Pfeiffer neuer Kauder?

Seit Volker Kauder als Fraktionsvorsitzender abgewählt wurde schwindet auch sein Einfluss auf aktuelle Themen. Nicht zuletzt keimt seit Monaten die Hoffnung, auch innerhalb der CDU/CSU-Fraktion, ein Tabakwerbeverbot könnte Gestalt annehmen und verabschiedet werden.

Doch diese Rechnung darf man nicht ohne die Industrie machen. Und zwar eine, deren Werbekosten- und Lobby-Budgets gut gefüllt sind. In die großen, sehr schmutzigen Fußstapfen von Kauder tritt nun der Abgeordnete (Dr.) Joachim Pfeiffer, der bereits seit mindestens 2016 laut für die Tabakkonzerne dieser Welt politisch eintritt. (Auf seiner eigenen Internetseite u. a. 11/2017.)

Dabei argumentiert er erwartbar und repetetiv (als ob schlechte Argumente durch Wiederholung besser würden): „Die Tabakwerbung unterliegt bereits starken Beschränkungen“, warnt vor der Verfassungswidrigkeit eines Totalwerbeverbots, er spricht davon, dass eine neue Regelung der Tabakwerbung so etwas wäre wie die „Büchse der Pandora“ (ob er allerdings die griechische Mythologie hinter dieser Redewendung kennt bleibt fraglich, denn sein Vergleich zwischen der Idee, etwas Todbringendes zu regulieren, und der griechischen Sage, bei der durch bloße Neugierde Laster, Übel und Tod über die Menschheit gebracht werden, ist mehr als hinkend). Pfeiffer wäre „einst nicht in die CDU eingetreten, um einer Verbotspartei anzugehören“ und er warnt als Pseudo-Konkretisierung seines o. g. falschen Vergleichs davor, dass „bald die Debatte um ein Verbot der Werbung für Zucker, Wein oder andere, nicht mehr politisch korrekt erscheindende Produkte“ beginnen würde. Meint: „Wir brauchen dieses Gesetz nicht. Es ist nur ein weiterer Versuch, den Bürger zu bevormunden.“

Antworten auf diese Pseudoargumente findet man, wenn man sie denn bräuchte, z. B. bei pro-rauchfrei.de

Zu Pfeiffer findet man auf der Seite des Bundestages in der Aufstellung von „Veröffentlichungspflichtigen Angaben“ (sprich Nebeneinkünften, aus denen sich in meinen Augen auch rasch diametral zur Abgeordnetenverpflichtungen stehende Interessen entwickeln können) u. a. eine Consulting/Beratungsfirma mit seinem Namen. Leider müssen Kunden z. B. von Beratungsfirmen nicht veröffentlicht werden müssen, sind wirtschaftliche Verknüpfungen zu den getätigten Äußerungen sind schlecht zu überprüfen) .

Auf die Frage bei Abgeordnetenwatch, ob er Geschäfts-Kontakte zu Tabakunternehmen oder -verbänden pflegt, pöbelt er mit „Anspielung auf […] Bestechlichkeit“ und „dummdreist“ – statt sachlich zu Antworten. Ein Bundeswehroffizier sagte einst zu mir: „wer schreit, hat unrecht und wer sich rechtfertigt, hat dies nötig“.

Viel wichtiger ist aber, dass er weder auf die eigentliche Frage (nach der Belegbarkeit der Behauptung, es würden bald nach der Werberegulierung für Tabak auch die für andere Produkte folgen) antwortet, noch wissenschaftliche Tatsachen anzuerkennen bereit ist. Er fabuliert von „mündigen Bürgern“, „legalen Produkten“ und „Bevormundungspolitik“; ignoriert dabei, dass Tabakwerbung eben auch (und im Besonderen) den (noch) nicht mündigen Bürger, also z. B. Kinder, erreicht und in der späteren Entscheidung beeinflusst. Genau das ist nämlich auch das Ziel von Werbung: Beeinflussung.

Quellen: Bundestag, Wikipedia, Stuttgarter Zeitung, FAZ, Abgeordnetenwatch

Nov
25

Seit Jahren …

Märchen fangen zwar etwas anders an („Es war einmal …“), sind aber fast genauso schwer zu glauben. Denn es ist inzwischen wirklich unglaublich, dass es nicht möglich scheint ein umfassendes Tabakwerbeverbot in Deutschland durchzusetzen. Obwohl (bis auf CDU/CSU und die sogenannte AfD) fast alle Parteien inzwischen dafür wären. Und die Bürger ohnehin – selbst bei Rauchern herrscht großes Unverständnis, weshalb Tabakkonzerne versuchen sollten, mit großformatigen Plakaten Raucher einer Marke zu einer anderen Marke „zu Verführen“. Es geht, seien wir doch ehrlich, um die langfristige Beeinflussung der Schwächsten und deren Abstieg in eine teure, sinnlose, umweltzerstörerische und nicht zuletzt tödliche Abhängigkeit.

Bereits im Sommer 2019 ließ die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel verlautbaren, dass, wenn es nach ihr ginge, das Tabakwerbeverbot bis Ende des Jahres unter Dach und Fach wäre und damit durchgesetzt werden würde:

Inzwischen haben sich dieser Meinung Gesundheitsminister Jens Spahn, die bislang eher Tabaklobby-orientiert sprechende Ministerin Julia Klöckner (u. a. Verbraucherschutz) und die neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung Daniela Ludwig angeschlossen. Sie erhalten von diversen Unionsparlamentariern Rückendeckung, wie beispielsweise von CDU-Gesundheitspolitiker und Arzt Rudolf Henke. Mit dem neuen Fraktionsvorsitzenden Ralf Brinkhaus scheint auch in den Reihen der Konservativen Hoffnung auf einen Erfolg in der Verbrauerschutz- und Gesundheitspolitik gewachsen zu sein.

Aber natürlich gibt es auch den „neuen Kauder“: Joachim Pfeiffer scheint der neue Marionetten-Kasperl der internationalen Tabakkonzerne zu sein, denn es gibt wahrlich keinen Grund so unsinnige Argumente zu repetieren, wie er sie laufend vorbringt („Symbolpolitik“, „Süßes, Fastfood und Alkohol sind auch schädlich für die Gesundheit. Gibt es dann morgen ein Zuckerverbot, wird anschließend Fastfood gestrichen und kommt übermorgen ein Verbot für Bier?“, „Außerdem ist es nicht Aufgabe der Politik dem mündigen Bürger alles vorzuschreiben.“, „Es existieren keine validen Belege darüber, dass ein komplettes Werbeverbot auch tatsächlich wirkt.“), ach ja: außer monetären.

Um überhaupt ein tragfähiges Gesetz gegen den mächtigen Wirtschaftsflügel (böse Zungen würden ihn vielleicht als den gekauften Teil der CDU bezeichnen) zu entwickeln scheinen aber schon viele Kompromisse den Weg in das Papier gefunden zu haben:

  • Gültigkeit des Gesetzes erst ab 2022
  • POS-Maßnahmen bleiben erlaubt (d. h. Werbemaßnahmen u. a. mit großformatigen Bildschirmen nicht nur an Tankstellen sondern allen Verkaufsorten)
  • Kinowerbung in Filmen ab 18 Jahren soll (nun sogar ganztags) möglich bleiben
  • Tabakerhitzer scheinen inkludiert zu bleiben, bei E-Zigaretten und Verdampfern scheint sich die Verkaufs- und Suchtlobby eine Ausnahme zu erkämpfen (mit den gleichen Einschränkungen wie sie bereits jetzt gelten)
Nov
21

Rauchen im Auto?

Für fast jeden Raucher ist selbstverständlich, fahren Kinder im Auto mit, wird nicht geraucht! Aber es gibt auch unvernünftige Erwachsene, die nicht nur sich selbst gefährden sondern eben auch die Minderjährigen durch Tabakrauch oder E-Qualm gefährden – und dies sind nach Studien des Deutschen Krebsforschunszentrums (DKFZ) bis zu einem Drittel der Raucher.

In einigen Ländern ist das Rauchen im Auto deswegen seit einiger Zeit verboten, wenn Schwangere, Kinder oder Jugendliche mitfahren. Zu diesen Ländern gehören Australien, Kanada, Südafrika und USA. In Europa gibt es Strafen in den Ländern

  • Italien (je nach Kindesalter 250 bis 5.000 €)
  • Frankreich (68 €)
  • England und Wales (50 Pfund ~ 56 €)
  • Schottland (100 Pfund ~ 112 €, Ausnahme für E-Zigaretten)
  • Irland (100 €)
  • Griechenland (bis zu 1.500 €)
  • Zypern (85 €) sowie
  • Österreich (50 € und bis zu 1.000 € im Wiederholungsfall)

In der Diskussion werden teilweise abstruse Argumente vorgebracht, wie „Eltern wissen am besten, was gut für Ihre Kinder ist“; aber wenn ohnehin keiner im Auto rauchen würde, weil das so wäre, gäbe es auch kein Problem. Auch nicht mit potentiellen Strafen, die dann auch niemals ausgesprochen werden müssten – wovor also haben manche Menschen Angst?

Immerhin gut 90% aller Deutschen befürworten ein solche Verbot. Denn immerhin sind es allein in Deutschland aktuell etwa 800.000 Kinder und Jugendliche, die in verqualmten Autos mitfahren müssen. Denn nach den Untersuchungen des DKFZ lässt etwa ein Drittel aller Autofahrer das Rauchen im Auto nicht, auch wenn hierdurch Kinder unfreiwillig mitrauchen müssen. Und wie im unten verlinkten Dokument zu lesen ist hilft auch das offene Fenster nur wenig.

Für ein Rauchverbot im Auto spricht außerdem, dass Ablenkungen, wie sie bei der Nutzung von Mobiltelefonen entstehen, auch durch das Rauchen eintreten können: beim Suchen der Schachtel, beim Herauskramen der Zigarette, beim Anzünden und im schlechtesten Fall, weil einem die brennende Zigarette in den Schoß fällt. Durch kurze Momente der fehlenden Konzentration entstehen immer wieder schwere, manchmal tödliche Unfälle.

Es ist Zeit, das Rauchen im Auto zu verbieten!

Mehr Lesen bei der DKFZ

Categories: Passivrauchen
Sep
26

Greift die Selbstverpflichtung?

Der Deutsche Zigarettenverband wirbt massiv damit, dass Tabakwerbung notwendiges Mittel wäre, z. B. um die aktuellen Raucher über Preisänderungen zu informieren. Außerdem gehöre es zur Freiheit, vor allem zur unternehmerischen, dass Werbung für legale Produkte automatisch legal sein müsse.

Im O-Ton lauten die Argumente: „Die Freiheit zu werben, ist für jedes Konsumgüterunternehmen von grundlegender Bedeutung, damit es um Marktanteile konkurrieren kann. Werbung ist ein wesentliches Element des Wettbewerbes und ein wichtiges Hilfsmittel, um mit erwachsenen Konsumenten zu kommunizieren; auch dient sie der Förderung der Markenloyalität.“

Um den Kritikern, die Kinder in Gefahr wissen, begegnen zu können, gibt man sich gelinde zerknirscht: „Neben den gesetzlichen Anforderungen wollen die Mitgliedsfirmen des DZV mit einheitlichen Maßstäben für ihre Marketingaktivitäten sicherstellen, dass Kinder und Jugendliche nicht die Zielgruppe für das Tabakmarketing sein dürfen und dass die Risiken des Rauchens nicht verharmlost werden. Zu diesem Zweck hat sich der DZV einen Werbekodex als verbindliche Richtlinie für die Marketingaktivitäten seiner Mitgliedsunternehmen gegeben.“

Mit diesem halbseidenen Versprechen und der Warnung vor der dräuenden Gefahr weiterer Werbeverbote (für Zucker, Alkohol, Bordelle) hat man im Verband der Zigarettenhersteller eine Selbstverpflichtung aufgesetzt, die u. a. anpeilt 100 Meter vom Haupteingang einer Schule oder eines Jugendzentrums keine Tabakwerbung zu pflastern. Rein hypotetisch gesprochen können aber auf der Fensterseite der Schule (also gegenüber vom Haupteingang) in 101 Meter Entfernung Großflächenplakate gut sichtbar von den Schulbänken hängen … Kinder können eh nicht lesen oder auf die jugendlich-getrimmten Bilder ansprechen.

Schließlich dürften Kinder und junge Menschen unter 18 Jahren ja nicht rauchen und würden es deswegen auch nicht tun. Entgegen aller wissenschaftlichen Evidenz.

Warum nehme ich mir die Zeit und schreibe dies? Weil ich heute am „Haus für Kinder“, einer Nürnberger Tageseinrichtung für Kinder (bis zum Ende des Grundschulalters, also 0 bis 10-11 Jahre) vorbeifuhr und mir auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein WEST-Plakat entgegenfiel. Bei meinen Bemühungen, diese Plakat entfernen zu lassen, habe ich nach den Abstandsregeln gesucht und bin darüber gestolpert, wie schlecht man doch die Selbstverpflichtung im Internet finden kann. Deswegen möchte ich sie hier nochmals zur Verfügung stellen und Allen Mut machen, gegen illegale Zigarettenplakate vorzugehen.

Links:

Ach ja, sowohl die Mitarbeiter der Stadt Nürnberg als auch die der Stadtreklame waren sehr freundlich, es ist wohl wegen hoher Auslastung eine manuelle Umbuchung erfolgt und dabei wurde der Tabak-Vermerk für diese Haltestelle übersehen. Das Plakat soll innerhalb 24 Stunden entfernt werden – das finde ich sehr schön! Auch wenn ein Tabakwerbeverbot in ganz Deutschland erklärtes Ziel ist und bleibt!

Categories: Tabakwerbung
Sep
25

Österreich atmet auf

Ein einziges Hin und Her durch äußerst korrupte Politiker und einige, die kompromissbereit waren. Die aufgrund der sogenannten „Ibiza-Affäre“ aus der Regierung geflogene FPÖ hatte es in der Koalition mit der ÖVP tatsächlich geschafft, das eigentlich schon beschlossene Rauchverbot in der Gastronomie nach bayerischem Vorbild in letzter Minute zu kippen.

Nun, da die sogenannten Freiheitlichen keine Regierungsverantwortung mehr haben, hat das österreichische Parlament erneut über die Einführung eines Nichtraucherschutzgesetzes an allen Orten, an denen Speisen hergestellt, verarbeitet, verabreicht oder konsumiert werden, beschlossen – gegen die Stimmen der FPÖ, versteht sich. Das Gesetz gilt darüber hinaus auch für reinen Getränke-Service, für Schulen & deren Freiflächen aber auch für gemeindliche Mehrzweckräume oder Pfarrsäle, Feuerwehrfeste und auch Festzelte. Biergärten (Gastgärten) bleiben vorerst von der Regelung ausgenommen. Von dem am 1. November 2019 in Kraft tretenden Gesetz profitieren nicht nur alle Österreicher sondern auch die vielen Touristen, die Österreich gerade auch der tollen Luft wegen schätzen.

Gute Luft in Österreich

Die FPÖ glaub entweder allen ernstes, dass die Freiheit einzelner über die Gesundheit aller zu stellen wäre oder ist über die offensichtlich gewordene Korruptheit aus dem Gespräch mit einer vermeintlichen Oligarchentochter aus Russland hinaus tatsächlich so industriell beeinflusst, dass sie gegen die menschliche Logik zu argumentieren bereit ist.

Deren Abgeordneter Peter Wurm kommentierte das Abstimmungsergebnis mit den Worten: „ Es schaut so aus, dass die Puritaner, die Pharisäer und die politisch Korrekten das lange Ringen gewonnen haben“. In Wirklichkeit hat die Politik alle Hinweise und Beweise aus der Medizin ernst genommen und sorgt in Zukunft für einen besseren Gesundheitsschutz.

Besonders freue ich mich darüber, dass das Alter, in dem in Österreich legal geraucht werden darf, von 16 auf 18 Jahre angehoben wurde und Jugendliche und Heranwachsende besser vor den Gefahren des Nikotins geschützt werden.

Als schönes Schlusswort kann die Antwort der JETZT-Abgeordneten Daniela Holzinger-Vogtenhuber stehen: „Wir beseitigen damit eine der absurdesten Hinterlassenschaften der abgewählten rechtskonservativen Regierung“. Danke!

Q: ORF
Bild: Peter Hüller auf Pixabay

Sep
23

Umweltproblem: Kippe

Um eines der größten Umweltverschmutzungsproblem in Griff zu bekommen wurden schon viele Vorschläge gemacht: Was tun, mit den achtlos weggeworfenen Zigarettenstummeln?

Weltweit werden jedes Jahr etwa 5 Billionen Zigaretten (5 000 000 000 000) produziert, geraucht und entsorgt. Je nachdem wo die Zigarette landet mäßig bis extrem umweltschädlich. Denn Zigarettenfilter bestehen üblicherweise aus Celluloseacetat. Bereits beim Schneiden der Filter entstehen durch die feine Struktur der denaturierten Holzfasern hunderte kleiner und kleinster Microplastikpartikel.

Für gewässerlebende Tiere sind die stark mit Nikotin, Schwermetallen und anderen Giften belasteten Stummel besonders gefährlich, da das wasserlösliche Nikotin ein starkes Nervengift ist. Aber auch für Vögel, Schildkröten und andere Tiere sind die Filter nicht nur für sie selbst sondern auch für Ihre Jungen gefährlich. Zigarettenfilter können – wie andere Kunststoffteile auch – im Magen nicht zersetzt werden, füllen diesen und führen dadurch zum Tod durch Verhungern.

Einige Vorschläge, die in letzter Zeit medial gestreut wurden, sind z. B. ein Pfandsystem mit bis zu 20ct pro Stummel. Aber allein die Rücknahme wäre eine logistische Meisterleistung und eine Gefährdung der MitarbeiterInnen, die die Filterstücke ja zählen müssten. Zwar würden viel weniger Zigarettenüberbleibsel das Pflaster vor Kneipen, an Bahnsteigen und rund um Bushäuschen verunzieren, das Problem der Herstellung, der Microplastikstücke im Mund der Raucher und die problematische Entsorgung bliebe ungelöst.

Mein Vorschlag geht darüber hinaus, würde zum einen Rohstoffe sparen und zum anderen Raucher bei der Entwöhnung unterstützen und ganz nebenbei das Problem des Filters, dessen Nutzen ohnehin fraglich scheint, lösen. Ein Verbot (jetzt werden wieder vermeintliche Freigeister aufheulen) von Filtern würde viele Probleme beseitigen! Außer natürlich die der Raucher, die den Stummel bis zum Ende rauchen wollen würden und sich die Finger verbrennen. Und natürlich die der Zigarettenindustrie, die mindestens die meisten Frauen als Kunden verlieren könnten, weil Tabakbrösel im Mund … das muss man schon mögen.

Sep
18

Unverständnis bei (fast) allen

Wie tief verwurzelt die Tabaklobby in den „großen“ Parteien CDU, CSU und SPD und der mehr oder weniger verschwundenen Lobbypartei FDP ist, darüber haben wir schon mehrfach spekuliert. Dass aber kaum mehr jemand bereit ist, dies hinzunehmen, zeigt auch die ARD.

„Wir sind die einzigen!“ betitelt sie ein Video vom 12.09.2019 – das sagt eigentlich schon alles. Isoliert von allen anderen demokratischen Ländern in Europa steht ganz Deutschland noch immer ratlos vor werbebepflasterten Bushäuschen und dem öffentlich-rechlichen Sender fällt nichts mehr ein. Außer auf die Einnahmen aus der Beteiligung der Kommunen an den Werbeeinnahmen durch die Tabakindustrie zu verweisen.

Nachdem sich im Sommer 2019 sogar die Kanzlerin erst vage geäußert hat („Ich persönlich glaube, dass wir hier handeln sollten.“) und dann persönlich und konkreter wurde: „Wenn’s nach mir geht sollten wir […] die Werbung für Tabakprodukte verbieten.“ hatten viele (auch ich) schon gehofft, dass es voran geht. Leider ist aber der (monetäre?) Einfluss der Politikberater auf bestimmte Abgeordnete so groß (vgl. Volker Kauder), dass die normal denkenden und gesundheitspolitisch agierenden Mitglieder innerhalb der (vor allem) CDU sich nicht gegen die beeinflussten MdB durchsetzen können.

Link zur Website der ARD mit dem Video zur Sendung "Live nach Neun"

Es scheint so als versuchten die Konzerne so lange wie möglich den Status Quo aufrecht zu erhalten, um so viele Neu-Raucher „mitzunehmen“, wie es ihnen möglich ist. Und natürlich geht es um vermeintlich gesündere Alternativen wie e-Zigaretten, Verdampfer, Vernebler, Vaporisatoren und Tabakerhitzer … die, ginge es nach der Industrie, überhaupt nicht in der Bewerbung eingeschränkt werden dürften – es ginge hier ja um den vermeintlichen Ausstieg aus der Sucht (und nicht etwa um den Einstieg von Jugendlichen in eine lebenslange Abhändigkeit).

Realistisch gesprochen muss man davon ausgehen, dass erst mit der Abwahl der CDU Bewegung in die Sache kommen kann. Gehen Sie also wählen. Weder bei der ÖdP noch bei Grünen oder Linken ist von einer derartigen, gesamtgesellschaflich schädlichen finanziellen Beeinflussung auszugehen.

Q: https://www.daserste.de/information/ratgeber-service/live-nach-neun/videos/tabakwerbung-video-100.html

Categories: Tabakwerbung
Sep
18

Erste Krankheits- und Todesfälle durch E-Zigaretten

Kaum erforscht, riskant und umweltbelastend. Na, solche Produkte können auf dem regulierten EU-Markt nicht eingeführt werden. Oder? Bei neuartigen Tabakprodukten und E-Zigaretten ist dies gelungen, sei es weil der Milliardenmarkt noch Chancen bietet oder weil es als gesündere Alternative zum Rauchen von echtem Tabak erscheint.

In den USA sind Produkte wie JUUL aber besonders bei Jugendlichen nicht das Aus- sondern das Einstiegsprodukt in eine Abhängigkeit, vor der sie sich sicher wähnten. Bis zu 20% der US-amerikanischen Jugendlichen „dampfen“ mindestens einmal im Monat. Auch, weil die E-Zigaretten mit Armoastoffen gerade auf die junge, weibliche Zielgruppe ausgerichtet sind: Apfel, Pink-Grapefruit und sogar Latte-Macciato sind nur einige der angebotenen Fluids.

Dabei enthalten diese verdampften oder vernebelten Flüssigkeiten vor allem Chemikalien wie Propylenglycol, Nikotin, Veetalglycerin aber natürlich auch die Aromen selbst (nicht selten werden in asiatischen Produkten aber auch Schwermetalle und andere Stoffe gefunden, die dort sicherlich nicht hineingehören). Nicht oder nur sehr wenig ist über den Einfluss dieser Substanzen bekannt, am wenigsten wie sie als Chemiecocktail nach der Erhitzung vom Körper resorbiert werden und welchen Einfluss sie auf mögliche Zellschädigung haben.

In den Medien sind in den letzten Tagen vermehrt Berichte über Explosionen von E-Zigaretten aber auch über erste Folgeerkrankungen (ca. 200 Erkrankungen in den USA) und sogar Todesfälle erschienen, die bisherige Vermutungen über das Gefährdungspotential mindestens bestätigen.

Man kann nur jedem Raten, weder Zigaretten noch E-Zigaretten oder Tabakerhitzer auszuprobieren oder weiter zu konsumieren. Ach ja, und die Politik endlich aus der Verstrickung mit der Lobby heraus holen und möglichst diesen ganzen gesundheitsschädlichen, nutzlosen und teuren Quatsch verbieten. Sprechen Sie mit Ihrem Landtagsvertreter, Ihrem Bundestagsabgeordneten oder Ihrer Europaparlamentarierin – je öfter das gefordert wird, desto eher und drastischer wird sich etwas ändern!

Q: Stern, Focus, RT.com

Categories: Allgemein
Sep
09

Psychologie, Rauchstopp und Politik

Dass Zigarettenrauchen als „normal“ anerkannt und als „Genuß“ verklärt wird ist heute – vergleicht man die Situation mit Fernsehbildern der vergangenen Jahrzehnte – zum Glück schon längst nicht mehr Fakt.

In der Medizin sieht man Tabakrauchen auch ganz sachlich als Nikotinmissbrauch, als Sucht. Durch dein Einfluss der finanzstarken Tabaklobby ist es aber noch immer nicht soweit, dass in Deutschland Rauchen im öffentlichen Raum oder in geschlossenen, öffentlich zugänglichen Räumen verboten wäre. Noch nicht mal ein umfassendes Tabakwerbeverbot kann gegen die mächtigen Tabaklobbyisten innerhalb der CDU durchgesetzt werden – obwohl inzwischen selbst die FDP eingesehen zu haben scheint, dass Rauchen den Staat und die Gesellschaft viel mehr kostet als es an Steuereinnahmen, gesellschaftliche Einkommen usw. einbringt.

Wie massiv die psychischen und physischen Einflüsse des Konsums von Zigaretten auf das Leben eines Rauchers sind, wird häufig bis heute unterschätzt. Gerauchtes Nikotin ist einer der am stärksten abhängig machenden Stoffen. Selbst Raucher reden sich ein, sie können „jederzeit aufhören“ – die Statistik zeigt anderes: noch nicht mal einem Drittel, derer die einen Rauchverzicht beginnen, schaffen den Ausstieg. Das Ausmaß der Abhängigkeit wird oft erst erkannt, wenn bereits körperliche Symptome der angerichteten Schädigungen sichtbar werden.

Raucher erklären oft, dass sie Entspannung durch die Zigarette (heute häufig auch E-Zigarette oder Verdampfer) verspüren würden. Es zeigt sich in Untersuchungen jedoch, dass sie lediglich die Entzugserscheinungen dämpfen und noch nicht mal auf das Stress-Level eines Nichtrauchers kommen. Leider ist Rauchen noch immer sozial akzeptiert (wer würde es denn tolerieren, wenn ein Kollege um 10 Uhr morgens sagt: „Ich gehe nur mal schnell vor die Tür, ein Bier trinken.“?), es gibt kaum soziale Einschränkungen oder gesellschaftliche Missbilligung.

Der Raucher selbst ist aber nicht der Böse, selbst wenn er Nichtraucher und vor allem sich selbst gefährdet. Er ist in dem großen Spiel ums Geld nur einer der Verlierer. Und Verlierer gibt es im Geschäft mit dem Tabak viele:

  • Tabakbauern in den ärmsten Regionen der Welt und ihre Kinder
  • die Umwelt, durch den Raubbau und den Einsatz von Herbiziden und Pestiziden sowie auf Mineralöl basierenden Kunstdünger
  • Raucher
  • Nichtraucher
  • die Umwelt (schon wieder), durch die Produktion von Celluloseacetat und die unmöglich sach- und fachgerecht zu leistende Entsorgung Filtern, die nach dem Rauchen Unmengen an Schadstoffen enthalten und selbst aus biologisch unverträglichem Kunststoff bestehen
  • die Gesellschaft – durch Arbeitsausfall, Krankheit, Frühverrentung und frühen Tod entstehen menschliches Leid und Unsummen an Folgekosten für Kranken- und Rentenkassen

Einzige Gewinner sind die Aktionäre und Eigentümer der wenigen multinationalen Tabakkonzerne. Ist das nicht traurig? Muss man da nicht was dagegen tun? Und was wäre dies? Na, da hätten wir schon ein paar gute Ideen (die nicht unsere sind, die uns aber alle überzeugen):

  • ein sofortiges und umfassendes Tabakwerbeverbot, das auch für neuartige Produkte wie Tabakerhitzer, Vaporisatoren und Verdampfer umfasst, auch am Verkaufsort (Point-of-Sale, POS) muss eingeführt werden
  • der Verkauf von Zigaretten muss eingeschränkt werden – ein Verbot von Zigarettenautomaten (deren Oberfläche momentan ja auch gleichzeitig als Werbefläche fungiert) gefolgt von der Einschränkung auf spezialisierte Geschäfte (d. h. z. B. den Verbotsverkauf in Tankstellen) ist überfällig
  • Plain Packaging – die neutrale Verpackung aller Schachteln ohne Farbgestaltung oder Logo unterstützt Raucher beim Ausstieg durch Trennung der Markenbindung
  • parallel zu diesen Einschränkungen müssen Abhängige möglichst schnell bessere ärztliche Unterstützung beim Rauchstopp erfahren – psychologische Betreuung während eines Entzuges wird aktuell trotz Einstufung als Suchterkrankung noch nicht von den Krankenkassen in Deutschland übernommen
  • eine gesetzlich fortgeschriebene Erhöhung der Tabaksteuer in möglichst hohen Stufen fördert bei jeder Erhöhung den Ausstieg und durch den höheren Abgabepreis sinkt die Bereitschaft bei Kindern und Jugendlichen die Bereitschaft zu rauchen
  • Suchtprävention, die aktuell z. B. durch den Verein „Aufklärung gegen Tabak e. V.“ in Schulen statt findet, muss gesellschaftliche Aufgabe werden und fest in den Lehrplänen und der Lehrerausbildung verankert werden
  • ein Verbot der Einflussnahme durch Tabakkonzerne und -Interessenvertretern auf die Politik – durch Spenden, Sponsoring und Einladungen nehmen diese weitreichenden Einfluss auf Parteien, Politiker und damit auf die Erreichbarkeit der o. g. Ziele
Categories: Allgemein
Sep
09

Kurzer Blick rundum

In Deutschland gelingt es der Lobby die Regierungsparteien der CDU/CSU-Fraktion und wohl auch Teile der SPD so zu beeinflussen, dass seit Beginn der Kanzlerschaft von Dr. Angela Merkel kaum Fortschritte in der Tabakprävention zu verzeichnen sind. Und dies, obwohl die ehemalige Drogenbeauftragte Marlene Mortler und der Landwirtschaftsminister Christian Schmidt CSU-Politiker/in sind und beide zusammen auch ambitionierte Pläne für Tabakwerbeverbote (2014, 2016/17) hatten.

Heute wollen wir aber mal einen Blick auf die Nachbarländer werfen:

  • Alle EU-Mitgliedsstaaten – außer Deutschland – haben mittlerweile Gesetze eingeführt, welche die Tabakwerbung sowie Sponsoring deutlich umfassender verbieten als dies in der EU-Richtlinie 2003/33/EG zu Tabakwerbung im Internet, in Zeitungen und Zeitschriften geregelt ist.
  • Erwiesenermaßen sind starke Steuererhöhungen auf Tabakprodukte eines der wirksamsten Instrumente der Prävention, viele Länder erhöhen aber trotzdem stufenweise und langfristig geplant. In Frankreich findet diese Erhöhung in drei Schritten von 2017 bis 2020 statt und wird zuletzt den Preis pro 20er-Schachtel auf etwa 10 € heben. Im Vergleich: Zigaretten kosten in Deutschland ~7 €.
  • In vielen Ländern (außer, dank der rechtsnationalen FPÖ, in Österreich) herrscht ein absoluter Nichtraucherschutz in der Gastronomie – in Deutschland gibt es in vielen Bundesländern Ausnahmen für kleine Kneipen oder für Nebenzimmer
  • In Frankreich, Irland, Großbritannien, Norwegen, Slowenien (2020) und Ungarn (Ursprünglich Mai 2019 nun ab 2022) sind Zigaretten nur mehr in einheitlicher Verpackung („Einheitsverpackung“, Plain Packaging) ohne Design, individueller Farbgestaltung oder Logo abzugeben.
  • Schweden plant bis 2025 rauchfrei zu werden und verschärft hierfür das generelle Rauchverbot. Es wird ab 1. Juli verboten sein in Freiflächen (Biergarten, Terrassen usw.) von Gaststätten und unmittelbar vor Lokalen sowie auf Spielplätzen, auf Bahnsteigen und an Haltestellen zu rauchen oder zu „dampfen“; d. h. die neuen Regelungen gelten auch für E-Zigaretten und Tabakerhitzer.
  • Finnland möchte bis 2035 die Raucherquote bei 15- bis 64-jährigen auf unter zwei Prozent senken, und damit faktisch rauchfrei werden. Eine Regelung auf dem Weg dorthin wird sein, dass finnische Staatsbürger mindestens 24 Stunden im Ausland verbringen müssen, damit sie Tabakerzeugnisse oder sogenannte Liquids mit Nikotin importieren dürfen.

Damit sich in Deutschland etwas ändert muss sich scheinbar an den politischen Machtverhältnissen in Berlin etwas ändern, denn auch mit dem neuen Fraktionsvorsitzenden Brinkhaus scheint kein echter Wille zu mehr Jugend- und Nichtraucherschutz in die Köpfe der Unionspolitiker eingezogen zu sein. Und: Mahnungen der Tabakindustrie, Werbeverbote würden zu Entlassungen führen, können nicht direkt auf die verlorenen 1.050 Arbeitsplätzen durch „Reduzierung der Produktionskapazitäten“ von Philip Morris in Berlin zum 1. Januar 2020 angewandt werden – denn es gibt kein gesetzliches Werbeverbot. Noch nicht mal in ferner Sicht.

Categories: Politik,Prävention
Jul
02