Unverständnis bei (fast) allen

Wie tief verwurzelt die Tabaklobby in den „großen“ Parteien CDU, CSU und SPD und der mehr oder weniger verschwundenen Lobbypartei FDP ist, darüber haben wir schon mehrfach spekuliert. Dass aber kaum mehr jemand bereit ist, dies hinzunehmen, zeigt auch die ARD.

„Wir sind die einzigen!“ betitelt sie ein Video vom 12.09.2019 – das sagt eigentlich schon alles. Isoliert von allen anderen demokratischen Ländern in Europa steht ganz Deutschland noch immer ratlos vor werbebepflasterten Bushäuschen und dem öffentlich-rechlichen Sender fällt nichts mehr ein. Außer auf die Einnahmen aus der Beteiligung der Kommunen an den Werbeeinnahmen durch die Tabakindustrie zu verweisen.

Nachdem sich im Sommer 2019 sogar die Kanzlerin erst vage geäußert hat („Ich persönlich glaube, dass wir hier handeln sollten.“) und dann persönlich und konkreter wurde: „Wenn’s nach mir geht sollten wir […] die Werbung für Tabakprodukte verbieten.“ hatten viele (auch ich) schon gehofft, dass es voran geht. Leider ist aber der (monetäre?) Einfluss der Politikberater auf bestimmte Abgeordnete so groß (vgl. Volker Kauder), dass die normal denkenden und gesundheitspolitisch agierenden Mitglieder innerhalb der (vor allem) CDU sich nicht gegen die beeinflussten MdB durchsetzen können.

Link zur Website der ARD mit dem Video zur Sendung "Live nach Neun"

Es scheint so als versuchten die Konzerne so lange wie möglich den Status Quo aufrecht zu erhalten, um so viele Neu-Raucher „mitzunehmen“, wie es ihnen möglich ist. Und natürlich geht es um vermeintlich gesündere Alternativen wie e-Zigaretten, Verdampfer, Vernebler, Vaporisatoren und Tabakerhitzer … die, ginge es nach der Industrie, überhaupt nicht in der Bewerbung eingeschränkt werden dürften – es ginge hier ja um den vermeintlichen Ausstieg aus der Sucht (und nicht etwa um den Einstieg von Jugendlichen in eine lebenslange Abhändigkeit).

Realistisch gesprochen muss man davon ausgehen, dass erst mit der Abwahl der CDU Bewegung in die Sache kommen kann. Gehen Sie also wählen. Weder bei der ÖdP noch bei Grünen oder Linken ist von einer derartigen, gesamtgesellschaflich schädlichen finanziellen Beeinflussung auszugehen.

Q: https://www.daserste.de/information/ratgeber-service/live-nach-neun/videos/tabakwerbung-video-100.html

Categories: Tabakwerbung
Sep
18

Erste Krankheits- und Todesfälle durch E-Zigaretten

Kaum erforscht, riskant und umweltbelastend. Na, solche Produkte können auf dem regulierten EU-Markt nicht eingeführt werden. Oder? Bei neuartigen Tabakprodukten und E-Zigaretten ist dies gelungen, sei es weil der Milliardenmarkt noch Chancen bietet oder weil es als gesündere Alternative zum Rauchen von echtem Tabak erscheint.

In den USA sind Produkte wie JUUL aber besonders bei Jugendlichen nicht das Aus- sondern das Einstiegsprodukt in eine Abhängigkeit, vor der sie sich sicher wähnten. Bis zu 20% der US-amerikanischen Jugendlichen „dampfen“ mindestens einmal im Monat. Auch, weil die E-Zigaretten mit Armoastoffen gerade auf die junge, weibliche Zielgruppe ausgerichtet sind: Apfel, Pink-Grapefruit und sogar Latte-Macciato sind nur einige der angebotenen Fluids.

Dabei enthalten diese verdampften oder vernebelten Flüssigkeiten vor allem Chemikalien wie Propylenglycol, Nikotin, Veetalglycerin aber natürlich auch die Aromen selbst (nicht selten werden in asiatischen Produkten aber auch Schwermetalle und andere Stoffe gefunden, die dort sicherlich nicht hineingehören). Nicht oder nur sehr wenig ist über den Einfluss dieser Substanzen bekannt, am wenigsten wie sie als Chemiecocktail nach der Erhitzung vom Körper resorbiert werden und welchen Einfluss sie auf mögliche Zellschädigung haben.

In den Medien sind in den letzten Tagen vermehrt Berichte über Explosionen von E-Zigaretten aber auch über erste Folgeerkrankungen (ca. 200 Erkrankungen in den USA) und sogar Todesfälle erschienen, die bisherige Vermutungen über das Gefährdungspotential mindestens bestätigen.

Man kann nur jedem Raten, weder Zigaretten noch E-Zigaretten oder Tabakerhitzer auszuprobieren oder weiter zu konsumieren. Ach ja, und die Politik endlich aus der Verstrickung mit der Lobby heraus holen und möglichst diesen ganzen gesundheitsschädlichen, nutzlosen und teuren Quatsch verbieten. Sprechen Sie mit Ihrem Landtagsvertreter, Ihrem Bundestagsabgeordneten oder Ihrer Europaparlamentarierin – je öfter das gefordert wird, desto eher und drastischer wird sich etwas ändern!

Q: Stern, Focus, RT.com

Categories: Allgemein
Sep
09

Psychologie, Rauchstopp und Politik

Dass Zigarettenrauchen als „normal“ anerkannt und als „Genuß“ verklärt wird ist heute – vergleicht man die Situation mit Fernsehbildern der vergangenen Jahrzehnte – zum Glück schon längst nicht mehr Fakt.

In der Medizin sieht man Tabakrauchen auch ganz sachlich als Nikotinmissbrauch, als Sucht. Durch dein Einfluss der finanzstarken Tabaklobby ist es aber noch immer nicht soweit, dass in Deutschland Rauchen im öffentlichen Raum oder in geschlossenen, öffentlich zugänglichen Räumen verboten wäre. Noch nicht mal ein umfassendes Tabakwerbeverbot kann gegen die mächtigen Tabaklobbyisten innerhalb der CDU durchgesetzt werden – obwohl inzwischen selbst die FDP eingesehen zu haben scheint, dass Rauchen den Staat und die Gesellschaft viel mehr kostet als es an Steuereinnahmen, gesellschaftliche Einkommen usw. einbringt.

Wie massiv die psychischen und physischen Einflüsse des Konsums von Zigaretten auf das Leben eines Rauchers sind, wird häufig bis heute unterschätzt. Gerauchtes Nikotin ist einer der am stärksten abhängig machenden Stoffen. Selbst Raucher reden sich ein, sie können „jederzeit aufhören“ – die Statistik zeigt anderes: noch nicht mal einem Drittel, derer die einen Rauchverzicht beginnen, schaffen den Ausstieg. Das Ausmaß der Abhängigkeit wird oft erst erkannt, wenn bereits körperliche Symptome der angerichteten Schädigungen sichtbar werden.

Raucher erklären oft, dass sie Entspannung durch die Zigarette (heute häufig auch E-Zigarette oder Verdampfer) verspüren würden. Es zeigt sich in Untersuchungen jedoch, dass sie lediglich die Entzugserscheinungen dämpfen und noch nicht mal auf das Stress-Level eines Nichtrauchers kommen. Leider ist Rauchen noch immer sozial akzeptiert (wer würde es denn tolerieren, wenn ein Kollege um 10 Uhr morgens sagt: „Ich gehe nur mal schnell vor die Tür, ein Bier trinken.“?), es gibt kaum soziale Einschränkungen oder gesellschaftliche Missbilligung.

Der Raucher selbst ist aber nicht der Böse, selbst wenn er Nichtraucher und vor allem sich selbst gefährdet. Er ist in dem großen Spiel ums Geld nur einer der Verlierer. Und Verlierer gibt es im Geschäft mit dem Tabak viele:

  • Tabakbauern in den ärmsten Regionen der Welt und ihre Kinder
  • die Umwelt, durch den Raubbau und den Einsatz von Herbiziden und Pestiziden sowie auf Mineralöl basierenden Kunstdünger
  • Raucher
  • Nichtraucher
  • die Umwelt (schon wieder), durch die Produktion von Celluloseacetat und die unmöglich sach- und fachgerecht zu leistende Entsorgung Filtern, die nach dem Rauchen Unmengen an Schadstoffen enthalten und selbst aus biologisch unverträglichem Kunststoff bestehen
  • die Gesellschaft – durch Arbeitsausfall, Krankheit, Frühverrentung und frühen Tod entstehen menschliches Leid und Unsummen an Folgekosten für Kranken- und Rentenkassen

Einzige Gewinner sind die Aktionäre und Eigentümer der wenigen multinationalen Tabakkonzerne. Ist das nicht traurig? Muss man da nicht was dagegen tun? Und was wäre dies? Na, da hätten wir schon ein paar gute Ideen (die nicht unsere sind, die uns aber alle überzeugen):

  • ein sofortiges und umfassendes Tabakwerbeverbot, das auch für neuartige Produkte wie Tabakerhitzer, Vaporisatoren und Verdampfer umfasst, auch am Verkaufsort (Point-of-Sale, POS) muss eingeführt werden
  • der Verkauf von Zigaretten muss eingeschränkt werden – ein Verbot von Zigarettenautomaten (deren Oberfläche momentan ja auch gleichzeitig als Werbefläche fungiert) gefolgt von der Einschränkung auf spezialisierte Geschäfte (d. h. z. B. den Verbotsverkauf in Tankstellen) ist überfällig
  • Plain Packaging – die neutrale Verpackung aller Schachteln ohne Farbgestaltung oder Logo unterstützt Raucher beim Ausstieg durch Trennung der Markenbindung
  • parallel zu diesen Einschränkungen müssen Abhängige möglichst schnell bessere ärztliche Unterstützung beim Rauchstopp erfahren – psychologische Betreuung während eines Entzuges wird aktuell trotz Einstufung als Suchterkrankung noch nicht von den Krankenkassen in Deutschland übernommen
  • eine gesetzlich fortgeschriebene Erhöhung der Tabaksteuer in möglichst hohen Stufen fördert bei jeder Erhöhung den Ausstieg und durch den höheren Abgabepreis sinkt die Bereitschaft bei Kindern und Jugendlichen die Bereitschaft zu rauchen
  • Suchtprävention, die aktuell z. B. durch den Verein „Aufklärung gegen Tabak e. V.“ in Schulen statt findet, muss gesellschaftliche Aufgabe werden und fest in den Lehrplänen und der Lehrerausbildung verankert werden
  • ein Verbot der Einflussnahme durch Tabakkonzerne und -Interessenvertretern auf die Politik – durch Spenden, Sponsoring und Einladungen nehmen diese weitreichenden Einfluss auf Parteien, Politiker und damit auf die Erreichbarkeit der o. g. Ziele
Categories: Allgemein
Sep
09

Kurzer Blick rundum

In Deutschland gelingt es der Lobby die Regierungsparteien der CDU/CSU-Fraktion und wohl auch Teile der SPD so zu beeinflussen, dass seit Beginn der Kanzlerschaft von Dr. Angela Merkel kaum Fortschritte in der Tabakprävention zu verzeichnen sind. Und dies, obwohl die ehemalige Drogenbeauftragte Marlene Mortler und der Landwirtschaftsminister Christian Schmidt CSU-Politiker/in sind und beide zusammen auch ambitionierte Pläne für Tabakwerbeverbote (2014, 2016/17) hatten.

Heute wollen wir aber mal einen Blick auf die Nachbarländer werfen:

  • Alle EU-Mitgliedsstaaten – außer Deutschland – haben mittlerweile Gesetze eingeführt, welche die Tabakwerbung sowie Sponsoring deutlich umfassender verbieten als dies in der EU-Richtlinie 2003/33/EG zu Tabakwerbung im Internet, in Zeitungen und Zeitschriften geregelt ist.
  • Erwiesenermaßen sind starke Steuererhöhungen auf Tabakprodukte eines der wirksamsten Instrumente der Prävention, viele Länder erhöhen aber trotzdem stufenweise und langfristig geplant. In Frankreich findet diese Erhöhung in drei Schritten von 2017 bis 2020 statt und wird zuletzt den Preis pro 20er-Schachtel auf etwa 10 € heben. Im Vergleich: Zigaretten kosten in Deutschland ~7 €.
  • In vielen Ländern (außer, dank der rechtsnationalen FPÖ, in Österreich) herrscht ein absoluter Nichtraucherschutz in der Gastronomie – in Deutschland gibt es in vielen Bundesländern Ausnahmen für kleine Kneipen oder für Nebenzimmer
  • In Frankreich, Irland, Großbritannien, Norwegen, Slowenien (2020) und Ungarn (Ursprünglich Mai 2019 nun ab 2022) sind Zigaretten nur mehr in einheitlicher Verpackung („Einheitsverpackung“, Plain Packaging) ohne Design, individueller Farbgestaltung oder Logo abzugeben.
  • Schweden plant bis 2025 rauchfrei zu werden und verschärft hierfür das generelle Rauchverbot. Es wird ab 1. Juli verboten sein in Freiflächen (Biergarten, Terrassen usw.) von Gaststätten und unmittelbar vor Lokalen sowie auf Spielplätzen, auf Bahnsteigen und an Haltestellen zu rauchen oder zu „dampfen“; d. h. die neuen Regelungen gelten auch für E-Zigaretten und Tabakerhitzer.
  • Finnland möchte bis 2035 die Raucherquote bei 15- bis 64-jährigen auf unter zwei Prozent senken, und damit faktisch rauchfrei werden. Eine Regelung auf dem Weg dorthin wird sein, dass finnische Staatsbürger mindestens 24 Stunden im Ausland verbringen müssen, damit sie Tabakerzeugnisse oder sogenannte Liquids mit Nikotin importieren dürfen.

Damit sich in Deutschland etwas ändert muss sich scheinbar an den politischen Machtverhältnissen in Berlin etwas ändern, denn auch mit dem neuen Fraktionsvorsitzenden Brinkhaus scheint kein echter Wille zu mehr Jugend- und Nichtraucherschutz in die Köpfe der Unionspolitiker eingezogen zu sein. Und: Mahnungen der Tabakindustrie, Werbeverbote würden zu Entlassungen führen, können nicht direkt auf die verlorenen 1.050 Arbeitsplätzen durch „Reduzierung der Produktionskapazitäten“ von Philip Morris in Berlin zum 1. Januar 2020 angewandt werden – denn es gibt kein gesetzliches Werbeverbot. Noch nicht mal in ferner Sicht.

Categories: Politik,Prävention
Jul
02

Kanzlerin dafür, Lobby schreibt das Gesetz

Die engagierte MdB Dr. Kirsten Kappert-Gonther von der Partei Bündnis 90 / Die Grünen hat bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr versucht, nennenswerte Fortschritte für ein effektives Tabakwerbeverbot anzustoßen. Ihr Gesetzesentwurf zur Tabakwerbung ist im Bundestag mit den Stimmen von CDU, CSU und SPD abgelehnt worden – und vermutlich nicht nur, weil dieser sehr gute Entwurf von der Opposition kam.

Der Suchtforscher Professor Tobias Kotz spricht von einer vertanen Chance. Die Kanzlerin Dr. Angela Merkel spricht sich in der Regierungsbefragung durch Kappert-Gonther zwar klar für Ihre persönliche Ansicht aus („Ich persönlich glaube, dass wir hier handeln sollten […]“, „Wenn es nach mir geht, sollten wir die Werbung für Tabakprodukte verbieten.“), weißt aber auf die schwierige Meinungsbildung in der Unionsfraktion hin und kündigt deshalb verschwurbelt an: „Bis zum Jahresende werden wir eine Haltung dazu finden.“

Dies dürfte vor allem mit den Lobbyinteressen zusammenhängen und damit, dass Tabakverbände und – unternehmen durch massives Spenden und Sponsoring von Parteiveranstaltungen a) versuchen Zeit bis zur endgültigen, schärferen Regelung zu schinden und deshalb den Gesetzgebungsprozess offensichtlich behindern (vgl. Volker Kauder) und b) massiv an neuen Regelungen mitzuschreiben gedenken.

Zumindest lassen dies Einblicke in einen eigenen Entwurf aus Reihen der Unionsfraktion zur Neuregelung für die Bewerbung von Tabak und neuartigen tabakähnlichen Produkten vermuten. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet über Annäherungen in der Fraktion, die ein verbindliches Kompromisspapier bis spätestens nach der Sommerpause wahrscheinlich machen.

Dieses Papier sieht diverse Ausnahmen z. B. für E-Zigaretten vor und auch lange Übergangsfristen, bis Tabakwerbung im Außenbereich ganz verschwindet. Ganz verschwindet? Zu früh gefreut – am Verkaufsort (Tabakgeschäfte, schicke Verdampfer-Läden in besten Innenstadtlagen, Tankstellen usw.) bleibt Werbung erlaubt. In Kinos darf vor Filmen ab 18 weiter geworben werden (warum war das eigentlich nicht schon so?!) und auch an der Praxis von Gratisproben und Veranstaltungssponsoring soll sich nichts ändern. Weshalb auch – da würden sich die regierenden Parteien ja ins eigene Fleisch schneiden. Immerhin beziffert Lobby-Control die Sponsoring-Gelder pro Jahr, die CDU, CSU, SPD und FDP erhalten haben auf circa 544.000 €.

Q: kappertgonther.de, MAZ Online

Categories: Allgemein
Jun
28

Neuseeland wird Rauchfrei

Neuseelands Politiker sind sehr konsequente Verfechter staatlicher Gesundheitspolitik. Auch wenn Zigaretten noch nicht ganz so teuer wie im Nachbarland Australien sind wurden doch schon diverse positive Regelungen eingeführt.

Werbung für Tabak ist verboten, Zigarettenschachteln dürfen auch am Verkaufsort nicht mehr öffentlich sichtbar sein (seit 2011), jährlich wird die Tabaksteuer um 10% erhöht (der Schachtelpreis für 20 Zigs liegt bei 30 neuseeländischen Dollar ~ 18 €). Diesen Regulationen soll nun die nächste Eskalationsstufe folgen. Neuseeland möchte bis 2025 das Rauchen gänzlich verbieten wie die Gesundheitsministerin Tariana Turia der Zeitung New Zealand Herald gegenüber äußerte.

Ein toller Schritt … davon kann Deutschland, das immer noch gegen den Widerstand der CDU versucht ein Tabakwerbeverbot zu bekommen, leider nur träumen.

Q: New Zealand Herald

Categories: Allgemein
Mai
23

Hoffnung für Österreichs Gastronomie

Heinz-Christian Strache macht die Bahn frei – für einen politischen Neuanfang und damit (hoffentlich) auch für einen Schutz aller Menschen vor Passivrauch in der Gastronomie.

Die österreichische Ärztekammer sieht jetzt die Zeit gekommen, um den Nichtraucherschutz nach bayerischem Vorbild umzusetzen und das allgemeine Rauchverbot in der Gastronomie einzuführen. Es hätte eigentlich im vergangenen Frühjahr in Kraft treten können und sollen – die FPÖ (Freiheitliche Partei Österreichs) hatte in den Koalitionsgesprächen aber die Verhinderung dieses sinnvollen Gesetzes durchgesetzt.

Die Bürger der Alpenregion hatten in dem Volksbegehren „Don’t Smoke“ immerhin 881.692 Unterstützer dazu bewegen können, für ein vollständiges Gesundheitsgesetz gegen die Gefahren des Passivrauchs in Lokalen zu unterzeichnen. Kanzler Sebastian Kurz ist selbst bekennender Nichtraucher und hatte sich vor der Nationalratswahl für die Einführung des Rauchverbotes in Speiselokalen und Eckkneipen ausgesprochen.

Dass die FPÖ durch politisches Falschspiel nun auch die konsequente Leugnung aller medizinischen und gesellschaftspolitischen Argumente gegen das Rauchen nicht länger durchsetzen kann ist absolut überfällig. Österreich, wir drücken Euch die Daumen!

Categories: Allgemein
Mai
23

Jens Büchner an Lungenkrebs gestorben

„Malle-Jens“ starb im November 2018 mit nur 49 Jahren an den grässlichen Folgen seines Tabakkonsums. Der hochenergetische „Auswanderer“ wollte vor seinem Tod niemanden mit seiner Krankheit belasten und schwieg bis zum Schluss. Jens Büchner kam aus Eythra bei Leipzig, und hatte erst im Sommer 2017 seine Frau Daniela geheiratet.

Jan
23

Rückblick: 25 Jahre Erkenntnis

Zwischen Kamelen und der wilden Weite des Cowboy-Landes ist nicht viel Platz. Zumindest wenn es darum geht, Zigaretten zu verkaufen und gegen Werbeverbote zu agitieren. Die Zigaretten-Lobby verhindert u. a. mit gekauften Politikern wie Altbundeskanzler Helmut Schmidt erfolgreich das Werbeverbot.

Heute gibt es zu der 1992 bekannten und veröffentlichten Darstellung sowohl aus medizinischen Sicht als auch zur fatalen politischen Einflussnahme kaum etwas hinzuzufügen.

Die hr-Produktion „Komm ins Land der Leichten“ trägt den Untertitel „Die Droge Tabak und ihre Opfer“ und zeigt wenig spektakulär und unaufgeregt die schrecklichen Folgen des Rauchens (auch auf für einstmaligen Werbeiconen wie den Malboro-Cowboy Wayne McLaren oder das Lucky Strike-Girl der 1950er Jahre Janet Sackman) und ebenfalls, wenn auch nur in wenigen Augenblicken, die Einflussnahme auf Politiker und ganze Staaten.

Seit mehr als 25 Jahren wissen wir, was los ist … und konnten dennoch nur wenig dagegen erreichen. Deswegen ist dies zwar ein Rückblick auf mehr als 25 Jahre aber gleichzeitig auch ein Rückblick auf mehr als 2,5 Mio Tabaktote, wenn man die 100.000 toten Deutschen ansetzt, von denen man schon 1992 ausgehen musste.

Jan
10

6 von 7 Experten schlagen Werbeverbot für Tabak vor

Am gestrigen Montag war es so weit: die öffentliche Anhörung vor dem
Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft des Bundestags hatte sieben Fachleute und einen Lobbyisten geladen. Sechs der sieben Experten sprachen sich vor dem Ausschuss, der von der CDU/CSU-Fraktion geleitet wird, für eine Verbot von Werbung für Tabakprodukte und vergleichbare elektronische Produkte aus.

Geladen waren:

  • Dr. Frank Henkler-Stephani, Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
  • Prof. Dr. Reiner Hanewinkel vom Institut für Therapie- und Gesundheitsförderung (IFT-Nord) 
  • Dr. Tobias Effertz, Heinricht-Heine Universität Düsseldorf
  • Ute Mons, Deutsches Krebsforschungszentrum in Heidelberg (DKFZ)
  • Prof. Dr. Daniel Kotz, Universität Hamburg
  • Prof. Dr. Christoph Degenhart, Universität Leipzig
  • (Dr. Verse vom Goethe Institut Leipzig konnte wegen Zugausfall nicht erscheinen)

Insgesamt stimmten bis auf Degenhart alle überein, dass Zigarettenwerbung eine enorme Gefährdung von Kindern und Jugendlichen wären, sehen den kausalen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Tabakwerbung und daraus resultierendem Tabakkonsum. Sowohl die Gesundheit der Menschen ließe sich durch ein Werbeverbot deutlich fördern als auch die Prävalenz bei Jugendlichen mit dem Rauchen zu beginnen weiter senken. Alle Sozialversicherungskassen könnten durch das Zurückdrängen des Tabakkonsums deutlich profitieren – Dr. Effertz bezifferte die gesellschaftlichen Kosten mit jährlich knapp 100 Milliarden Euro (Umsatz mit Zigaretten in Deutschland pro Jahr 22-24 Mrd mit ca. 14 Mrd € Tabaksteuer-Anteil) — eine Zigarettenschachtel müsste 11,30 € kosten, um diese aufzufangen. Mons betonte allein in 2018 könnten schon über 85.000 Krebsneuerkrankungen, also jede fünfte neu diagnostizierte Krebserkrankung, auf das Rauchen zurückgeführt werden. Dr. Effertz wies auch auf die starke Verschränkung zwischen E- und regulären Zigaretten hin und forderte deshalb auch die Einbeziehung der elektrischen Produkte in das Werbeverbot.

Daneben hatte noch Jan Mücke vom Deutschen Zigarettenverband e. V. Zeit bekommen, um seine Lobbyinteressen direkt vor dem Ausschuss auszubreiten. Selbstverständlich behauptete Mücke, ein Werbeverbot griffe in die Freiheitsrechte von Unternehmen ein („verfassungswidrig“ – eine Behauptung ersetzt tausend Argumente) und überhaupt wäre ja Tabakwerbung schon weitgehend eingedämmt worden v. a. weil sie sich ja gesetzlich nicht an Kinder und Jugendlichen richten darf und deshalb überflüssig wäre (Anm. d. Red.: allein ich habe im vergangenen Jahr mehrere Plakate als jugendgefährdend beim Deutschen Werberat und bei den zuständigen Behörden angezeigt. Mücke gab zu, dass es drei Verstöße gegen den eigenen Kodex im Jahr 2016 und einen Verstoß in 2018 gegeben hat; gleichzeitig behauptete er, dass es keinerlei Anzeigen wegen Jugendgefährdung gegeben hätte.).

Der Jurist Prof. Degenhart fabulierte, fast wie auswendig gelernt, über einen Vorstoß des Tabakwerbeverbots als Grundlage für weitreichende Verbote für alle möglicherweise gefährlichen Produkte und begründete seine ablehnende Haltung hierzu insgesamt mit Eingriffen in die durch die Verfassung geschützte „Meinungsfreiheit“. Die an seinen Beitrag anschließende Mimik und Gestik dürfte für jeden Forscher auf diesem Gebiet einen umfangreichen Fundus bieten. Sein Husten allerdings gibt eher Anlass zur Sorge und sollte dringend von einem Lungenfacharzt untersucht werden. Degenhart wurde im späteren vom Linken-Abgeordneten Niema Movassat regelrecht bloßgestellt, weil er schon vor dieser Anhörung ein Gutachten für die Deutsche Werbewirtschaft (vorgestellt vom Deutschen Zigarettenverband) geschrieben hatte.

Und hier das Video zur Anhörung:

Und noch ein freies Zitat von Prof. Dr. Kotz: „Warum rauchen Menschen überhaupt noch? Weil es so leicht ist, mit dem Reichen anzufangen, und so schwer, mit dem Rauchen aufzuhören.“ Ein schönes Schlusswort!

Ab Minute 30 beginnt die Befragung durch die Abgeordneten; es beginnt durch hochinteressante Fragen der Drogenbeauftragten Marlene Mortler. Und anschließend spricht Rainer Spiering für die SPD und startet leidenschaftlich mit einem Appell gegen die zynischen Ausführungen von Hr. Mücke (ca. Minute 36).

Die vollständigen Gutachten der Sachverständigen und des Lobbyisten können hier abgerufen und eingesehen werden: Deutscher Bundestag

Q: Ärzteblatt, WirtschaftsWoche. GeneralAnzeigerBonn, Deutscher Bundestag

Categories: Politik,Tabakwerbung
Dez
11