Neue Erkenntnisse zur E-Zigarette

In Südkorea (und der halben Welt) passiert, was wir ungeschönt als gigantischen „Menschenversuch“ bezeichnen. Die E-Zigarette wird auf ihre Gefährlichkeit und auf langfristige Auswirkungen auf den Menschen getestet; am Menschen. Nun wurden neue Studien am lebenden Objekt angefertigt und sie besagen nichts gutes.

US-Amerikanische Mediziner berichten in Ihrer Studie (VÖ Journal of Adolescent Health 2013; doi:10.1016/j.jadohealth.2013.11.003) über das Nutzungsverhalten von südkoreanischen Jugendlichen. Diese würden immer häufiger zur beabsichtigten Tabakentwöhnung zur E-Zigarette greifen. Dafür sind nicht zuletzt die Duft- und Zusatzstoffe in den Liquids, also den Flüssigkeiten die in den zigarettenförmigen Inhalationsgeräten zerstäubt oder verdampft werden, verantwortlich. Im Jahr 2008 hatte weniger als 1% der jungen Südkoreaner das E-Rauchen ausprobiert, 2011 waren es bereits 9%.

Das bestürzende Ergebnis war, dass viele, die eigentlich umsteigen oder umsteigen und dabei aufhören wollten, sowohl E-Liquids als auch konventionelle Tabakzigaretten genutzt haben – und häufig sogar mehr Zigaretten als vor dem Griff zur E-Zigarette rauchten. Dieses Ergebnis wird auch von zwei weiteren Studien gestützt: „In einer Studie in PLoS ONE (2013; 8: e66317) waren nach 52 Wochen weniger als 9 Prozent der Raucher abstinent. In einer Vergleichsstudie im Lancet (2013; doi: 10.1016/S0140-6736(13)61842-5) schafften gerade einmal 7 Prozent den Schritt, und die E-Zigaretten erzielten hier keine bessere Wirkung als Nikotin-Ersatzpflaster.“ (1 Ärzteblatt)

Die britische Zeitung „The Standard“ berichtet außerdem online darüber, dass das englische Krebsforschungszentrum (Chancer Research UK) davor warnt, dass Jugendliche immer mehr in den Fokus der Werbung für E-Zigaretten geraten². Durch Sponsoring und den gezielten Einsatz von Stars als Werbebotschaftern vor allem in den Social Media-Plattformen wie Facebook und Twitter. Die Forscher untersuchten mehr als 1.000 Werbebotschaften in den Internetplattformen, flankierend zu Jugend-Events wie Open-Air-Konzerten und auf belebten öffentlichen Plätzen. Alison Cox, der die Tabak-Sparte beim Cancer Research UK vertritt sagte: “There’s evidence in the report – particularly on social media – of e-cigs being promoted as cool and the latest thing and applying all the kings of marketing ploys that would be used to attract a youth market, including involving pop stars, computer games and one e-cig company evening sponsoring a football youth team’s strip.” Er warnt also davor, dass E-Zigaretten für Jugendliche ungefährlich wirken müssen, sie werden schließlich mit direkt für sie zugeschnittener Werbung geschickt platziert.

Professor Gerard Hasting, ein Co-Autor dieser Studie sagte: “But the market is looking to make money, not improve public health, and this is creating many dangers.“ Die Hersteller versuchen also keinesfalls die Gesundheit der Gesellschaft (z. B. durch Tabakentwöhnung) zu verbessern, es geht ihnen einzig und allein um Geld. Und wenn Geld verdient werden kann fallen schnell alle Grenzen …

Quellen: 1 http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/56716/E-Zigaretten-koennten-zur-Sucht-verleiten, 2 http://www.standard.co.uk/news/health/ecigarette-companies-targeting-children-on-facebook-and-twitter-says-report-8966226.html

Nov
28

Risiko: die umstrittene E-Zigarette

Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) kommt in seiner Einschätzung der E-Zigarette und der enthaltenen und freigesetzten Inhaltsstoffe der sogenannten Liquids zu keinem überraschenden Ergebnis: „Die Dämpfe dieser Substanzen können die Gesundheit von E-Rauchern beeinträchtigen. Gefahren für Dritte sind nach derzeitigem Kenntnisstand nicht auszuschließen.“

Zu dieser Stellungnahme kommt das BfR nicht zuletzt weil das bereits große und immer noch wachsende Angebot dazu führt, dass völlig unklar ist WAS der E-Raucher denn eigentlich inhaliert und durch ausatmen an seine Mitmenschen weitergibt. Noch undurchschaubarer wird dies duch nachfüllbare Kartuschen – beinahe alles kann damit verdampft und inhaliert werden. Das Bundesamt empfiehlt deshalb zum Schutz von Unbeteiligten die E-Zigarette in Nichtraucherbereichen wie eine „normale“ Zigarette, also eine Tabakzigarette, zu behandeln. Der Präsident Prof. Dr. Dr. Andreas Hensel sagt: „So können E-Zigaretten Passivraucher nicht gesundheitlich beeinträchtigen.“

Grund zu Sorge geben den Mitarbeitern des BfR dabei die Inhaltsstoffe der Liquids. Neben dem Verneblungsmittel Propylenglycol und Nikotin geben unterschiedliche Chemikalienzusätze, pharmakologische Inhaltsstoffe und Duftstoffe sowie Aromen aber auch Verunreinigungen Anlass zur Sorge. Es gibt in der einschlägigen Fachliteratur Hinweise darauf, dass bestimmte Fabrikate auch krebserzeugende Aldehyde freisetzen könnten. Deshalb empfiehlt das BfR eine Risikoeinschätzung wie bei Tabakprodukten und auch einen ebenso sensiblen Umgang – besonders bei Kindern, Schwangeren und krankheitsbeding vorgeschädigten Personen; sowohl bei aktiven Rauchern als auch bei passiv dem ausgeatmeten Nebel ausgesetzten Menschen.

Quellen: http://www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2012/17/e_zigaretten_koennen_auch_zu_gesundheitlichen_gefahren_fuer_passivraucher_fuehren-129587.html, http://www.bfr.bund.de/cm/343/liquids-von-e-zigaretten-koennen-die-gesundheit-beeintraechtigen.pdf

Jun
01

NRW: Land darf nicht vor E-Zigaretten warnen

Trotz fachlicher Einstufung von Lungenfachärzten  der Inhaltsstoffe der sogenannten e-Zigaretten als zumindest bedenklich darf das Land Nordrhein-Westfalen bzw. dessen Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) nicht mehr vor elektronischen Zigaretten warnen. Das OVG (Oberverwaltungsgericht) in Münster untersagte die Einordnung des Landesministeriums als Medizinprodukt oder Arzneimittel – wie wir berichteten ordnete die Ministerin die Kartuschen von nikotinhaltigen Liquids als Medizinprodukt oder Arzneimittel ein, weil die Dosis an Nikotin in den zu verdampfenden Flüssigkeiten sehr hoch sind, und warnet vor dem Konsum weil sie nicht zugelassen seien.

Die Richter befanden in einem nicht anzufechtenden Beschluss, dass nikotinhaltige Liquids nicht die gesetzlichen Grundlagen zur Einstufung als Arzneimittel hätten: sie dienen keinem therapeutischen oder präventivem Zweck und die Entwöhnung von einer Nikotinsucht stehe beim Konsum nicht im Vordergrund. Die Pressemeldung des Ministeriums, die im November 2011 u. a. an alle Apotheken im Bereich der Apothekerkammer Nordrhein ging, würde laut Urteil wie ein „Verbot“ wirken.

Nun bleibt es wieder jedem einzelnen Raucher überlassen, die Risiken des Wechsels auf die E-Dampfer einzuschätzen. Die Gründe für einen Umstieg scheinen verlockend und verharmlosen unseres achtens die zum größten Teil noch nicht erforschten Risiken. Deshalb sollten vor der Verkaufsfreigabe zum Verbraucherschutz zumindest von nikotinhaltigen Liquids eingeschränkt oder aufgehoben werden. Nikotin ist ein hochwirksames Nervengift dessen tödliche Dosis (LD50, also die Quote, bei der 50% der Lebewesen sterben, die dieser Dosis ausgesetzt werden) für den Menschen mit einem Milligramm pro kg Körpergewicht angegeben wird.

Daneben befürchten Forscher vor allem beim Hauptbestandteil und Lösungsmittel Propylenglycol ein nicht zu unterschätzendes Risiko für Menschen – nicht in seiner Verwendung bei normalen Temperaturen aber sowohl als Zusatzstoff zu Zigaretten als auch als Liquid; bei beiden wird die Temperatur hoch erhitzt und dann inhaliert.

Quelle: http://www.justiz.nrw.de/Mitteilungen/pe_ovg_23_04/index.php; http://www.e-zigarette-test.de/index.php/e-zigarette-gefahren-risiken.html

Apr
23