sie beim Bayerischen Rundfunk nachhören:

http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/iq-wissenschaft-und-forschung/werbung-werbeverbot-tabakindustrie-100.html

Er geht unter anderem auf die verbotene Marlboro-Kampagne ein und untermauert die Wichtigkeit von Werbeverboten für Tabakprodukte für den Schutz von Nichtrauchern, insbesondere von Kindern und Jugendlichen. Gleichzeitig geht er auf die psychologischen Gefahren von Verboten und deren Aufrufen ein („Schreiben Sie auf keinen Fall auf diese Wand“).

Mrz
13

R.I.P. Eric Lawson

Eric Lawson, der Mann mit dem markanten Kinn, der Werbe-Cowboy der modernen Zeit starb am 10. Januar im Alter von 72 Jahren an der höchstwahrscheinlich tabakinduzierten chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD, häufig als „Raucherlunge“ bezeichnet). Zwischen 1978 und 1981 prägte sein Gesicht die Werbung von Marlboro, er wurde zum Marlboro-Mann. Als er erkannte, für welche perfide Verführung er eingesetzt wurde, wandte er sich gegen die Tabakkonzerne. Denn auch er war mit 14 Jahren dem charmanten Apell seiner Vorgänger erlegen und hatte mit dem Rauchen begonnen; Rauchen ist aber ganz entgegen der damaligen und heutigen Werbebotschaften kein Spiel, kein Abenteuer, kein Männlichkeitsbeweis und erst recht weder Unabhängigkeit noch Freiheit. Es ist ein knallhartes Geschäft mit einem Produkt, das seinen Konsumenten erheblich schädigt und stark abhängig macht, seine Hersteller aber reich.

Die Marlboro-Männer des 20sten Jahrhunderts (vorher und währenddessen wurden für einzelne Spots oder Anzeigen Models gebucht, die aber nicht „authentisch“ genug waren):

  • 50er David Millar starb 1987 an einem Lungenempfysem
  • 60er David McLean starb 1995 an Lungenkrebs
  • 70er Wayne McLaren starb 1992 mit 51 Jahren an Lungenkrebs
  • Dick Hammer starb 1999 an Lungenkrebs
Jan
30

Der Liberty Award – alles andere als Freiheit

Ein Tabakkonzern, der einen Journalistenpreis unter der Bezeichnung „Freiheit“ stiftet – das klingt nach Hohn. Und ist es auch. Tabak bindet Menschen anstatt Fesseln zu lösen, Tabak macht süchtig und krank anstatt frei und gesund, es schützt seine Anwender nicht, es schädigt sie. Ein Konzern der Millionen mit der Sucht von Menschen verdient hat sollte sich schämen, mit Begriffen wie Freiheit zu arbeiten.

Reemtsma würdigt mit dem Preis Journalisten, die „Außergewöhnliches für die Freiheit leisten“ (bisher war noch keiner dabei, der das Abhängigkeitspotential von Tabak kritisiert hat); die Jury wird besetzt von diversen Journalisten. Das Forum Rauchfrei und andere Verbraucherschützer kritisiert zu Recht, dass darunter auch Mitarbeiter öffentlich-rechtlicher Sender sind wie die Programmdirektorin des Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) Claudia Nothelle. Besonders brisant wirkt der Fakt, dass Nothelle auch dem Kuratorium der Krebsstiftung Berlin vorsteht – ein echter Interessenskonflikt zwischen PR für Reemtsma und der Gesundheit. Die Berliner Krebsstiftung riskiert aber nicht nur durch das Engagement von Nothelle als Tabaklobbyistin die eigene Glaubwürdigkeit – ein weiteres Kuratoriumsmitglied (Gero von Boehm) ist ebenfalls in der Jury des Tabakkonzerns tätig.

Quelle: http://www.aerzteblatt.de/archiv/150551/Randnotiz-Dicke-Luft-um-Liberty-Award

Dez
02

BE wird zu BE-NO-MORE

Endlich hat eine Institution durchgegriffen und die auch in unseren Augen jugendgefährdende Tabakwerbung von Philipp Morris für Marlboro deutschlandweit verbieten lassen. Das Landratsamt München schreibt auf seiner Seite: >>Hintergrund dieses Verfahrens ist das Werbeverbot in § 22 Absatz 2 Nummer 1 Buchstabe b des Vorläufigen Tabakgesetzes. Danach ist Tabakwerbung unzulässig beziehungsweise verboten, „die ihrer Art nach besonders dazu geeignet [ist], Jugendliche oder Heranwachsende zum Rauchen zu veranlassen“.<<

20130129_12

In Zukunft dürfen wir also hoffen, keine oder weniger Motive, die besonders Jugendliche ansprechen, auf Tabakwerbung zu sehen. Wir wünschen uns, dass dieses Urteil nicht nur bei Marlboro endlich für ein Umdenken und Umstellen der Werbebotschaften führt, sondern auch Eindruck bei den anderen Tabakkonzernen macht. Immerhin kostet die Erstellung der Werbung ja jede Menge Geld, die natürlich „verpufft“, wenn keiner sie sehen darf.

Das Landratsamt weiter zur Rechtmäßigkeit der Untersagung: >>Demnach solle die Maybe-Kampagne sowohl mit den gewählten Motiven (jugendlich bzw. heranwachsend aussehende Personen in alterstypischen Situationen) als auch mit den damit verbundenen Aussagen („Don’t be a maybe – be Marlboro!“) in besonderem Maße Jugendliche und Heranwachsende als Zielgruppe ansprechen. Letztendlich würde suggeriert, dass der Konsum von Zigaretten der Marke Marlboro einen „Zauderer“ (Maybe) in einen „Macher“ (Be) verwandle. Gerade die bei dieser Werbung im Vordergrund stehende Frage nach der Selbstwahrnehmung und des „Images“ spiele für Jugendliche und Heranwachsende eine zentrale Rolle.<< Mit ähnlichem Gedanken wenn auch nicht so klar formuliert wie Durch das Amt hatten wir Anfang des Jahres bereits Beschwerde beim Deutschen Werberat eingelegt.

>>Das Landratsamt München ist für eine solche Untersagung zuständig, da Philipp Morris seinen Hauptsitz in Gräfelfing, Landkreis München, hat. Die Untersagung gilt bundesweit und umfasst jegliche Werbung in Form von Plakaten, Flyern, Kinowerbung und Sonderwerbeformen.<< Laut Spiegel Online will die Philip Morris GmbH gegen den Bescheid vorgehen bzw. Schritte gegen ihn prüfen da er in Ihren Worten „rechtlich und tatsächlich jeder Grundlage“ entbehren würde sowie keine Jugendlichen ansprechen soll sondern nur Erwachsene: Raucher von Konkurrenzmarken sollen abgeworben und Marlboro-Raucher in Ihrer Wahl bestärken werden. Ja, ist klar …

Quelle: http://www.landkreis-muenchen.de/no_cache/service/news/nachrichtenbeitrag/artikel/landratsamt-muenchen-verbietet-phillip-morris-aktuelle-tabakwerbung/

Categories: Tabakwerbung
Okt
10