Nie wieder Tabak

SWR berichtet

In einem kurzen Clip berichtet der Süd-West Rundfunkt über die aktuellen Bemühungen vieler Politiker und Verbraucherschützer über ein Verbot jugendgefährdender Tabakwerbung sowie über den Einfluss der Tabaklobby, die es versteht einzelne Meinungsmacher in der CDU-Fraktion zu vereinnahmen, um die allgegenwärtige Tabakwerbung, die sich in meinen Augen mehr oder weniger ausschließlich an junge Nichtraucher zwischen 10 und 30 Jahren richtet, weiterhin zu ermöglichen.

Categories: Tabakwerbung
Nov
02

Liste aller Zusatzstoffe in jeder Zigarette

Bild von Robert Fietzek / pixabay

Bild von Robert Fietzek / pixabay

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat eine 1.174 Seiten starke Liste veröffentlicht, die sämtliche Zusatzstoffe in den jeweiligen Zigaretten auflistet. Ziel bei der Erstellung dieser Liste war es, herauszufinden, welche der über 600 erlaubten Zusatzstoffe krebserregend oder suchtfördernd wirken. Denn die aktuelle Gesetzeslage basiert auf Verordnungen aus dem Jahr 1977. Dabei können aktuelle Forschungsergebnisse über die Gefährlichkeit der einzelnen Stoffe aber vor allem auch des Stoffgemischs, das der Rauch durch die Verbrennung des Chemie-Cocktails namens Zigarette ist, nicht berücksichtigt worden sein. Aber auch damals bereits bekannte Fakten über den Rauch mussten unberücksichtigt bleiben – die Verordnung geht nur von der Gefährlichkeit des einzelnen Stoffes im Reinzustand, nicht aber nach der Verbrennung mit 600 bis 900 °C aus.

Durch die Verbrennung verändern sich Stoffe wie Zucker, Honig, Vanillin, Menthol, Soda, Harnstoff und Ammoniak. Sie wirken im Zusammenspiel mit dem pflanzeneignen Nervengift Nikotin und es ist unstrittig, dass das Ziel einer Zigarette immer sein wird, das Bedürfnis nach der nächsten Zigarette zu wecken. Die Nikotinabhängigkeit ist eine der stärksten und am schnellsten einsetzenden Abhängigkeiten überhaupt. Besonders wenn sie durch das Rauchen von Tabak ausgelöst wird. Dabei ist aber weniger der auf der Schachtel abgedruckte Wert des Nikotingehalts sondern der völlig unberücksichtigte und unveröffentlichte Wert des für den Körper verfügbaren Nikotins relevant. Denn Nikotin, dass gebunden ist und vom Körper nicht aufgenommen werden kann, ist weit weniger schädlich als solches, das durch Zusatzstoffe „aufgeschlossen“ wird und dann suchtverstärkend wirkt.

Damit neue Raucher überhaupt an das Produkt gewöhnt und gebunden werden, setzen viele Herstelle besonders auf Menthol, dass kühlend und schmerzlindernd wirkt. Dadurch kann der Rauch ohne Husten und Krächzen tief inhaliert werden und das Nikotin über die Lunge in den Körper gelangen. Je mehr Rauch und je tiefer dieser inhaliert wird desto mehr Nikotin kann im Körper seine suchtauslösende Wirkung ausüben. Daneben locken Zusatzstoffe wie Kakao, Honig und unzählige Aromen Jugendliche durch die Assoziation mit Süßigkeiten und täuschen so eine Ungefährlichkeit vor. Die Verbraucherschutzministerin von 1995 Renate Künast, auf deren Initiative diese Liste oder Datenbank erstellt wurde, sagte der BamS: „Das ist wie bei Alcopops: Jugendliche würde harter Stoff niemals schmecken – sie finden das Zeug nur genießbar, weil es pappsüß ist.“

Wenn Sie Interesse haben zu erfahren welche Zusatzstoffe dem Tabak einer bestimmten Zigarettenmarke beigemengt werden, können Sie hier recherchieren: Service.BMEL

Weitere Informationen z. B. unter STERN und Wikipedia

 

Nov
02

Tabakwerbeparadies Schweiz

Warum brauchen wir in Deutschland mehr Tabakwerbekontrolle? Sprich, warum brauchen wir endlich ein Verbot von Tabak(außen)werbung? Die Antwort ist einfach: weil Tabakkonzerne alles tun, die Grauzonen zu testen, zu beschreiten und zu überschreiten um an neue Konsumenten zu gelangen.

Sehr eindringlich beschreibt dies auf watson.ch die Redakteurin Raphaela Roth in neun Punkten. Kaum vorstellbar, welche perfiden Methoden sie beschreibt, und welche Summen sie nennt, dafür, dass neue Raucher oder Dampfer für den Konzern Philip Morris als „Community Activators“ tätig werden. Für zwanzig neue Abhängige von Marlboros neuem Tabakerhitzer und Zigarettenersatz IQOS werden bis zu 5.000 Franken zzgl. 1.500 Franken Spesen pro Monat gezahlt, schreibt Roth.

Wie ist das möglich? Natürlich nur, weil diese Summe ein Bruchteil dessen ist, was PM sich langfristig von den neuen Konsumenten – oder besser: Süchtigen – erhofft. Nein, Hoffnung ist bei diesem Geschäft ja eigentlich keine enthalten. Hier geht es knallhart um Geld; eine Hoffnung auf Abkehr von der Gier auch über Leichen hinweg ist nicht in Sicht. Egal, ob der Tod in einer Schachtel mit einem rot-weißen Winkel oder mit einem Dampf-Inhalator, verpackt in an Appel-Design erinnernden Kolibri-Druck-Karton, daherkommt. Tod bleibt Tod.

Categories: Tabakwerbung
Okt
13

Endlich tut mal jemand was …

… aber er macht sich erwartungsgemäß nicht sofort Freunde. Der französische YouTube-Star und Komiker Remi Gaillard hat in einem seiner Sketche das Rauchen für sich entdeckt. Bzw. hat er Raucher endeckt und beendet deren Tabakkonsum als Feuerwehrmann verkleidet jäh.

 

Sep
16

Neues Plakat – Verbotsantrag gegen Camel-Werbung

Wie in  http://nie-wieder-tabak.de/2016/07/unsaegliche-verf…r-junge-menschen/ berichtet habe ich bereits vor einigen Wochen Beschwerde beim Deutschen Werberat eingelegt. Der Werberat hat auf meine Beschwerde mit folgenden Worten geantwortet:

„Der Deutsche Werberat die selbstdisziplinäre Einrichtung der deutschen Werbewirtschaft sieht seine Aufgabe hauptsächlich darin, gegenüber dem Verbraucher unzuträglichen, d.h. gegen die herrschenden gesellschaftlichen Grundüberzeugungen verstoßenden werblichen Maßnahmen Einhalt zu gebieten. Hierbei wird der Deutsche Werberat nicht rechtsverfolgend tätig. Rechtsverstöße können von diesem Gremium daher nicht verfolgt werden.“

Dieser eindeutige Hinweis und das neue Plakat, das in den vergangenen Tagen auf den mittelfränkischen Werbestellen aufgetaucht ist, hat mich heute dazu veranlasst bei der Ordnungsbehörde der Stadt Köln diesen Verstoß anzuzeigen und ein unverzügliches Verbot für die Kampagne zu fordern.

Jugendgefährdende Werbung von Camel

 

 

Sep
13

Jesse Owens

Der amerikanische Spitzensportler, der bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin alle hinter sich ließ und als 23-jähriger in einer Woche (die danach auch „Owens‘ Woche“ genannt wird) diverse Olympische und Weltrekorde aufstellte, starb 1980 nach mehr als 35 Jahren als Kettenraucher mit nur 66 Jahren an Lungenkrebs.

Owens sportliche Karriere war nach seiner Rückkehr bald beendet; Sportler waren damals noch keine gut bezahlten Werbeikonen, und so fristete er herbe Jahre als Jahrmarkt-Attraktion, verlor viel Geld, das er als Jazz-Dirigent verdient hatte, an der Börse und gründete schließlich eine PR-Agentur.

 

Q: Deutschlandfunk

Jul
29

Reemtsma hofft auf rauchende junge Männer aus anderen Ländern

In einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt macht Reemtsma indirekt Werbung für sich und seine Produkte und der Redakteur / Autor Martin Kopp gibt dafür alles. Er stellt Fragen, die wie Steilvorlagen wirken und gibt unreflektiert Raum für das Gesülze eines Tabak-Konzern-Vorstandssprechers. Besonders perfide ist die Einleitung. Der Blick aus dem Büro von Michael Kaib (58 … wofür ist das relevant?) auf das angrenzende Flüchtlingslager störe den gut bezahlten Manager nicht (Wie großzügig, Menschen in Not zu sehen stört ihn nicht! Toll.) denn „Flüchtlinge sind für Reemtsma wichtige Kunden“.

Unumwunden gibt Kaib zu, dass die Tabakindustrie bis zum 20. Mai 2016 große Mengen an Zigaretten produzierte um möglichst lang die Warnhinweis-Bilder vermeiden zu können: „Deswegen spüren wir die Auswirkungen jetzt noch nicht. Die neuen Packungen kommen jetzt erst nach und nach in den Läden an.“ Und er hofft, dass sowohl die gute Lage am Arbeitsmarkt in Deutschland als auch die vielen Flüchtlinge helfen, eine eventuelle Umsatzdelle in Deutschland zu verhindern. Vor allem dank der vielen jungen und männlichen Ausländer: „der größte Teil sind junge, männliche Flüchtlinge, und da ist der Tabakkonsum stärker verbreitet […] Die Zahl der Konsumenten wächst aufgrund der Migration – und der Markt ist demzufolge stabil.“

Dir Angst vor dem Aus für die Tabakwerbung

Angst hat der Reemtsma-Sprecher auch; ein bißchen. Und zwar vor einer möglichen Einschränkung der Tabakwerbung. Aber nicht, dass der Absatz wegbricht sondern dass die vermutlich horrenden Margen für seine tödlichen Tabakprodukte ruiniert werrden: „Wenn die Werbung als Instrument zur Marktbeeinflussung und zur Kommunikation mit unseren Konsumenten wegfällt, dann rückt natürlich der Preis als kaufentscheidender Faktor wieder in den Vordergrund.“ Fast wie zu Zeiten, als es den Deutschen die Lust am Rauchen aus Armut fast vergällt hätte … nein, das geht natürlich nicht.

Aber die Gefahr der Tabakwerberichtlinie ist in Wirklichkeit eine Gefahr für den Konsumenten. Jetzt steht nämlich nicht mehr drauf, wieviel Teer und Nikotin enthalten sind – und das ist für Kaib (der nur „gelegentlich“ raucht) ein Horror, wie soll man sich denn da für die „gesunde“ Zigarette entscheiden?! Mit Worten aus dem Interview: „Es wird zunehmend schockiert statt informiert, und dem Konsumenten fehlt am Ende jegliche Orientierung zum Produkt.“ Nein, jetzt sieht man drauf was passiert, wenn man raucht – egal wieviel Teer und Nikotin in der Zigarette enthalten sind. Man sieht, dass man schneller altert, schreckliche Krankheiten bekommt und schließlich grausam stirbt. So sehe ich das.

Und wieder eine Steilvorlage

„Kaib: Und der Gesetzgeber verschlimmert das noch.“ // „Abendblatt: Inwiefern?“ „Kaib: Na ja, die Große Koalition hat im Koalitionsvertrag festgelegt, dass sie die EU-Richtlinien eins zu eins umsetzen will. Sie geht aber darüber hinaus. Wir haben ja noch zwei weitere Regulierungsmaßnahmen vor uns. Einmal das sogenannte Änderungsgesetz, das zum ersten Mal die Tabakwerbung fast komplett verbieten würde. Und die Änderungsverordnung, welche die Zusatzstoffe, die wir unserem Tabak beimischen, noch über die EU-Richtlinie hinaus deutlich einschränken soll.“ Abendblatt: „Was sind das für Stoffe?“ Kaib: „Beispielsweise Koffein oder Extrakte der Kaffeebohne und Teepflanzen.“

Ja, genau. Nur lecker Kaffe & Tee. Sonst nix. Die Liste der Zusatzstoffe beginnt vermutlich eher bei Menthol, Zucker und vielen anderen, um das Rauchen auch für „Beginner“ einfacher zu machen.

Reemtsma ist der Gute

Und dann beginnt die größte Frechheit. Auf den eigenen Hinweis, dass die Konzerne zwar wüssten, wie mit rückwirkender Gültigkeit für den 20. Mai in Bezug auf diese Zusatzstoffe aussehen wird, es aber eben erst Ende 2016 verabschiedet werden kann wird er vom Abendblatt gefragt „Warum lassen Sie Zusatzstoffe nicht jetzt schon weg?“. Und der Reemtsma-Lobbyist antwortet mit den Worten: „Die Änderungsverordnung gibt es derzeit nur im Entwurf. Der Punkt ist eher, dass in Deutschland noch immer gilt: „Keine Strafe ohne Gesetz“. Ein rückwirkendes Gesetz ist einfach verfassungswidrig. Das ist ja gerade so, als wenn Sie auf der Autobahn Tempo 150 fahren. Ein paar Wochen später wird die Höchstgeschwindigkeit auf 100 gedrosselt, und Sie bekommen nachträglich einen Strafzettel. Das geht nicht.“

Aber wenn ich weiß, dass in Deutschland Autos nur noch 100 Fahren dürfen baue ich eben keine Autos mehr, die 150 Fahren dürfen. Keiner will Raucher bestrafen, die Zigaretten mit (dann illegalen) Zusatzstoffen rauchen.

Der Rest des Interviews ist eine einzige Lobhudelei auf das soziale Engagement von Reemtsma, dem Vorstandssprecher, dem Rücksichtsvollen Umgang der Nichtraucher mit den rauchenden Kollegen in der Tabakfirma und dem Platzieren des Markennamens der e-Zigarette von Imperial Tobacco, die in Deutschland erst dann eingeführt wird, wenn man richtig Geld damit verdienen kann.

Q: http://www.abendblatt.de/hamburg/article207937653/Reemtsma-Chef-Zahl-der-Raucher-waechst-durch-Migration.html

Categories: Tabakwerbung
Jul
25

Unsägliche Verführung für junge Menschen

In der aktuellen Werbekampagne für die Zigarettenmarke Camel zeigt Japan International Tobacco (JTI) junge Menschen mit und ohne Zigarette und schreibt auf die Plakate: „DO YOUR THING“. Dabei hat die Werbeagentur oder der Werbetreibende (also JTI) bewußt junge Menschen ausgewählt um die Zielgruppe der Werbung zu beeinflussen. Die Zielgruppe können hier, wie bei der bereits untersagten Kampagne des Mitbewerbers im Zigarettenmarkt Marlboro „MAYBE“ von Philip Morris, nicht 50-jährige Männer mit 20 Jahren Nikotinabhängigkeit und Raucher einer X-beliebigen Marke sein, die aufgefordert werden die bevorzugte Marke zu wechseln. Die Bindung bestehender Tabakraucher von Camel-Zigaretten kann mit dieser Kampagne ebenfalls nicht gerechtfertigt werden.

Eindeutig richten sich die Plakate an junge Menschen, deshalb auch die Nutzung von jungen Models (das weißblonde Mädchen wirklich wie unter 20 Jahren). Ich habe eben gegen diese Kampagne vor dem Deutschen Werberat und bei der Deutschen Drogenschutzbeauftragten MdB Marlene Mortler (CSU) auch mit Hinweis auf die selbstverpflichtenden Richtlinien des Deutschen Zigarettenverbandes (https://www.zigarettenverband.de/pos-data/page_img/Themen/Werbung/DZV_Werbekodex.pdf, Zeile 43f) Beschwerde eingelegt.

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Jul
25

Darmkrebs

Die Felix-Burda-Stiftung wirbt in einem neuen TV-Werbespot für mehr Darmkrebs-Vorsorge. Darmkrebs ist, wenn er im Frühstadion erkannt wird, mit guten Chancen heilbar. Dennoch sterben in Deutschland nach Angaben der Stiftung ca. 26.000 Menschen im Jahr (d. h. ~72 Tote am Tag) an Darmkrebs; und nach neueren Forschungsergebnissen ist Darmkrebs häuft mit verursacht durch die veränderte Bakterienlandschaft in Mund und Darm durch Rauchen.

„Bei bestimmten Darmkrebs-Arten und bei Morbus Crohn wird vermutet, dass sie dadurch mit verursacht werden, dass die Zusammensetzung der Bakterien im Darm anders ist als bei gesunden Menschen.“ Anna Beerlink, DRadio Wissen

Quellen: http://dradiowissen.de/beitrag/rauchen-mehr-bakterien-im-rauchermund, http://www.felix-burda-stiftung.de/node/60

Apr
05

YOU DIE

Die neue Werbung von Philip Morris für die Marke Marlboro wartet mit völlig tabak-unrelevanten Halbsätzen und Sprüchen auf. Sie setzt die Kampagne MayBe fort. Die doofen, pseudo-weltmännisch-englischen Sprüche sind schon kaum mehr zu überbieten (s.ä.w. „Is up the only way?“). Aber wenn man auf die Plakate starrt, enthüllt sich einem scheinbar mühelos ein mir einleuchtender Zweck: Jeden der sich die Mühe macht darüber zu informieren, dass Rauchen tödlich bleibt:

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Mrz
14