Nie wieder Tabak

Die Felix-Burda-Stiftung wirbt in einem neuen TV-Werbespot für mehr Darmkrebs-Vorsorge. Darmkrebs ist, wenn er im Frühstadion erkannt wird, mit guten Chancen heilbar. Dennoch sterben in Deutschland nach Angaben der Stiftung ca. 26.000 Menschen (d. h. 9.300 am Tag) an Darmkrebs; und nach neueren Forschungsergebnissen ist Darmkrebs häuft mit verursacht durch die veränderte Bakterienlandschaft in Mund und Darm durch Rauchen.

„Bei bestimmten Darmkrebs-Arten und bei Morbus Crohn wird vermutet, dass sie dadurch mit verursacht werden, dass die Zusammensetzung der Bakterien im Darm anders ist als bei gesunden Menschen.“ Anna Beerlink, DRadio Wissen

Quellen: http://dradiowissen.de/beitrag/rauchen-mehr-bakterien-im-rauchermund, http://www.felix-burda-stiftung.de/node/60

Apr
05

YOU DIE

Die neue Werbung von Philip Morris für die Marke Marlboro wartet mit völlig tabak-unrelevanten Halbsätzen und Sprüchen auf. Sie setzt die Kampagne MayBe fort. Die doofen, pseudo-weltmännisch-englischen Sprüche sind schon kaum mehr zu überbieten (s.ä.w. „Is up the only way?“). Aber wenn man auf die Plakate starrt, enthüllt sich einem scheinbar mühelos ein mir einleuchtender Zweck: Jeden der sich die Mühe macht darüber zu informieren, dass Rauchen tödlich bleibt:

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Mrz
14

Peter Lustig ist gestorben

Peter Lustig ist der Inbegriff für gutes Kinderfernsehn („Löwenzahn“) für eine ganze Generation. Doch diese Generation weiß kaum etwas über die Krankheitsgeschichte des Mannes, der so schön „abschalten“ sagen konnte und mit ruhiger Stimme und in blauer Latzhose Versuche erklärte, die Kinderherzen jauchzen lassen.

Lustig war lange Jahre Raucher, nach eigenen Angaben auch noch mehr als fünfzehn Jahre nach der Diagnose Lungenkrebs. Bereits 1984 wurde ihm der rechte Lungenflügel entfernt; insgesamt wurde er sieben Mal operiert. Trotz allem rauchte er bis in die 2000er Jahre weiter – bis es ihm „nicht mehr schmeckte“.

Zuletzt engagierte er sich u. a. zusammen mit einem Onkologen und in der Aktion „Selbsthilfe beim Lungenkrebs“.

Feb
26

Neue Regeln für Tabakverpackungen kommen in Sicht

Laut den EU-Verträgen gelten auch in Deutschland die schon 2014 beschlossenen Richtlinien für Tabakprodukte ab spätestens 20. Mai 2016. Dass Deutschland die Regulierung von Tabak aber gerne schleifen lässt, kann man an vielen Beispiele ablesen. Noch immer sind Kino- und großflächige Plakatwerbung in der Bundesrepublik zugelassen und die omnipräsenten Verkaufsautomaten sind ein enormes Ärgernis für jeden, der Zigaretten und den Tod durch sie bekämpft.

Nur hat der Bundestag die Umsetzung der EU-Tabakrichtlinie in seiner speziell für Deutschland geltenden Form ausgehandelt und beschlossen. Naturgemäß müssen nun die einen weinen, vielen ist es schlicht „Wurst“ und einige mahnen, es wäre nicht genug. Die Deutsche Tabakwirtschaft wird beispielsweise mit den tränenerstickten Worten zitiert: „Heute ist ein rabenschwarzer Tag für die deutsche Tabakwirtschaft. Das neue Gesetz wird zu erheblichen Marktverzerrungen und zum Verlust von vielen Arbeitsplätzen bei einigen deutschen Herstellern führen“ (Jan Mücke, Geschäftsführer des Deutschen Zigarettenverbandes). Das ist eher unwahrscheinlich. Vielmehr wird es zu einem Anstieg der Beschäftigung in der Verpackungsindustrie führen. Und dazu, dass die Markenvielfalt eingeschränkt wird. Die großen Konzern räumen auf, beenden die Herstellung von Randmarken und konzentrieren sich darauf, ihre Premiummarken zu vertreiben – gegen jeden politischen Gegenwind. Die Anzahl der verkauften Zigaretten wird es wohl kaum senken.

Neben den warnenden, großflächigen Bildern, die künftig die Oberfläche der Schachteln und Verpackungen zieren, gibt es einige weitere Änderungen. Einige Aromen müssen aus den Produkten verschwinden, irreführende Elemente dürfen dann nicht mehr verwendet werden (warum durften sie es bisher?) und im Eigeninteresse der Hersteller tragen die Verpackungen künftig „fälschungssichere“ Merkmale, die zu weniger Schmuggel führen sollen. Nebenbei werden auch E-Zigaretten und andere sog. Verdampfer nun in die Richtlinie aufgenommen, die Werbung für diese (teilweise?) verboten wird.

Insgesamt kann man sagen, die Tabak-Lobby war lange erfolgreich im Aufschieben und in der Vermeidung der Regulierung, und ist es auch jetzt wieder. Vermutlich mit Volldampf laufen die Produktionsmaschinen, denn was vor dem Stichtag produziert wurde, darf auch noch ohne die neuen Warnhinweise verkauft werden. Menthol darf noch einige Zeit länger zugesetzt werden als andere Aromen, Gratiszigaretten werden nicht verboten und die Außenwerbung wurde ganz aus den einst ambitionierten Plänen von Minister Christian Schmidt und der Drogenbeauftragten Marlene Mortler gestrichen. Nicht zuletzt auf Bestrebungen des Wirtschaftsministeriums.

An der medialen Wiedergabe stört mich vor allem, dass immer und immer wieder von Schockbildern gesprochen wird. Diese negative Konnotation dieses Wortes zeigt die Ablehnung gegen jede Regulierung. Und statt Nägel mit Köpfen zu fordern, endgültig die perfide Zigaretten-Werbung zu konterkarieren und das wichtige und richtige Plain-Packaging einzuführen wird wieder nur auf Sparflamme gekocht, die Medien kauen wieder, was die Industrie Ihnen mit ihren ewigen „Arbeitsplatz vor (Volks-)Gesundheit“-Platitüden vor die Füße kotzt und die jährlich ca. 120.000 toten Deutschen werden zugunsten von „zehntausenden“ Arbeitsplätzen links liegen gelassen.

Aber alles Reden hilft nichts. Handeln zählt. Sprechen Sie deshalb weiter mit allen Politikern Ihres Wahlkreises, schreiben Sie Briefe und Mails an den Bundestag, wehren Sie sich – und sei es indem Sie auf rauchfreie Zonen hinweisen, wo diese verletzt werden.

Feb
26

Pfandsystem für Zigarettenstummel

Einen interessanten Ansatz verfolgt das Projekt http://www.penny-for-butt.de/ von Helmut Pieper. In diesem Projekt, das aktuell über ein Mikroinvestmentprojekt finanziert werden könnte, soll ein Pfandsystem für Zigarettenstummel eingeführt werden – es ist technisch sehr anspruchsvoll und könnte Raucher dazu animieren die 4,5 Billionen pro Jahr gerauchten Zigaretten künftig nach Gebrauch nicht einfach in die Natur zu werfen sondern in einer kleinen Box zu sammeln und hinterher Geld für diese zu erhalten.

Funktionieren kann ein solches System aber nur, wenn es:

  • einen gesellschaftlichen Druck auf die Raucher gibt, weil die Folgen für Mitmenschen, Natur und Umwelt bekannt sind und auch wahrgenommen und kommuniziert werden
  • oder ein politischer Wille dies als Zwang einführt und der Kostendruck hoch ist (sprich ein hohes Pfand für die Filter erhoben wird)

Aktuell kann ich keine der beiden Voraussetzungen erkennen, es fehlt selbst der Wille zum endgültigen Verbot von Werbung für das tödlichste frei verkäufliche Produkt. Und schlichtweg wäre es besser, das Rauchen zu reglementieren und weniger Kippen zu erzeugen, als diese hinterher auf- oder zumindest zu sammeln.

Trotzdem ist das Projekt ein richtiger Schritt – es zeigt, dass kluge Menschen sich damit beschäftigen, dass Zigarettenstummel ein Problem sind und nach Lösungen suchen. Das geht in Richtung meines oben angedachten Systemwandels in den Köpfen und damit zu einem höheren sozialen Druck auf den einzelnen, seine Kippen ordentlich zu entsorgen und nicht einfach in den Rinnstein zu werfen. Wie gefährlich Zigarettenstummel sind, haben wir hier schon ausführlich augezeigt: Zigarettenfilter sind Umweltverschmutzung

Feb
26

Gedenken an Altbundeskanzler Helmut Schmidt

Helmut Schmidt ist tot. Die Nachberichterstattung läuft in vollem Gang. Und was bleibt, sind zwei Gedanken:

  • hervorragende, analytisch glänzende Politiker-Legende (sowohl als Hamburger Innenminister als auch als Bundeskanzler)
  • Kettenraucher (Menthol-Zigaretten), für den Nichtraucherschutz wegen seiner imposanten Persönlichkeit nicht zu gelten hatten

Wünschen wir ihm und uns, dass er künftig nur noch als Politiker und Mensch war genommen wird und der „kalte Rauch“ sich verzieht. Zu bedauern wäre, wenn er künftig (nur noch) als Beispiel herhalten müsste, dass man auch als starker Raucher 96 Jahre alt werden kann. Und dies nicht nur, weil es statistisch schlicht und einfach extrem unwahrscheinlich ist.

Nov
11

Australien verordnet Gefangenen Entzug

Australien geht seit einigen Jahren mit großen Schritten in Sachen Tabakkontrolle voraus. Nun stellen sich die Australier einer weiteren Herausforderung: in den Gefängnissen soll das Rauchen abgeschafft werden. D. h. es gilt ein absolutes Rauchverbot bereits versuchsweise in einigen Gefängnissen, nun zieht der größte Bundesstaat nach und erlässt zum 10. August für alle Gefängnisse das Verbot für Zigaretten.

Rauchern werden verschiedene Angebote gemacht, von Entwöhnungskursen bis zu Nikotinpflastern – nur Zigaretten wird es am Knastkiosk nicht mehr geben. Das wird noch zu Konflikten führen, da nach Schätzungen 85% der Inhaftierten selbst Raucher sind. In Freiheit rauchen in Australien weniger als 18% der Menschen. Außerdem wird die Zigarette als Zahlungsmittel bzw. als Tauschobjekt für Dienstleistungen und Waren eingesetzt.

In einem Gefängnis in Melbourne gab es in der Nacht auf den 1. Juli, an dem dort das Rauchverbot in Kraft treten sollte, 15 Stunden dauernde Ausschreitungen die erst durch massiven Polizeieinsatz beendet werden konnten.  Minister David Elliot meint zum Verbot von Zigaretten und E-Zigaretten in Gefängnissen: „Wenn Du rauchen willst, begehe kein Verbrechen, dann kommst Du auch nicht ins Gefängnis.“

Q: Luxemburger Wort

Jul
27

Zigarettenfilter? Die verrotten doch …

Nein, das tun sie eben nicht. Wikipedia kennzeichnet sie sogar als die größte Menge an achtlos weggeworfenem Müll und leider nur in der englischen Ausgabe lassen sich ausführliche Betrachtungen zum Problem „Kippe“ finden. So gibt es dort Hinweise auf Untersuchungen, nach denen eine Zigarettenkippe für vier Tage in einem Liter Frischwasser eingeweicht sowohl die sogenannten „Neuweltlichen Ährenfische“ als auch (Dickkopf-)Elritzen tötet; beide Fischarten werden zu Untersuchungen für Wasserqualität eingesetzt. Die gefilterten und dann gelösten Gifte gefährden also Wassertiere.

Auf Spielplätzen gefährden Zigarettenstummel kleine Kinder, die Dinge unbedacht in den Mund nehmen. Bei kleinen, leichten Kindern besteht akute Lebensgefahr durch das enthaltene Nikotin!

Weltweit werden jedes Jahr 5.600.000.000.000 (5,6 Billionen) Zigaretten produziert und größtenteils auch geraucht, geschätzt davon 4,5 Bio mit Filtern. Der größte Teil dieser Filter wird mit Zelluloseacetat-Fasern produziert. Bei der Umwandlung von Holzfasern (Zellulose) mit Acetaten wird eine effiziente Beständigkeit gegenüber Witterungseinflüssen erreicht. Deswegen kann aus Zelluloseacetat z. B. Stoff für Regenschirme, für Krawatten und andere Kunstseide-Kleidung hergestellt werden. Es wurde und wird für robuste Schraubendrehergriffe eingesetzt oder auch in LC-Displays. Nichts von den genannten Dingen verrottet, wenn man es in den Wald wirft – denn das ist der Sinn der Materialumwandlung. Warum aber glauben Menschen, dass Zigarettenfilter verrotten würden?

Um den Rauch in der Zigarette „hustenfreier“ zu machen und gleichzeitig die lästigen Tabakschnippsel aus dem Mund zu halten ist der Filter ideal – dadurch wird die Zigarette für mehr Menschen attraktiv. Und in den Zeiten aufkeimender Bedenken gegenüber Zigaretten und Ihrer Gefährlichkeit für Leib und Leben konnten die Konzerne die Zigarette und Ihren Rauch verharmlosen indem sie Wert auf das „gefiltert“ legten. Und auch wenn Teer und Feinstaub in geringen Maßen im Filter zurückbleiben gibt es keine wissenschaftlichen Belege, dass Filter das Rauchen nennenswert weniger gefährlich machen würde.

Und in den fünfziger Jahren war es sogar hochgefährlich Filterzigaretten der Marke KENT zu rauchen (aber auch irgendwie konsequent) – die Filter wurden eine Zeitlang aus dem Asbest Riebeckit (auch Krokydolitz) gefertigt.

Also bitte, liebe Raucher, werft Eure Zigarettenstumpen nicht einfach auf den Boden sondern entsorgt sie in Restmülltonnen – natürlich nachdem die Glut vollständig erloschen ist. Oder noch besser: nutzt heute die Chance ab sofort ein neuer Mensch zu sein – einer ohne Sucht!

Jul
24

Wer raucht am meisten?

Unabhängig davon, ob diese Betrachtung Sinn ergibt oder nicht, bin ich verschiedentlich auf (Pseudo-)Statistiken gestoßen, in welchem Land die meisten Menschen zum Rauchen verführt werden konnten / wie viele Zigaretten im Jahr durchschnittlich von jedem Erwachsenem geraucht werden usw.

Es hilft dem einzelnen nicht, diese Fakten hier aufzuzeigen, aber es könnte ein Hinweis auf den Zustand der Wirtschaft in den Ländern, den Status der aktuellen Tabakregulierung und die Macht der Werbung sein.

Gesamtmenge gerauchter Zigaretten

Wir beginnen mit „Top 10 Smoking Nations“ (die Bevölkerungsgröße ist keine relevante größe, nur wie viele Zigaretten in dem Land insgesammt konsumiert wurden):

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Quelle: Webforum

Jährlicher Zigarettenkonsum pro Kopf

Weiter geht es mit der Liste der Länder nach Zigaretten pro Kopf und Jahr (Stand 2007, als Weltkarte):

Quelle: Auf Wikipedia auch als Tabelle mit 185 Ländern einzusehen

Anteil der Raucher in der Bevölkerung

Und hier folgt noch die Liste des Anteils der Raucher in der Bevölkerung im Jahr 2011 in ausgewählten Ländern (zum Vergleich Turkmenistan kommt laut WHO im Jahr 2015 auf 8%):

Statistik: Anteil von Rauchern in der Bevölkerung in ausgewählten Ländern weltweit im Jahr 2011 | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Bitte beachten: ich habe keine der Quellen überprüft, ich zeige hier nur die unterschiedlichen Möglichkeiten auf, vorliegende statistische Daten so zu verwende, wie man es eben gerade braucht – egal ob man für oder gegen Tabak argumentieren möchte.

Categories: Allgemein
Jul
24

Italien und Turkmenistan zeigen Deutschland den Weg

Während in Deutschland Menschen die sich „Verbraucherschutzbeauftragte der CDU/CSU“ nennen, Briefe schreiben in denen Sie Zigaretten mit Schokolade vergleichen und damit mehr als verharmlosen, gehen Italien und Turkmenistan große Schritte in Richtung Schutz der Bürger vor den Folgen des omnipräsenten Tabakkonsums.

In Italien wird, wie zuletzt in Frankreich, an einem Gesetzentwurf gearbeitet, der das Rauchen im Auto verbieten soll, wenn Kinder oder Schwangere mitfahren. Wie schon bei der Einführung des Nichtraucherschutzes in der Gastronomie ist Italien nicht zimperlich bei den Strafen: diesmal werden Geldstrafen zwischen 1.000 und 4.000 € und wohl auch Führerschein-Entzug diskutiert. Desweiteren enthält der Entwurf den Aufdruck von abschreckenden Bildern auf die Schachteln (man muß sich immer vor Augen halten, dass die auf den Bildern gezeigten Motive Folgen des Tabakkonsum und mehr als wahrscheinlich auch für andere Raucher sind).

In der zentralasiatischen Republik Turkmenistan wird mit deutlich fragwürdigen Methoden geherrscht, das soll nicht verschwiegen oder verharmlost werden. Dennoch ist das Erreichte in Sachen Tabakkonsum mehr als vorzeigbar: nur acht Prozent der turkmenischen Bevölkerung seien Raucher und damit wäred das Land laut der Direktorin der WHO Margarete Chan weltweit das Land mit dem niedrigsten Anteil an Tabakabhängigen. Seit 1990 hätte der frühere Präsident Saparmurat Nijasow (Nyýazow) mit den verschiedensten Gesetzen und Initiativen die Quote von 27% etwa um zwei drittel gesenkt.

Quellen: stol.it, n-tv.de

Categories: Politik
Jul
22